Kommentar:Zeit für Veränderung

Lesezeit: 1 min

Die überfallartige Abschiebung von Moussa Nomoko zeigt, dass der Staat dringend die Asylgesetze verändern muss. Andernfalls bleibt das "Wir schaffen das" ein leeres Versprechen

Kommentar von Christiane Bracht

Der Ruf nach Menschlichkeit, nach neuen Gesetzen ist unüberhörbar. Kaum ein Fall wie der von Moussa Nomoko zeigt es so eindrücklich, dass etwas nicht stimmt. 2015 riefen noch alle: "Wir schaffen das." Allen voran die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Doch was ist von diesem Ruf übrig geblieben? Die Integration zu meistern, damit haben sich vor allem die Helfer der Asylkreise herumgeschlagen: Deutschkurse organisieren, Nachhilfe, Amts- und Arztbesuche machen. Sogar in diffizile juristische Feinheiten mussten sich die Ehrenamtlichen einarbeiten, um ihren Schützlingen zur Seite stehen zu können. Hilfe vom Staat gab es kaum oder keine.

Umso frustrierter sind nun die Helfer. Das ist nachvollziehbar. Jahrelang haben sie an Integration geglaubt, darauf hingearbeitet und nun sehen sie, wie ihre Mühen mit Füßen getreten werden. "Die Aktion (die schnelle Abschiebung von Moussa Nomoko,Anm. d. Red) ist Ausdruck fehlender Wertschätzung", fasst es Bürgermeister Richard Reischl zusammen. In seiner Hilflosigkeit hat sich Raimund Popp jetzt an die Bundeskanzlerin gewendet, ihr einen langen Brief geschrieben und sie gefragt: "Mittlerweile haben viele Helfer das Handtuch geworfen, die Asylbewerber haben Angst, alleine zur Ausländerbehörde zu gehen, weil sie nicht wissen, was sie erwartet. Haben wir das so gewollt?"

Moussa Nomoko war integriert. Leider schaffte er die Ausbildung zum Bäcker nicht, weil er als Analphabet kam und nicht so schnell lernen konnte, wie es nötig gewesen wäre. Jetzt musste er gehen, so verlangt es laut Landrat Löwl das Gesetz. Doch ist das Gesetz gut? Der Gesellschaft hilft es jedenfalls nicht. Nomoko fehlt in der Bäckerei. Anderen Betrieben geht es ähnlich. Fachkräfte fehlen besonders in Bereichen, die unbequem sind. Doch warum gibt man Flüchtlingen, nicht die Chance sie dauerhaft auszufüllen, wenn sie es doch gerne und gut machen? Warum gibt es nur Gesetze, die abschrecken sollen und nicht solche, die Arbeitgebern, integrierten Flüchtlingen und der Gesellschaft helfen? Und warum sind die Prüfungsanforderungen der IHK gerade in solchen Mangelberufen so hoch? Es wird dringend Zeit, einiges zu ändern, sonst wird es in den kommenden Jahren noch viele Nomokos geben.

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