Bäcker, Maurer, Dachdecker: Das sind die Berufe, die einem sofort in den Sinn kommen, wenn vom Handwerk die Rede ist. Doch es gibt auch noch den Hutmacher, die Geigenbauerin oder den Federkielsticker, der Lederhosen mit traditionellen Mustern verziert. Viele alte Kunsthandwerksberufe sind zwar verschwunden; übrig geblieben seien aber jene, bei denen man die Arbeitsschritte nicht so leicht automatisieren könne, sagt Michael Härteis von der Handwerkskammer München und Oberbayern.
Einige Kunsthandwerkstätten und Ateliers dieser besonderen Art kann man im Rahmen der Europäischen Tage des Kunsthandwerks (ETAK) am Wochenende vom 10. bis 12. April besuchen. Insgesamt 24 Länder beteiligen sich an der europaweiten Initiative, auch der Süden Deutschlands ist stark vertreten. Insgesamt 93 Betriebe in Bayern sind dabei, etwa die Hälfte davon in Oberbayern und 21 in und um die Landeshauptstadt. Ziel der Veranstaltung ist es, die Öffentlichkeit für die Vielfalt und Qualität des Kunsthandwerks zu begeistern.
Michael Härteis von der Handwerkskammer München betreut den Event für ganz Bayern. Wie es um das Kunsthandwerk in Bayern steht, ist aber selbst für ihn gar nicht so leicht festzustellen. Geht man nach den etwa 50 Berufen, die die Kammer dem Kunsthandwerk zurechnet, ergeben sich für Oberbayern gut 16 000 Kunsthandwerksbetriebe – etwa ein Fünftel der Mitglieder. Ob Bauschreiner oder Kunstschreiner – „alle erwerben in ihrer Ausbildung kunsthandwerkliche Fähigkeiten“, sagt Härteis.
Ob sie diese im Beruf dann auch anwenden, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Manche Graveure ritzen nur noch Namen in Klingelschilder, Kunsthandwerk kann man das schwerlich nennen. Auch Zahlen zur Wertschöpfung durchs Kunsthandwerk fehlen. Daten gibt es nur zur „Kreativbranche“. Deren Milliardenerlöse erwirtschaften aber andere als die überschaubare Zahl der Klein- und Kleinstunternehmen im Kunsthandwerk.
Kunsthandwerker sind als Werbebotschafter für die Handwerksbranche immer noch Gold wert
Mag die wirtschaftliche Bedeutung der Sparte auch gering sein, als Werbebotschafter für das Handwerk sind die Designkünstler der Branche für die Handwerkskammer Gold wert: Man kann live zusehen, wie etwas Schönes entsteht. „Kommunikation läuft vor allem über das Auge“, weiß Härteis. Auch in der analogen Welt.
Eine der vielen teilnehmenden Kunsthandwerkerinnen ist die ausgebildete Keramikerin Claudia Flach. Neben Geschirr töpfert die Dachauerin raffiniert geformte Vasen, Vogeltränken und fantasievolle Tierfiguren. Wer will, kann sich auch in einem kleinen Workshop selbst einmal an der Drehscheibe am Ton probieren. „Das ist anstrengend“, warnt sie und lacht. „Die meisten glauben gar nicht, was für einen Widerstand das Material hat.“ Im Kunsthandwerk steckt immer noch jede Menge Handwerk.
Alle Angaben zu den teilnehmenden Betrieben auf kunsthandwerkstage.de.


