Kuss-Gefahr zum Valentinstag

Anlässlich des Valentinstags raten Experten: küssen, küssen, küssen, was das Zeug hält.

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Der Valentinstag steht bevor und Kuss-Lobbyisten sind mit der alten Leier unterwegs: Küssen ist gesund. Doch gerade in dieser Jahreszeit ist Vorsicht geboten.

Kolumne von Thomas Radlmaier

Unsichtbare Killer fliegen derzeit durch die Luft. Die Mikro-Täter landen etwa auf dem Handlauf der Rolltreppe und warten auf eine Gelegenheit, zuzuschlagen. Oder aber der kranke Sitznachbar im Bus katapultiert sie mit einem Nieser in die Atmosphäre, wo sie herumschwirren und auf neue Opfer herabfallen. Erkältungsviren sind der Schrecken aller Menschen, die unter Keimphobie leiden - dazu gehört übrigens US-Präsident Donald Trump, der panische Angst vor Bakterien hat und deshalb Händeschütteln hasst, aber das ist eine andere Geschichte. Denn es geht hier nicht ums Händeschütteln, sondern um ein anderes gemeingefährlicheres menschliches Verhalten: das Küssen.

Nun, da der Valentinstag bevorsteht und sich die Geschlechter näherkommen, sind wieder Kuss-Lobbyisten unterwegs. Eine ihrer alten Leiern geht so: Küssen ist gesund. Gerade in der kalten Jahreszeit soll der Austausch von körpereigenen Botenstoffen, sogenannten Neuropeptiden, das Immunsystem stärken. Soll heißen: Wer viel küsst, ist weniger krank. Doch dankenswerterweise öffnen auch Männer wie Konrad Trülzsch ihre Münder und erklären, was ein Kuss tatsächlich bewirken kann. Bei Husten und Schnupfen gelte das Prinzip: "Weniger Küssen ist mehr", sagt der Facharzt für Mikrobiologie am Helios Amper-Klinikum Dachau.

"Intensives Küssen" sei keine gute Idee

Vor dem Valentinstag dämpft der Krankenhaushygieniker gnadenlos die Erwartungen an einen Gesundheitsschub: "Auch wenn es in verschiedenen Boulevardmedien immer wieder behauptet wird, habe ich noch keinen schlüssigen wissenschaftlichen Nachweis dafür gefunden, dass das Küssen die Immunabwehr stärkt." Falls sich der erkältete Partner im Bett wälzt und bemitleidenswert daherkommt, dann sei "intensives Küssen" keine gute Idee. Vielmehr ist Vorsicht geboten, wenn kranke Menschen den Kopf schräg legen, die Augen schließen und hoffnungsvoll die Lippen spitzen.

Doch Trülzsch ist Arzt, kein Anti-Küsser. Er sagt: "Wahr ist aber auch, dass der Mensch durch Zuwendung ein höheres Selbstwertgefühl entwickelt und Zärtlichkeiten ein gesteigertes Wohlbefinden erzeugen." Das wiederum, so Trülzsch, wirke sich durchaus positiv auf die Gesundheit aus. Für gesunde Menschen gilt also am Valentinstag: küssen, küssen, küssen, was das Zeug hält. Das Herz schlägt schneller, der Puls kommt in Fahrt, der Blutdruck steigt. Durch den Körper strömt Serotonin und im Bauch fängt es zu kribbeln an. Ein wirklich schönes Gefühl, das nur gut sein kann.