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Kunstpreis der Sparkasse:Topografische Abbilder

Das Dachauer Künstlerpaar Trommeter/Szabo gewinnt den Preis der Sparkasse für die Gestaltung der großen Schalterhalle in der Hauptstelle. Sie vergegenwärtigen in zwei Skulpturen die geografische Struktur von Stadt und Landkreis

Von Wolfgang Eitler, Dachau

Kunst am Bau ist wegen des ihm innewohnenden Empörungspotenzials ein schwieriges kommunalpolitisches Unterfangen. Oft schütteln Teile der Bevölkerung die Köpfe über die Ergebnisse; und meistens sind diejenigen Künstler unzufrieden, deren Entwürfe nicht genommen wurden. Bei jedem neuen Projekt steht die Frage im Raum: Braucht es eine Jury? Wenn ja, wie prominent sollte sie besetzt sein, um angreifbar zu wirken?

Die Stadt Dachau hatte mehrere heftige Auseinandersetzungen erlebt. In den vergangenen Jahren ist es ruhiger geworden. Aufträge wie für das Kinderhaus Augustenfeld und oder zuletzt den Kinderhort am Bach in Dachau-Süd waren unumstritten. Außerdem besteht unter Künstlern und Kommunalpolitikern trotz aller Meinungsverschiedenheiten der Konsens darüber, dass Kunst am Bau zum "Selbstverständnis Dachaus als Künstlerstadt" gehört, wie es Kulturamtsleiter Tobias Schneider formuliert.

In dieser Tradition sieht sich auch die Sparkasse Dachau. Sie hat jetzt innerhalb von drei Jahren den zweiten Wettbewerb für ihre Hauptstelle in Dachau ausgelobt. 2013 gewann Asja Schubert aus München mit einer fotografischen Installation für den ersten Stock, die sogenannte Galerie. Damals sagte Vorstandsmitglied Thomas Schmid: "In unserer ehemaligen Künstlerkolonie Dachau wird der Kunstgedanke auch weiterhin gelebt."

Nach der Gestaltung der Vorstandsetage ist nun die große zentrale Halle der Sparkasse für den Publikumsverkehr an der Reihe. Die Jury entschied sich für das Künstlerpaar Trommeter/Szabó, das zu den großen Hoffnungen der Kunstszene in Dachau zählt. "Wir freuen uns riesig", sagte Barbara Trommeter. "Es ist uns sehr schwer gefallen, aus den künstlerisch sehr wertvollen Ideen eine zu bestimmen", sagte Jury Mitglied Thomas Schmid. Er hat gemeinsam mit der Architektin und Professorin an der Kunstakademie München, Maria Auböck vom Lehrstuhl Gestalten im Freiraum, der tschechischen Bildhauerin und Fotografin Professorin Magdalena Jetelová, dem Kunstkritiker Wilhelm Warning sowie Arthur Fischer von der Sparkasse die Entscheidung getroffen. Nur noch Christa Sturm und Ralf Hanrieder aus Dachau waren in die letzte Runde gelangt.

Das Kunstwerk der Gewinner trägt den Namen "Into the blue" - floating sea-scapes". Es nimmt die Topografie des Dachauer Landkreises in Verbindung mit Wasser auf, "denn die Bedeutung des Namens Dachau ist Lehm und von Wasser umflossenes Land", erläutert Trommeter. "Somit wird die Wasserfarbe blau die starken Höhenunterschiede und die tiefer gelegene Fluss-Moor-Ebene deutlich aufzeigen."

Die Sparkasse Dachau hat im Herbst vergangenen Jahres zum 30. Jubiläum der Hauptstelle den Kunstwettbewerb mit einem Preisgeld von 30 000 Euro angekündigt und im Januar 2015 ausgelobt. Es sollten ein bis zwei Skulpturen geschaffen werden, die in der Sparkassen-Geschäftsstelle am Sparkassenplatz im Kundenbereich aufgestellt werden. Das Geldinstitut will das Kunstwerk Mitte Februar 2016 der Öffentlichkeit präsentieren. "Wir freuen uns schon sehr auf die Gestaltung und werden sofort beginnen", sagte Georg Szabó.

Christa Sturm lebt an der Dachauer Landkreisgrenze in Fahrenzhausen. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem Bereichen Fotografie und Videoinstallationen. Ralf Hanrieder lebt und arbeitet im Dachauer Spatznschlössl, der früheren Künstlervilla von Hermann Stockmann. Der Siegerbeitrag besteht aus zwei Skulpturen, die sich mit der geografischen Lage des Landkreises, seiner Historie als Lehmabbaugebiet und der Topografie befassen: Der erste Teil zeigte die Lage der Stadt Dachau mit starker Skalierung. Der zweite die Situation des Landkreises "in seiner mannigfachen tertiären Hügellandschaft". Man darf gespannt sein, wie die blaue Fläche aus glasklarem Gießharz wirkt.

© SZ vom 31.07.2015
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