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Politiker-Kritik an Klinikkonzern Helios:"Widerlich"

Grünen-Sprecherin Marese Hoffmann kritisiert die Personalpolitik von Helios und fordert einen Sozialplan für gekündigte Mitarbeiter.

Grünen-Sprecherin Marese Hoffmann wirft der Helios-Amper-Klinikum AG in Dachau eine "unmenschliche Personalpolitik" vor. Und sie fordert den Vorstand sowohl der Kliniken in Dachau und Markt Indersdorf als auch der Helios-Klinikum GmbH in Berlin auf, sofort einen Sozialplan für die 40 Mitarbeiter der Krankenhausküche vorzulegen, die vergangene Woche gekündigt wurden. Hoffmann nimmt kein Blatt vor den Mund und zeigt sich wütend: "Den Umgang mit diesen Menschen empfinde ich als widerlich." Sie ist Fraktionsvorsitzende der Grünen im Dachauer Kreistag und war lange Jahre Mitglied im Aufsichtsrat der ehemals zur Rhönklinikum AG gehörenden Amperkliniken. Das Unternehmen hat die Mehrheit der Anteile von 94,9 Prozent vor ungefähr einem Jahr an Helios verkauft.

Als eine der ersten Entscheidungen über die Zukunft des Dachauer Klinikums hat Helios beschlossen, die Küche in das betriebseigene Klinikum in Pasing zu verlagern. Dadurch spart sich Helios nach eigenen Angaben Baukosten in einer Höhe von etwa drei Millionen Euro. Nach Informationen der SZ hatte der Dachauer Landrat und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Löwl (CSU) vergeblich versucht, Helios eine Vereinbarung abzutrotzen, um den Verlust wenigstens im Ansatz zu kompensieren. So solle er vorgeschlagen haben, in den ehemaligen Küchentrakt im Klinikum eine zentrale Sterilisierungsabteilung unterzubringen, wodurch vermutlich 20 neue, teils sehr qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Aber die Vertreter von Helios wollten sich auf der Aufsichtsratssitzung vergangene Woche auf keine Vereinbarung festlegen lassen.

Grünen-Sprecherin Marese Hoffmann befasst sich als Kreisrätin seit ungefähr 15 Jahren mit den Amperkliniken.

(Foto: Toni Heigl)

Noch unter der Rhönklinikum AG als Vorbesitzer der Mehrheitsanteile war der Beschluss zum Neubau einer Küche gefallen. Im Herbst 2013 wurde eine Containeranlage als Provisorium neben dem Dachauer Klinikum errichtet. Die Verhältnisse dort gelten als unzumutbar. So mussten sich die Mitarbeiter während der den Wintermonaten warm anziehen, weil sie in der Küche froren. Erst als sich der Betriebsrat der Amperkliniken AG einschaltete, wurde die Haustechnik erfolgreich aktiv. Da die Küche zur Klinikgesellschaft Servicegesellschaft KDI gehört, ist der direkte Einfluss des Betriebsrats gering. Die KDI ist eine 100-prozentige Tochter der Helios-Amperklinikum AG mit einer selbstständigen Arbeitnehmervertretung. Sie war bisher nicht bereit, sich zu den Kündigungen und zu den Arbeitssituationen in der Küche öffentlich zu äußern.

Dagegen wird Grünen-Kreisrätin Hoffmann deutlich: "Die Mitarbeitet sind ohnmächtiger Spielball von Helios." Dem Konzern, der zur europaweit tätigen Fresenius AG gehört, wirft sie vor, die Entscheidung über die Küche schon vor langer Zeit gefällt zu haben. Immerhin sei ja klar gewesen, dass in Pasing das Klinikum ausgebaut und eine neue Küche errichtet wurde. Pasing gehört wie Dachau zu Helios.

Die Entscheidung trifft das schwächste Glied unter der Belegschaft mit Lohngruppen im unteren Tarif-Segment. Außerdem ist die Mehrheit über 40 Jahre alt und muss fürchten, nicht mehr so schnell einen adäquaten Arbeitsplatz in der Region zu bekommen. Nach Informationen des Betriebsrats der Amperkliniken leben alle im Landkreis. Hoffmann fordert Helios auf, zu einer "anständigen" Personalpolitik zurückzukehren.