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Gelockerte Beschränkungen:Ein sehnlichst erwarteter Besuch

Die Friseursalons haben wieder geöffnet: Die Läden wie im Bild der Salon Haarem in der Altstadt von Dachau waren am Montag und Dienstag überlaufen. Friseur Dennis Maiwald ist froh, dass er wieder Kunden hat.

(Foto: Toni Heigl)

Nach fast sechs Wochen dürfen Friseurgeschäfte unter strengen Hygieneauflagen ihren Betrieb wieder aufnehmen. Für die Betreiber besteht die Herausforderung darin, dass die Gäste sich wohlfühlen und gleichzeitig geschützt sind

Von Johanna Hintermeier, Dachau

Nach fast sechs Wochen durften Friseurgeschäfte im Landkreis unter strengen Hygieneauflagen am Montag wieder öffnen. Zu einem Normalbetrieb kommt es dadurch aber nicht. "Wir haben den Sturm der Stürme", sagt Julia Fischer aus der Haargalerie Petershausen. Viele Menschen hätten lange auf einen Haarschnitt gewartet, nun gibt es großen Andrang.

Die Friseursalons müssen nun ihre Arbeitsabläufe anpassen, Laufkundschaft darf nicht angenommen werden, stattdessen müssen Termine über Telefon und E-Mail vereinbart und im Krankheitsfall wieder abgesagt werden, erklärt Dennis Maiwald. Ihm gehört der Haarem Laden in der Konrad-Adenauer-Straße in Dachau. Der Salon hat nun von 8 Uhr bis 22 Uhr geöffnet, die Mitarbeiter arbeiten in zwei Schichten, nur sieben der 15 Friseursessel dürfen besetzt werden. Per SMS erinnert das Friseurgeschäft die Kunden im Vorhinein an die Mund-Nasen-Maskenpflicht, die im Salon nicht abgesetzt werden darf. Die Kunden werden dann an der Türe abgeholt, die Hände werden desinfiziert, nach dem Aufhängen der Jacke folgt eine zweite Desinfektion. Trockenhaarschnitte sind verboten, mit Waschhandschuhen werden die Haare gewaschen, um Viren abzutöten. "Das Haare schneiden mit Schutzmaske ist gar kein Problem", sagt Maiwald. Höchstens beim Färben könnte die Maske ein wenig beschmutzt werden, das Geschäft bietet für 1,50 Euro aber auch Masken zum Verkauf an. 12 000 Stück hätten sie auf Lager, so Maiwald, "damit können wir unsere Mitarbeiterinnen lange versorgen".

Haarpflegeprodukte und Farbe wurden ebenfalls in großen Mengen gelagert: "Wir wollten auf den Mehrbedarf nach der Öffnung vorbereitet sein". Die Beratung für einen neuen Haarschnitt sei durch das mit der Maske halb bedeckte Gesicht schwierig: "Ich lasse mir bei Neukunden ein Foto von ihnen auf dem Handy zeigen, damit ich den Haarschnitt auf die Gesichtskonturen abstimmen kann", erklärt der Friseur. Die Gummihandschuhe dürfen nur zum Schneiden angenommen werden. "Es fällt jetzt also mehr Müll an als früher", sagt Maiwald.

Schlangen wie vor diesen Barbershop in der Dachauer Altstadt bilden sich in diesen Tagen vor vielen Friseursalons.

(Foto: Toni Heigl)

Nach dem Haarschnitt werden alle Utensilien desinfiziert. Das Desinfektionsmittel wird in der Lessing-Apotheke gemischt, Maiwald lobt die Zusammenarbeit der Dachauer Unternehmer: "Der Zusammenhalt ist seit Corona noch stärker geworden". Und auch vom Verständnis der Kunden spricht Maiwald in hohen Tönen: "Bis auf einen Herrn, der sich ohne Termin und Maske die Haare schneiden lassen wollte, haben sich alle vorbildlich verhalten."

Laut der Handreichungen des Landesinnungsverbandes des bayerischen Friseurhandwerks müssen Kundendaten, also Name, Anschrift, Telefonnummer und Zeitpunkt des Friseurtermins von den Geschäften gesammelt werden. Gesundheitsämter sollen damit im Zweifel die Infektionskette nachvollziehen und alle informieren können, sollte Kontakt zu einer mit Covid-19 erkrankten Person bestanden haben. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege hat außerdem einen Corona-Branchenstandard für Friseure entwickelt. Sie stellen etwa Vorlagen für Schilder bereit, welche die Hygienevorschriften für die Kunden erklären oder Mustervorlagen für eine Raumplanung, sodass mit genügend Abstand gearbeitet werden kann.

Die langfristigen wirtschaftlichen Schäden für die Friseurbranche können laut Sandra Breiding, Obermeisterin der Friseurinnung Dachau noch nicht abgeschätzt werden. Die Umstellungen seien groß gewesen, so mussten etwa die Lehrlingsprüfungen in den letzten sechs Wochen entfallen. Deren Unterrichtseinheiten gingen trotzdem durch Onlineseminare, weiter.

So auch bei den 16 Lehrlingen von Dennis Maiwald, der noch acht weitere Filialen des Haarem in Südbayern besitzt. "Leider können wir nun nicht mehr allen Lehrlingen garantieren, dass sie übernommen werden", man müsse nun erst einmal abwarten, wie sich die Lage entwickle. Die Umsatzeinbußen der letzten Wochen könnten nur langsam ausgeglichen werden, so Maiwald. Seine Mitarbeiterinnen waren in Kurzarbeit, die Lehrlinge wurden weiter voll bezahlt, die Miete für April wird in Raten zurückgezahlt. Zusätzlich fallen Mehrkosten für Hygieneartikel wie Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel an. Breiding von der Friseurinnung Dachau schließt daher nicht aus, dass einige Friseurläden dies nur durch eine Preiserhöhung für Kunden kompensieren könnten. Denn durch die aufwendigen Hygienevorkehrungen nimmt nun auch ein Haarschnitt mehr Arbeitszeit in Anspruch. Im Haarem wird es vorerst nicht zu höheren Preisen kommen, sagt Maiwald. Er berichtet auch von Kunden, die ein hohes Trinkgeld geben oder den doppelten Preis bezahlt hätten.

Breiding beschreibt als Herausforderung den Kunden einerseits Sicherheit aber auch einen "Wohlfühlcharakter" beim Friseurbesuchen zu bieten. Es dürfen keine Zeitschriften oder Getränke angeboten werden, auch der Small Talk wird reduziert. "Statt eines Erlebnisbesuchs des Friseurs garantieren wir nun aber nahezu perfekte Hygiene und Schutz", sagt Maiwald.

© SZ vom 06.05.2020

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