bedeckt München 28°

Kunst:Der Horror Hollywoods

Christina Seeholzer: "Chancenlos". Zu sehen in der Kleinen Altstadtgalerie von Frank Donath.

(Foto: Toni Heigl)

Drei junge Künstler in der Altstadtgalerie

Drei junge Grafikerinnen und ein Kunsthandwerker präsentieren in der Kleinen Altstadtgalerie unter dem Titel "Chimäre" analoge und digitale Darstellungen aus der Welt der Träume und Albträume. Kristina Seeholzer, ihre Cousine Susanne Seeholzer und Sophia Mair-Kühnel beschäftigen sich in teils verfremdeten Zeichnungen und Collagen mit unbehaglichen Innenwelten und Illusionen. Acht Bilder seien bereits verkauft, erzählt Galerist Frank Donath stolz. Allerdings wäre die Folgerung ein Trugschluss, dass diese Resonanz der Qualität der Arbeiten entspricht. Denn zum größten Teil handelt es sich um Bilder und Objekte am Rande zum Kitsch.

So lotet die 22-jährige Kristina Seeholzer ihre durchaus vorhanden zeichnerischen und bildnerischen Fähigkeiten nicht aus. Sie ist die Tochter von Thomas und Sabine Seeholzer, die seit vielen Jahren zum Team der Kleinen Altstadtgalerie gehören, und in der Ausbildung zur Grafikerin. Bildfüllende Darstellungen von einem fliehenden Mann, der angsterfüllt über seine Schulter schaut, und von menschlichen Gesichtern, die von unheimlichen Vögeln und saugnapfbewährten Fangarmen von Tintenfischen eingerahmt, ja erdrückt werden, sind durch ihre Nahbildlichkeit und die angeschnittenen Perspektiven von einer bedrückenden Stimmung. Solche Darstellungen folgen bloß den üblichen perfekt inszenierten Hollywood-Horrorvorlagen.

Zu diesem Eindruck tragen die Bildtitel wie "Flucht" und "Bodenlos" bei, ganz wesentlich aber auch die Farbigkeit, die von einem sehr dunklen Grün in ein tiefes Schwarz changiert. Ausgangspunkt dieser Arbeiten sind große, detailliert ausgearbeitete Bleistiftzeichnungen, die Kristina Seeholzer einspannt, digital koloriert und damit verfremdet. Die Originalzeichnungen sind in den Grafikmappen zu sehen. Sie zeigen, wie stark die Farbigkeit den Stimmungswert beeinflussen könnte, wenn die junge Grafikerin den Mut zur Auseinandersetzung mit ihren eigenen bildnerischen Sprache hätte.

Susanne Seeholzer zeichnete ein Kind mit Maschinenpistole, ein zerberstendes Gesicht und verfremdete Totenschädel. Wieder sind es sind übersteigerte Bilder wie aus Horrorfilmen. Sophia Mair-Kühnels Collagen mit Aquarell haben als Trugbilder des Unterbewusstseins eine positivere, vergleichsweise harmlose Aussage und sind formal vom japanischen Farbholzschnitt beeinflusst. Stefan Wimberger stellt zwischen all den Chimären-Bildern kleine Bistrotische mit Intarsien aus.

Bis 23. Oktober in der Kleinen Altstadtgalerie, Burgfriedenstraße 3. Öffnungszeiten: Donnerstag 18 bis 21 Uhr. Freitag 18 bis 20 Uhr. Sonntag 14 bis 16 Uhr.