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Kulturkreis Haimhausen:Plädoyer für einen Veranstaltungssaal

Erste hybride Sitzung

Haimhausen - Das Treffen des Haimhausener Gemeinderats fand im Mai erstmals in hybrider Form statt. Alle Teilnehmenden wählten sich in Microsoft Teams ein. Die in der Aula anwesenden Ratsmitglieder hatten daher ein Tablet oder Notebook vor sich stehen. An der Kopfseite der Schulaula war eine Video-Leinwand aufgehängt, als zweiter Monitor des Notebooks von Geschäftsstellenleiter Florian Erath. Eigentlich sollten auf Monitor und Leinwand alle Beteiligten zu sehen sein. So lässt sich zumindest das neue Gesetz der Staatsregierung lesen. Doch tatsächlich hatten mehr als die Hälfte der Kommunalpolitiker ihre Kamera ausgeschaltet.

Um Rückkoppelungen mit dem Saalmikro zu vermeiden, waren die Mikros ebenfalls ausgestaltet. Aber Erath hatte zusätzlich eine Saalkamera aufgestellt, die das Geschehen ins Internet übertrug beziehungsweise das Plenum zeigte.

Genau ein Kommunalpolitiker verfolgte das Treffen vom Homeoffice aus: FDP-Gemeinderat Christian Stangl. Es war der CSU-Fraktionschef Thomas Mittermair, der am Ende der Sitzung von Stangl wissen wollte, ob die Äußerungen im Saal für ihn verständlich gewesen seien. "Größtenteils ja", lautete Stangls Antwort. Abhängig von der Position der Rednerinnen und Redner zum Kameramikrofon. Ausgerechnet Bürgermeister Peter Felbermeier verstand der Hochschullehrer jedoch am schlechtesten.

Erath demonstrierte daraufhin den Rückkopplungs- und Verzögerungseffekt, der sich aus der Kombination von Saalmikro und Tablet- oder Notebook-Mikro ergibt. Die Alternative sei, alle Teilnehmenden müssten durchgängig Headsets tragen, die Kommunikation würde ausschließlich im Netz stattfinden. Eine Variante, die allerdings das Live-Publikum benachteiligen würde, so Erath.

Der Amtsleiter hofft nun, dass der Gemeinderat möglichst bald wieder im Sitzungssaal tagen kann. Dort sollte das Saalmikro in der Lage sein, auch Wortbeiträge aus der letzten Reihe gut in ein Homeoffice zu übertragen. kram

Der Vorstand des Haimhausener Kulturkreises wünscht sich einen Ort, wo Chöre und Blasmusikgruppen auftreten können

Von Horst Kramer, Haimhausen

Mit viel Beifall wurde er begrüßt: Jonny Weissmüller, Haimhausener Kulturikone und einer der Vorstände des Kulturkreis Haimhausen. Und er war nicht alleine zur Sitzung des Gemeinderats in die Aula des Haimhausener Schulgebäudes gekommen, ein knappes Dutzend Mitstreiter aus der Kulturszene begleiteten ihn. Schließlich muss man Gesicht zeigen. Das Grüppchen will schließlich einen Veranstaltungssaal. Der Kulturkreis-Verein, der immerhin mehr als 400 Mitglieder hat, hatte bereits einen entsprechenden Antrag gestellt.

"Die Kulturschaffenden Haimhausens wünschen sich dringend einen Kultursaal", in dem "zweihundert oder dreihundert Leute Platz haben sollten", erklärte Weissmüller. Er verwies auf die Umfrage zur künftigen Nutzung des Brauereigeländes, bei dem sich eine große Zahl der Bürgerinnen und Bürger für einen Kulturtreffpunkt ausgesprochen hätten. Die Haimhausener Chöre, die Blasmusik und die Theatergruppe bräuchten einen Ort, an dem sie auftreten könnten, sagte Weissmüller. Er erinnerte auch an die vielen namhaften Künstlerinnen und Künstler, die der Kulturkreis in den bald vierzig Jahren seines Bestehens zu einem Auftritt in Haimhausen bewegen konnte.

Für kleine Veranstaltungen könne zwar die Kulturkneipe in der Hauptstraße herhalten, bei größeren Veranstaltungen sei man aber auf das Wohlwollen der BIS (Bavarian International School) angewiesen. Die Schule sei zwar ein verlässlicher Partner, könne aber keine langfristigen Zusagen geben. National oder international aktive Künstlerinnen und Künstler planten aber ihre Auftritte zwei oder mehr Jahre im voraus. Schließlich bat Weissmüller um eine "wohlwollende Prüfung" des Antrags.

Eigentlich hätte es der vielen Worte gar nicht bedurft. Im Gemeinderat lief er quasi offene Türen ein. Bürgerstimmen-Chef Detlef Wiese lobte das "gute Timing" des Antrags. Der neue Besitzer des Brauereigeländes - der Münchner Bauträger Euroboden - hatte die zitierte Umfrage in Auftrag gegeben, um sich über die Wünsche und Interessen der Bevölkerung zu informieren. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Thomas Mittermair pflichtete Wiese bei. Sabrina Spallek (Grüne) wollte wissen, ob der Saal auch über ein gastronomisches Angebot verfügen solle: Weissmüller schmunzelte: "Gastronomie wäre ideal!" Er schränkte ein: "Es sollte ein Gastronom sein, mit dem wir gut zusammen arbeiten können."

Bürgermeister Peter Felbermeier (CSU) hob die Bedeutung des Kulturkreises für die Gemeinde hervor und zeigte Verständnis für das Anliegen: "Ihr braucht schließlich Planungssicherheit für eure Veranstaltungen." Dass Euroboden schon Interesse an kulturellen Nutzungen signalisiert habe, stimme ihn prinzipiell optimistisch. Er sei sich allerdings sehr sicher, dass weitere Institutionen eine wichtige Rolle bei den weiteren Planungen spielen werden, darunter die Denkmalschutzbehörden.

Das Sudhaus, das sich für Auftritte eignen könnte, ist geschütztes Denkmal. Ein weiteres Problem könnten die Lärmemissionen sein, zumal Euroboden auf dem Gelände auch Wohnungen errichten will. Felbermeier signalisierte indes den Willen der Kommune, diesen Weg gehen zu wollen. Mittermair setzte hinzu: "Wir brauchen in der Planungsphase euer Feedback." Als Weissmüller abtrat, schien der Applaus an Lautstärke noch einmal zugenommen zu haben.

© SZ vom 11.06.2021
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