Von den Auswirkungen der Corona-Pandemie blieb auch die alljährliche Kunstausstellung des Josef-Effner-Gymnasiums nicht verschont, die Vernissage konnte im vergangenen Jahr daher nicht stattfinden. Umso größer war die Freude aller Beteiligten, dass die Kunstwerke der Dachauer Abiturienten heuer wieder ausgestellt werden durften. "Die Kunst kriegt endlich wieder den Raum, den sie braucht", stellte Schulleiter Peter Mareis fest. Und diesen Raum haben die jungen Künstlerinnen und Künstler genutzt, die wahlweise in den Seminaren "Open Art", "Regie und Performance" oder im Profilfach "Produktdesign" ihre Arbeiten verwirklichten. Mitunter widmeten sie sich darin aktuellen Themen, etwas der Mobilität, der Gleichstellung oder dem Umgang mit der Pandemie.

Mit diesem Thema beschäftigte sich beispielsweise Florian Haase. Auch der 18-Jährige musste sich während der Zeit des Online-Unterrichts auf die Suche nach einem passenden Thema für sein Seminar "Open Art" machen. Heraus kam die Idee, die Geschichte eines Jungen in Haases eigener Situation im Homeschooling zu erzählen - und das digital, passend zu den gegenwärtigen Verhältnissen. So begann er die Ausarbeitung eines Films in 2-D-Animation - obwohl er bis zum vergangenen Sommer damit noch nie in Berührung gekommen war. "Das habe ich mir alles selbst beigebracht, vor allem über Videos", erzählt er. In seinem Film zeigt Haase einen Jungen, der unzufrieden ist über die aktuelle Situation, sein Leben ist geprägt von digitalem Unterricht und sozialer Isolation. Mithilfe seiner Kreativität schafft er es aber, dem lähmenden Gefühl der Ausweglosigkeit zu entrinnen - durch den Bau eines Fahrrads. Das Besondere: Der Drahtesel wird mit Internet-Anschluss und Akkus ausgerüstet, sodass man mit ihm auf "Tourschooling" gehen kann. "Er kann damit durch die Welt reisen und den Online-Unterricht durch das Tourrad trotzdem besuchen", erklärt Haase. Seine Kreativität will er aber nicht nur in dem Schulprojekt der Animation widmen. Auch beruflich will Haase in eine ähnliche Richtung gehen. Er plant, ein Studium im Bereich Design zu beginnen.

Für das Werk "Free Talking" von Aurelia Räpp, 17, Katharina Czap, 17, und Luisa Köhler, 18, in der Sparte "Regie und Performance" war die Corona-Pandemie ebenfalls einer der Auslöser. Ihre Arbeit solle "einen Bruch zum Alltagsleben darstellen und zum Nachdenken anregen, wenn man mit jemandem spricht, den man nicht kennt", so Czap. Die verwendeten Requisiten wie Decken und Kissen, die auf Paletten platziert sind, sollen eine bequeme Atmosphäre schaffen - auch wenn das in der Schule schwierig sei, meint Räpple. Man solle sich wie im Wohnzimmer fühlen und damit aus dem Korsett des Offiziellen ausbrechen.
Wenn die Menschheit ausstirbt
Marika Bach hatte mit ihrem Werk "terre brisée", das im Seminar "Open Art" entstand, eine andere Intention. Der Name kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie "verfallene Erde". Bach hat sich Corona als Dystopie vorgestellt, in der Annahme, dass die komplette Menschheit ausstirbt. Ihr Hauptmotiv ist die Londoner Tower Bridge. In ihrer Darstellung ist sie völlig heruntergekommen, eine der beiden Brücken droht bereits auseinander zu brechen, eines der Seilpaare ist aus der Verankerung gerissen. Dazu hat die 18-Jährige einen Reiseführer entworfen, der quer durch Europa führt, unter anderem zur Sagrada Familia in Spanien und ins Kolosseum in Rom, Sehenswürdigkeiten, die wie die Tower Bridge auch von dem Niedergang betroffen sind. "Corona hält sich auch nicht an irgendwelche Reiseführer", macht Bach deutlich. Neben "Open Art" war sie ebenso im Profilfach "Produktdesign" gestalterisch aktiv, drei Werke hat Bach dafür angefertigt, die sich um Mode, Mobilität und technische Geräte drehen. Etwas, das ihr so viel Spaß bereitet, dass sie ein Studium in Produktdesign beginnen möchte.

Ein Novum: Zum ersten Mal war bei der Vernissage auch ein Werk von Schülern zu sehen, die noch gar nicht Abitur machen. Ausgestellt war ein Gemeinschaftsprojekt zweier siebter Klassen, die einen stilechten Nachbau der Stadt fertigten, doch bei ihnen heißt diese Stadt: "Effner-City". Über den kommenden Nachwuchs für die nächsten Oberstufen-Seminare brauchen sich die Kunstlehrenden am Josef-Effner-Gymnasium keine Gedanken zu machen.
