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Landgericht München II:Dachauer Dealer vor Gericht

Drei Männer sind wegen Kokainhandels angeklagt. Sie versuchten sogar, aus Griechenland Drogen zu schmuggeln - doch das misslang.

Agron D. ist gescheiterter Fußballprofi, Blerim M. Bauunternehmer und der dritte Mann im Bunde, Amet M., gibt Hausmeister als Beruf an. Tatsächlich sollen sie ihr Geld über Jahre hinweg vor allem mit einem schwunghaften Kokain- und Marihuanahandel im Raum Dachau verdient haben.

Drei Männer sitzen wegen Kokainhandels vor dem Landgericht München II. Der Prozess dauert an.

(Foto: dapd)

Seit Dienstag müssen sich die drei Männer wegen Rauschgifthandels im Kilogrammbereich beziehungsweise Beihilfe vor der zweiten Strafkammer am Landgericht München II verantworten.

Die Angeklagten wollten sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen äußern. Der aus Tirana stammende Agron D. signalisierte aber schon Gesprächsbereitschaft für die nächsten Verhandlungstage. Für den Mann, der einst in der zweiten albanischen Liga kickte, könnte ein Geständnis letztlich die einzige vernünftige Lösung sein.

Denn die Beweise gegen ihn sind erdrückend: Einer seiner mutmaßlichen Hintermänner, ein 43-jähriger italienischer Wirt aus Dachau, ist bereits zu knapp vier Jahren Haft verurteilt worden. Zuvor hatte er umfassend ausgesagt.

Demnach soll Agron D. von ihm sowie einem Erdinger Trüffelhändler, der seinen Kunden nicht nur wertvolle Knollen anbot, mit Kokain versorgt worden sein. Im Mai vorigen Jahres wurde Agron D. zudem selbst mit heißer Ware erwischt. Die Polizei stoppte seinen Audi auf der B471 in Oberschleißheim. Im Dachhimmel des A8 fanden die Beamten zwei Kilo Koks, das sich D. aus Hannover mitgebracht hatte. Seither sitzt der 37-jährige in Untersuchungshaft.

Von den Mitangeklagten soll er bei seinen kriminellen Geschäften unterstützt worden sein. Hausmeister Amet M. hat laut Anklagte einen Keller in einem von ihm verwalteten Anwesen in Dachau als Rauschgiftversteck zu Verfügung gestellt. Dafür soll der 39-jährige Staatenlose von D. Geld bekommen haben. Die Polizei fand bei einer Durchsuchung noch 40 Gramm Kokainreste in dem Keller.

Der Bauunternehmer Blerim M., 35, ist laut Staatsanwalt tiefer in die Rauschgiftgeschäfte verstrickt gewesen. Er soll Agron D. sogar nach Griechenland zum Kauf und Schmuggel von Kokain begleitet und ihm knapp 15 000 Euro zur Verfügung gestellt haben. Der Kosovare wollte offenbar an den Gewinnen beteiligt werden. Laut Anklage wären die beiden Männer bei dem Griechenland-Tripp im August 2008 beinahe erwischt worden.

Auf dem Rückweg wurden sie in der griechischen Hafenstadt Igoumenitsa vom Zoll festgenommen. Die Beamten der griechischen Küstenwache konnten ihnen aber lediglich Schleusung vorwerfen, weil noch zwei Albaner mit gefälschten Pässen im Auto saßen. Dass in dem Wagen, einem VW Touareg, ein Kilo Kokain versteckt war, bemerkten die Zöllner nicht.

Agron D. und Blerim M. kamen gegen 15 000 Euro Kaution frei. Ihren Wagen erhielten sie aber nicht zurück. Da es sich um ein Leasingfahrzeug handelte, wollte der Zoll zunächst die Besitzrechte an dem Fahrzeug klären. Und weil sich das über Monate hinzog, holten schließlich zwei gute Bekannte D.s das Rauschgift ab.

Das war ein tolldreistes Stück: Der Dachauer Wirt und sein Erdinger Komplize versuchten zunächst, den Wagen mit Hilfe eines griechischen Rechtsanwalts freizubekommen. Als dies scheiterte, gaben sie vor, den VW für ihre Versicherung fotografieren zu müssen. Als auch dieser Versuch, an das Rauschgift heranzukommen, misslang, brachen sie nachts in die Verwahrstelle des Zolls ein, holten sich das Kokain aus dem Wagen und verschwanden. Zurück in Deutschland, verkauften sie die Ware auf eigene Rechnung. Der Prozess dauert an.