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Kunstkreis Karlsfeld:Kulturelle Blüte im Lärmschutzriegel

Das Vivaldi-Orchester untermalte den Festakt des Kunstkreises, zu dem auch Altbürgermeister Fritz Nustede gekommen war, mit der passenden Musik.

(Foto: Toni Heigl)

Der Kunstkreis Karlsfeld feiert 20-jähriges Bestehen seiner Galerie- und Werkstatträume.

Von Bärbel Schäfer, Karlsfeld

Das Vivaldi-Orchester spielte zum Festakt heiter auf und die vielen anwesenden Mitglieder des Kunstkreises freuten sich über das 20-jährige Bestehen ihrer Galerie- und Werkstatträume so sehr, dass auch die Worte des zweiten Karlsfelder Bürgermeisters Stefan Handl (CSU) über die finanziellen Sorgen der Gemeinde die gute Laune nicht trüben konnten. Am 28. Februar 1996 übergab die Gemeinde Karlsfeld das Gebäude am Drosselanger 7 dem Kunstkreis Karlsfeld und dem Vivaldi-Orchester zur Nutzung. Weil sich das Brückengebäude aus akustischen Gründen nicht als Probenraum eignete, zog sich das Vivaldi-Orchester zurück und der Kunstkreis Karlsfeld übernahm es als Galerie.

Unter den zahlreichen Gästen befanden sich auch Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU), Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter und die Gründungsmitglieder, die den Kunstkreis Karlsfeld am 13. Mai 1977 aus der Taufe gehoben hatten. Neben dem Vorsitzenden Dieter Kleiber-Wurm waren das Ottilie Patzelt, Wolfgang Seehaus, Klaus Herbrich und Anita Neuhaus. Nur Joachim Pabst fehlte. Nach einer Würdigung der kulturellen Leistung des Kunstkreises für die Gemeinde prophezeite Stefan Handl düstere Aussichten für die nächsten Jahre. Alle Ausgaben der Gemeinde müssten auf den Prüfstand, weshalb die Gemeinde auch nicht versprechen könne, dass es mit der Förderung so weitergehe wie bisher. "Gleichwohl sind uns Kunst und Kultur teuer", sagte Handl.

"Kunst schafft einen Dialog", sagt der Landrat

Landrat Stefan Löwl (CSU) brach eine Lanze für das Engagement des Kunstkreises als wichtige Einrichtung in Gemeinde und Landkreis. "Kunst schafft einen Dialog und muss diskutiert werden. Dafür brauchen wir Räume. Wenn wir uns auf unsere Pflichtaufgaben zurückziehen, verliert unsere Gesellschaft", so Löwl. "Wir sollten um so etwas kämpfen." Gelassen reagierte der Kunstkreis-Vorsitzende Dieter Kleiber-Wurm auf Handls Bedenken. Schon vor 20 Jahren habe Bürgermeister Fritz Nustede geklagt, dass kein Geld da sei, und trotzdem ging es immer wieder weiter. "Wir sind überzeugt, dass die Gemeinde auch diese finanzielle Notlage schafft", sagte Kleiber-Wurm.

Die neuen, gemeindlichen Räume am Drosselanger bedeuteten für den kleinen Kunstverein 1996 einen Meilenstein. Am 13. Mai 1977 gegründet, war er mit seinen damals 14 Mitgliedern immer noch ohne eigenes Domizil. "Wir hatten keine Bleibe, keinen Besprechungsraum, keine Heimat", erinnerte sich der Vorsitzende, Dieter Kleiber-Wurm. Ausstellungen fanden anfangs im Alten Rathaus, dann im Bürgerhaus statt, zu Besprechungen traf man sich im Gruppenraum der TSV-Sporthalle oder beim Wirt. Umso dankbarer sei man Bürgermeister Fritz Nustede gewesen, als er das Gebäude am Drosselanger 7, das eigentlich als Lärmschutzwall für das neue Wohngebiet an der Bajuwarenstraße errichtet worden war, der Kunst und Kultur zur Verfügung stellte. Fritz Nustede (SPD) blickte in seiner Rede auf die Planung des Wohngebiets an der Bajuwarenstraße zurück, als die Idee einer kulturellen Nutzung des Gebäudes entstand. Nach dem Beschluss des Gemeinderates entstand eine Kunstwerkstatt mit Saal, sanitären Einrichtungen, Küche und Besprechungsraum.

Die Galerie bringt den Aufschwung

Mit der eigenen Galerie kam für den Verein der Aufschwung. Seit 1996 wurden viele neue Mitglieder aufgenommen, zurzeit sind es 27. Pro Jahr veranstaltet der Kunstkreis zwischen fünf und sieben Ausstellungen und stellt seine Galerie auch überregionalen Gastausstellern, Künstlerkooperationen und Schulen zur Verfügung. Mit der Korneliuskirche wurden einige gemeinsame Projekte verwirklicht. Ein Höhepunkt war 2014 die Ausstellung mit Arbeiten des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer. Der Kunstkreis engagiert sich auch sozial. 2008 spendeten seine Mitglieder zum ersten Mal Bilder für eine Auktion zugunsten der Karlsfelder Bürgerstiftung.

Der Kunstkreis feiert heuer im Juli noch ein Jubiläum: 30 Jahre "Seh am See". Seit 1986 findet die Freilichtausstellung im zweijährigen Turnus statt. Karlsfelder Künstler und Gastaussteller aus ganz Bayern zeigen am nordöstlichen Ufer des Karlsfelder Sees für ein Wochenende ihre Kunstwerke. Das große Gründungsjubiläum findet 2017 statt. Dann besteht der Kunstkreis Karlsfeld seit 40 Jahren.

© SZ vom 29.02.2016/gsl
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