Kultur in Bergkirchen:Muh, Mäh, Miau

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Kultur in Bergkirchen: Fischen nach Erkenntnissen: Tobias Zeitz (li.) und Herbert Müller Seit an Seit im Hoftheater.

Fischen nach Erkenntnissen: Tobias Zeitz (li.) und Herbert Müller Seit an Seit im Hoftheater.

(Foto: Toni Heigl)

Die Revue "Eine Kuh wie du" des Hoftheaters Bergkirchen bietet tierischen Nonsens mit Tiefgang. Dabei wirft sie aber auch ein kritisches Schlaglicht auf den Umgang des Menschen mit der Natur

Von Dorothea Friedrich, Bergkirchen

Hoftheater-Chef und Regisseur Herbert Müller warnt schon mal vor: "Falls Sie eine Abneigung gegen Nonsens haben, müssen Sie heute Abend stark sein." In der Tat: "Eine Kuh so wie du", die neueste Revue im Hoftheater Bergkirchen verlangt den Lachmuskeln einiges ab. Doch ist das womöglich doch Kinderkram, wie der Titel vermuten lassen könnte, zumal zum Auftakt auch noch die "Sendung-mit-der-Maus" Melodie erklingt? Nein ist es nicht, obwohl mancher Gag, manche Verrücktheit durchaus kindertauglich sind. Dieser Abend des gepflegten Unsinns mit Tiefgang ist vielmehr beste Unterhaltung auf hohem Niveau mit Evergreens, modernen Songs, skurrilen Szenen, hintergründiger Poesie, nachdenklichen Einsprengseln und schrillen Gags in unfassbarer Kostümierung und vor herrlichen Projektionen.

Verantwortlich für diese Show mit dem etwas anderen Touch ist Katrin Frühinsfeld. Die Münchner Theater- und Literaturwissenschaftlerin hat sämtliche Texte und das musikalische Programm ausgewählt, die Moderation hat sie Conférencier Herbert Müller (in feinem Frack) auf den Leib geschrieben. Das Quartett Janet Bens, Helena Huber, Herbert Müller und Tobias Zeitz hat daraus mit überbordender Sing- und Spielfreude einen temporeichen, fantastischen Ritt durch die Fauna gemacht - und sich von Ausstatterin und Bühnenbildnerin Ulrike Beckers auch mal in Kindergeburtstagskostüme stecken lassen. Die titelgebende Kuh erscheint natürlich auch auf der Bildfläche, respektive der Bühne. Doch erst, nachdem der Gorilla mit der Villa im Zoo, den Tobias Zeitz mit näselnder Max-Raabe-Stimme besingt, das herrlichste Leben der Gelsen (Stechmücken) beobachtet hat. Ob sich die Fische wirklich küssen, bleibt weiter ein Rätsel, das auch das schüchterne Paar Zeitz-Huber nicht lösen kann. Dass der Papagei keine harten Eier frisst, bringt Janet Bens und Helena Huber in Bling-Bling-Outfits fast zur Verzweiflung. Was Reinhard Mey schon vor Jahren beklagte und Zeitz mit dessen weichgespülter Stimme ins Publikum haucht, ist heute traurige Tatsache: "Es gibt keine Maikäfer mehr". Die "Kuh so wie du" wird zur schrägen Reverenz an "Weiße-Rößl"-Operettenseligkeit und ist voll der Brüller. "Ich wollt ich wär' ein Huhn" wünscht sich dagegen wohl niemand mehr, dem Katrin Frühinsfeld ein paar "EU-rechtliche Realitäten" ins Stammbuch schreibt. Herbert Müller wienert gekonnt "Das Glück ist ein Vogerl" und wackelt mit einem fast lebensgroßen Stoffdackel von Grinzing heimwärts. Charlie Browns Snoopy und Balu der Bär haben selbstredend auch ihren großen Auftritt. Und zwischendurch gibt es immer wieder Gedichte, wie etwa Christian Morgensterns melancholisches "Möwenlied" oder Rainer Maria Rilkes "Panther". Das sind mehr als dezente Hinweise darauf, dass der Mensch mit der Tierwelt nicht gerade pfleglich umgeht.

Janet Bens zeigt sich mit "Komm, großer schwarzer Vogel" und der "Ballade vom Förster und der Gräfin" als glänzende Diseuse. Helena Huber, die auch für die Choreografie zuständig ist, und Tobias Zeitz erweisen sich als empathische und sensible Sprecher. Das werden der "Panther" und Joachim Ringelnatz' "Schöne Fraun und schöne Katzen" zum Kino für die Ohren. Anna Nam-Winkler ist nicht nur eine hervorragende Klavierbegleiterin, sondern kennt sich auch mit bayerischem Liedgut aus. Sie ist mit Janet Bens und Helena Huber die Dritte im Bunde des "Internationalen Ampertaler Dreigesang-Trios" und lässt den Hirsch gekonnt übern Bach springen. Das absolute Highlight dieses Abends ist aber das Katzenterzett, eigentlich ein Duett, das Gioachino Rossini zugeschrieben wird und fast ein Muss in jeder Musikschule ist. Janet Bens, Helena Huber und Tobias Zeitz schnurren, fauchen, lärmen, schleichen, springen und toben, dass es nur so eine Lust ist - und selbst eine Kuh auf ihrer artgerechten Wiese die Futterverwertung unterbrechen müsste.

Diese Revue macht tierischen Spaß, denn sie bleibt nicht nur an der Oberfläche. Sie erinnert ohne erhobenen Zeigefinger ganz subtil immer wieder an den notwendigen respektvollen Umgang mit der Tierwelt. Denn wie hat es der wunderbare Publizist Roger Willemsen in seinem "Karneval der Tiere" auf den Punkt gebracht: "Im Vergleich zum lieben Vieh seid Ihr nicht mehr als die Kopie und gegen unsere Fauna nur die schlechte Hälfte der Natur". Fazit: "Eine Kuh so wie du" hat das Zeug zum Hoftheater-Hit und verlangt dringend nach einer Fortsetzung der floralen Art.

Die Revue des Hoftheaters kann man noch an weiteren Terminen erleben, am Freitag, 22. Oktober, um 20 Uhr, am Samstag, 23. Oktober, um 17 und um 20 Uhr, am Sonntag, 7. November,um 17 Uhr, am Samstag, 20. November, um 17 Uhr und 20 Uhr, am Freitag, 26. November, um 20 Uhr und am Samstag, 27. November, um 20 Uhr.

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