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Landkreis Dachau:Die Zukunft der Stromversorgung

Die Dachauer Genossenschaft Bürgerstrom kämpft für eine regionale und dezentrale Energieerzeugung - gegen die großen Energiekonzerne.

Ist das Projekt nur eine grün-alternative Idee mit kurzfristiger Nachhaltigkeit? Oder eine Träumerei gegen die Macht der Stromkonzerne? Was also ist dran an der Genossenschaft Bürgerstrom e.G., die im Juli vergangenen Jahres gegründet wurde und jetzt offiziell ins Register des Finanzamts eingetragen und damit auch steuerlich anerkannt ist.

Michael Eisenmann ist Vorstand der Bürgerstrom-Genossenschaft, die aus einer Bürgerinitiative gegen die Beteiligung der Dachauer Stadtwerke an Kohlekraftwerken in Nordrhein-Westfalen hervorging.

(Foto: DAH)

Nun gibt es in Deutschland den Genossenschaftsverband, in dem auch die Volks- und Raiffeisenbanken Mitglied sind. Dieser Verband hat kürzlich eine zentrale Tagung abgehalten, in der sich zahlreiche Organisationen vorgestellt haben, die sich der Strom- und Energieerzeugung verschreiben. Übrigens teilweise mit Einlagen ihrer Mitglieder von bis zu sieben Millionen Euro.

Das Credo dieser Genossenschaften einschließlich ihres Dachverbands liest sich so: "Im Ergebnis gehört die Zukunft der Energieherstellung und Energiesicherung in die Regionen. Nur so ist es möglich, das jeweils bestmögliche Energiemanagement zu definieren und die Wertschöpfung weitgehend wieder in die Regionen zurückzuführen." Um diese Ziele zu erreichen, müssten Bürger, öffentlich-kommunale Vertreter und Wirtschaft abgestimmt zusammenarbeiten. "Vielfältige Beispiele beweisen, dass dies im Wirtschaftsformat der Genossenschaft gelingen kann."

Genau dieses Ziel verfolgen Michael Eisenmann aus Dachau, Vorstandsmitglied der eben erst gegründeten Dachauer Genossenschaft Bürgerstrom, und Heinz Mielewsky aus Markt Indersdorf, der den Vorstand als Experte für Organisationsentwicklung ehrenamtlich und als Genossenschaftsmitglied berät. Die ersten Erfolge stimmen sie hoffnungsfroh: In Breitenau bei Dachau ist es gelungen, ein erstes kleines Solarkraftwerk auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern Größe zu installieren. Es dürfte in den nächsten Wochen schon ans Netz gehen. Die zurzeit 51 Mitglieder haben nach Eisenmanns Angaben bereits 140 000 Euro eingebracht. Das Solardach wird maximal 250 000 Euro kosten. Bei einer "sehr konservativen Kalkulation", so Eisenmann und Mielewsky, dürfen die Anleger mit einer Rendite von zwei bis vier Prozent rechnen. Aber nicht der Profit ist das vorrangige Ziel; im Gegensatz beispielsweise zu professionellen Energieunternehmen, die einen Erlös von acht Prozent und mehr im Jahr anstreben. Sondern eben die Idee einer regionalen Versorgung. Michael Eisenmann und Heinz Mielewsky: "Darauf kommt es an. Wichtig ist, dass wir etwas für unsere regionale Gemeinschaft tun." Und: "Wir wollen eine lokale Energieerzeugung, die von den Menschen hier im Landkreis getragen wird."

Dabei ist das Wort "Landkreis" wichtig. Denn noch ist die Genossenschaft Bürgerstrom eher eine städtische Angelegenheit, die aus einer Bürgerinitiative gegen die Beteiligung der Dachauer Stadtwerke an Kohlekraftwerken in Nordrhein-Westfalen hervorging. Daraus entstand ein Bürgerentscheid, in dem sich diese Initiative gegen Stadtwerke und Stadtrat durchsetzte. Nebenbei bemerkt: Sie hat mit ihrer Kritik durch die juristischen und politischen Entscheidungen gegen dieses Kohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen Recht bekommen. Aber Eisenmann und Mielewsky betonen, dass die Genossenschaft Bürgerstrom nicht Kommunalpolitik betreiben will, sondern sich als Unternehmen versteht. Gleichwohl resultierte die Idee dazu auch aus der Überlegung heraus, "nicht nur zu kritisieren, sondern auch zu zeigen, dass eine regionale, dezentrale Energieerzeugung eine reale Chance hat" (Eisenmann). Deshalb möchte sich die Bürgerstrom-Genossenschaft nicht nur in der Stadt Dachau, sondern im ganzen Landkreis etablieren. Dazu findet am Donnerstag, 29. März, 19 Uhr im Gasthof Hohenester in Glonn bei Markt Indersdorf eine erste zentrale Veranstaltung statt. Die Genossenschaft will in diesem Jahr auf etwa 100 Mitglieder wachsen. Es dürfen auch mehr werden.

Martin Richter, Pressesprecher der Volksbank-Raiffeisenbank Dachau, begrüßt diese Initiative: "Das ist der richtige Ansatz im Sinne einer regionalen Wertschöpfung. So profitieren alle davon und nicht die Energiekonzerne."

© SZ vom 21.03.2012

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