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Künstlervereinigung Dachau:Kreative Symbiose

No regrets

Denise Hachinger und Ulrike Kleine-Behnke zeigen ihre Arbeiten in der KVD-Galerie unter dem Motto "no regrets".

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Zwei neue Mitglieder der KVD stellen aus: Denise Hachinger fordert die räumliche Wahrnehmung heraus, Ulrike Kleine-Behnke integriert alltägliche Fundstücke in ihre kleinen tragbaren Kunstwerke

Bei der Jubiläumsausstellung "Raus" der Künstlervereinigung Dachau im Sommer vergangenen Jahres sorgte Denise Hachinger für Bewegung: Während die Besucher vor den Werken der anderen Künstler in der KVD-Galerie andächtig verharrten, eilten die Besucher an ihrer Lichtinstallation aus 64 quadratischen Leuchtkörpern eilig hin und her; je flotter sie liefen, desto heller blinkten die Lichter. Jetzt präsentiert sich die junge Künstlerin erstmals gemeinsam mit Ulrike Kleine-Behnke dem Publikum in einer Einzelschau bei der KVD, in der die beiden Künstlerinnen erst seit relativ kurzer Zeit Mitglied sind. Die Schau trägt den selbstbewussten Titel "No regrets", kein Bedauern. Kein Zaudern, kein Zagen. Einfach machen.

Der gemeinsamen Ausstellung liegt kein gemeinsames künstlerisches Konzept zugrunde. Tatsächlich kannten sich die beiden Künstlerinnen vor der gemeinsamen Ausstellung kaum. Dass der zusammen bespielte kleine Raum der KVD-Galerie sich trotzdem als stimmiges Ganzes präsentiert und nicht in zwei halbe Ausstellungen zerfällt, hat Gründe. Der eine ist der, dass die Arbeiten alterierend gehängt sind, was interessante Wechselwirkungen erzeugt, der andere ist der, dass die beiden Künstlerinnen den Fokus ganz unterschiedlich setzen: Denise Hachinger beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Raum, Licht und Farbe, während es bei der gelernten Goldschmiedin Ulrike Kleine-Behnke eher um die Form, die Oberfläche und Materialität geht - filigran und höchst detailliert.

Ulrike Kleine-Behnke fertigt ungewöhnliche Schmuckstücke, ihr geht es dabei nicht um die Verarbeitung möglichst edler Materialien. Eine blau glänzende Brosche mit rotbrauner Äderung hat, wie man erfahren kann, ihren Ursprung in einem rostigen Eimer, in dem andere als Kleine-Behnke wohl nichts erkannt hätten, was sehens- oder gar zeigenswert wäre. Oft integriert sie Naturmaterialien, die sie auf Spaziergängen aufklaubt, Kiesel oder Holzstücke, wobei gerade letztere ihren Schmuckstücken einen urwüchsigen, archaischen Charme verleihen. Dieses Treibgut des Alltags wird von ihr nur behutsam bearbeitet.

Ergänzt werden die Stücke durch diverse Silberapplikationen. Das Metall wird getrieben, montiert oder gegossen, die weißgesiedete Oberfläche vermittelt eine gewisse Leichtigkeit. Manche Elemente wirken so fein und geometrisch wie aus Papier gefaltet, in anderen bildet Kleine-Behnke natürliche Formen ab, etwa die stacheligen Kapseln aufgeplatzter Bucheckern. Manchmal changiert das Silber in anderen Farben, manchmal ist es schwarz oxidiert und sieht gar nicht mehr aus wie Metall. Opulenz gibt es in ihren Schmuckstücken nie, dafür die in schlichter Eleganz klar umgesetzte künstlerische Idee. "Ich orientiere mich eigentlich nie viel am Material", sagt Ulrike Kleine-Behnke.

In den Arbeiten von Denise Hachinger stehen Farbe und Licht im Zentrum. Gerne lässt Hachinger kräftige Komplementärfarben aufeinanderkrachen, dass dem Betrachter die Netzhaut nur so flimmert. Auf einem großformatigen Bild leuchtet der Hintergrund in einem grell Gelb, das auch die darauf aufgedruckten Formen noch durchdringt. Man sieht zwei halbtransparente ovale Flächen, die sich im Vordergrund überschneiden, eine zartrosa, die andere in kräftigem Orange - eine Zellteilung im LSD-Rausch, könnte man meinen - und was den Witz des Ganzen ausmacht: Das Bild wirkt so plastisch, dass man schwören könnte, die Ränder der beiden farbigen Zellen erhöben sich aus ihrer Zweidimensionalität in den Raum und das nicht nur ein bisschen, sondern mindestens einige Zentimeter. Mit solchen Effekten spielt Denise Hachinger oft. So erschafft sie ei einerseits erstaunliche Illusionen und dekonstruiert andererseits unsere trügerische räumliche Wahrnehmung. Auch ihre Lichtinstallation ist eine gewitzte Irreführung: Sie besteht aus einer Aneinanderreihung von Verpackungsluftkissen, in deren transparenten Bäuchen LED-Leuchten glimmen. Das Füllmaterial ist hier der Inhalt. Mit ihren skulpturalen Arbeiten geht Denise Hachinger noch einen Schritt weiter. Auf Acrylglas werden opake oder leicht spiegelnde farblich beschichtete Oberflächen miteinander kombiniert, die Reflexion erweitert ihre Arbeiten um eine zusätzliche Ebene.

Für das Auge ist der permanente Wechsel der Arbeiten von Denise Hachinger und Ulrike Kleine-Behnke angenehm und tut der Wirkung der gezeigten Arbeiten keinen Abbruch, im Gegenteil: Neben dem Großen wirkt das Kleine noch filigraner, neben dem Dezenten das Farbige umso berauschender. In der Natur würde man das Symbiose nennen.

No Regrets: Ausstellung der neuen KVD-Mitglieder Denise Hachinger und Ulrike Kleine-Behnke in der KVD-Galerie Dachau. Vernissage ist am Donnerstag, 5. März, um 19.30 Uhr. Zu sehen bis 29. März.

© SZ vom 05.03.2020
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