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Kultur in Dachau:Austausch und Begegnung

Rotary Preis

15 Künstler unterschiedlichster Sparten aus Stadt und Landkreis hat der Rotary Club Dachau mit einem Preis ausgezeichnet. Zu ihnen gehört auch der Fotograf Wolfgang Feik, der 56 Künstlerkollegen beim Leben und Arbeiten unter Corona-Bedingungen porträtiert hat.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Kulturpreis des Dachauer Rotary Clubs kommt Künstlern aller Sparten zugute und führt eindrucksvoll die kulturelle Vielfalt im Landkreis vor Augen. Dass die Preisverleihung in der KVD-Galerie wegen kurzfristig erteilter Auflagen nur als Privatfeier stattfinden kann, erweist sich am Ende sogar als Glücksfall

Von Dorothea Friedrich, Dachau

Eigentlich hätte es am Donnerstagabend in der Galerie der KVD eine Finissage nebst einer Preisverleihung geben sollen. Doch die Corona-Beschränkungen treiben bisweilen seltsame Blüten. "Keine Musik, keine Reden, keine Feier" seien die Vorgaben des Landratsamts gewesen, sagt Rotary-Präsidentin Carola Hain-Fischer. Aus der Finissage macht sie kurzerhand eine private Veranstaltung mit persönlicher Einladung und strengen Regeln: nur zehn Menschen gleichzeitig in der Galerie, Masken und Abstandsregeln drinnen und draußen auf dem Pfarrplatz. Glockengeläut zur Privatfeier liefert Sankt Jakob. Oberbürgermeister Florian Hartmann und Landrat Stefan Löwl beschränken sich auf anerkennende Worte. Das Ergebnis: ein heiterer Abend mit heiter gestimmten Kulturschaffenden ohne Adabeis. Wohlfühlatmosphäre und ein spannender Austausch von Künstlern, die sich erstmals begegnen und gleich zu neuen Projekten verabreden. Das ist womöglich der größte Erfolg dieser Rotary-Aktion.

Entstanden ist sie auf Initiative von Carola Hain-Fischer. Sie hatte die Idee, die alljährliche Rotary-Club-Spende von 10 000 Euro für soziale Zwecke den vom Kultur-Dauerlockdown besonders hart Getroffenen zur Verfügung zu stellen. Weil die Rotarier aber nicht nach dem Gießkannenprinzip verfahren wollten, gab es den Kunstwettbewerb mit öffentlicher Ausschreibung. Sie habe zunächst Sorge gehabt, dass nur wenige Arbeiten eingereicht werden, erzählt die Rotary-Präsidentin. Doch Teilnehmerzahl (65) und die Qualität der Arbeiten hätten sie überrascht. So fiel recht schnell der Entschluss, 15 Preisträger durch eine Jury auszuwählen und das Preisgeld - mittlerweile von Autoliv von 10 000 auf 15 000 Euro aufgestockt - mit je 1000 Euro zu dotieren. Einen Sonderpreis hat die Jury den Schülerinnen Julia Weichselbauer und Antonia Doben verliehen.

Beim Schlendern durch die KVD-Galerie fällt das eine oder andere Werk besonders auf. Wie etwa eine 1,20 Meter hohe Zeichnung eines rauchenden jungen Mannes mit modischem Bart und Haarknoten. Von seinem Oberkörper sieht man fast nur das Skelett, ein blauer Vogel sitzt, wo sonst das Herz schlägt. Das Werk stammt von Zaki Rahimi und heißt "Bluebird" (Hüttensänger). Sichtlich entspannt steht Rahimi vor seinem Werk, das Teil eines Triptychons mit Video und Gedichten von Charles Bukowski ist. Ein wenig bedauert er, dass der von ihm so verehrte Bukowski in der Ausstellung keinen Platz gefunden habe. Doch erstmals einen Preis zu gewinnen mache das mehr als wett. Schauspielerin und Sängerin Ursula Deuker erhält die Auszeichnung für ihr Ein-Personen-Stück "Eins, zwei, drei - ein Roman". Es handelt vom Entstehungsprozess des Erstlings eines Autors, "ein Spiegel des Künstlers in der Gesellschaft", sagt Ursula Deuker. Uraufführung ist im Herbst im Münchner Pepper-Theater. "Aber ich hoffe, dass ich es auch bald in Dachau aufführen kann." Für Geigerin Susanne und Pianistin Petra Morper war es "eine superschöne Überraschung, dass wir diesen Wettbewerb gewonnen haben. Wir haben vor Freude Luftsprünge gemacht." Für Pianist Markus Kreul zeigt der Kunstwettbewerb, dass "Corona den Blick für die kulturelle Vielfalt in unserem Landkreis geschärft hat". Dieser Blick könnte sich noch einmal erweitern, wenn der Rotary-Kunstkalender für das Jahr 2022 erscheint, womöglich präsentiert mit Musik, Reden und einer Feier.

© SZ vom 19.06.2021
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