Süddeutsche Zeitung

Kripo Fürstenfeldbruck:Verbrecherjagd jetzt auch digital

Die Kriminalpolizei in Fürstenfeldbruck hat ihr Labor modernisiert und erweitert. So können die Spurensicherer viel besser arbeiten - und etwa eine Verunreinigung durch fremde DNA-Spuren ausschließen

Die Spuren sind so klein, man sieht sie mit bloßem Auge nicht. Nur unter dem Mikroskop und mit Chemikalien wie Magnetpulver oder Cyanacrylat werden Fingerabdrücke oder DNA-Spuren auf sichergestellten Beweismitteln für die Ermittler sichtbar. Damit die Kriminalpolizisten bei der Spurensuche effektiv und nach modernsten gesundheitlichen Standards arbeiten können, hat die Brucker Inspektion jetzt einen neuen Labortrakt. Mit mehr Platz, mehr Licht und modernen Arbeitsgeräten erleichtert der 2014 modernisierte und erweiterte Labortrakt der Kriminalpolizeiinspektion (KPI) Fürstenfeldbruck die Arbeit der Beamten, wenn sie Beweismittel auf Spuren wie Fingerabdrücke, Fasern oder DNA untersuchen. Die Polizisten können nun zu zweit oder dritt parallel arbeiten und auch mal eine Arbeit unterbrechen, ohne den Arbeitsplatz für nachfolgende Kollegen wieder komplett reinigen zu müssen. Zudem saugt ein Belüftungssystem giftige Dämpfe ab.

"Wir sind jetzt auf einem Topstand", freut sich der Leiter der KPI, Manfred Frei. Man sei "stolz", im Wirkungsbereich der KPI mit zehn Polizeiinspektionen und einer Verkehrspolizeiinspektion in den Kreisen Dachau, Fürstenfeldbruck, Landsberg und Starnberg ein solches Labor zu haben. Für Rupert Kramer, Leiter des Kommissariats 7, Spurensicherung und Erkennungsdienst, ist der nach zwei Jahren Planung in fünf Monaten für 450 000 Euro neu gestaltete Labortrakt eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen und -gesundheit. Auch wenn für den großzügigeren Laborbereich ein paar Quadratmeter Bürofläche geopfert wurden.

1993 ist die Kripo in das Gebäude an der Ganghoferstraße gezogen. Das bisherige Labor war damals topmodern. Doch in 22 Jahren ist es entsprechend gealtert. "Damals gab es noch keine DNA", erklärt Dieter Wittmann. Als Kriminalhauptkommissar vom K7 ist er einer von sechs Spurensicherern, die neben der Laborarbeit auch nach Spuren am Tatort suchen. Da es die Überführung durch DNA-Spuren, die sich in Haut, Haaren, Speichel, Sperma und Blut finden, seinerzeit noch nicht gab, fehlten im alten Labor entsprechende Standards, um etwa bei der Untersuchung von Beweismitteln die Verunreinigung durch fremde DNA-Spuren, etwa von Polizisten selbst, auszuschließen. Das ist nicht zuletzt eine Platzfrage. Denn wenn ein Beweisstück an einem Arbeitsplatz untersucht wurde, muss der zunächst penibel gereinigt werden, bevor dort das nächste Beweisstück landen darf. Gemäß damaligen Standards bestand der bisherige Untersuchungstrakt vom K7 deshalb nur aus einem Raum, knapp halb so groß wie das neue Labor, und einer Art Fotostudio.

Dieses neue Labor, laut Kramer "das Herzstück", wo Fingerabdrücke und DNA-Spuren auf diversen Materialien von Papier bis Glas mit Chemikalien aufgespürt werden können, ist statt 15 nun 35 Quadratmeter groß, anstelle eines Tisches als Arbeitsfläche gibt es jetzt drei nebeneinander plus weiteren Flächen an der Wand. Das erleichtert die Arbeit, etwa wenn man ein Bettlaken in einem Vergewaltigungsfall mit Hilfe von selbstklebender Plastikfolie Zentimeter für Zentimeter auf DNA-Spuren untersuchen will. Bislang mussten die Ermittler das Betttuch Stück für Stück über die kleine Arbeitsfläche ziehen und bearbeiten, jetzt können sie es über die ganze Arbeitsfläche spannen und viel bequemer als auch systematischer arbeiten. Zusätzliche Arbeitsplätze erleichtern den Alltag der Kriminaltechniker ebenfalls. "Man kann jetzt auch mal was liegen lassen und auch zu zweit oder dritt arbeiten, vier Augen sehen mehr als zwei", sagt Kramer. Bislang musste ein Kollege, wenn er etwa das Laken untersuchte und währenddessen zu einem anderen Fall gerufen wurde, alles aufräumen und komplett reinigen, um eine Kontamination mit DNA-Spuren zu verhindern. Jetzt kann der Beamte alles an seinem Arbeitsplatz liegen lassen, sein Kollege geht mit seinen Asservaten einfach an den nächsten Arbeitsplatz.

Neu im "Herzstück" ist auch die Dusche - für den Fall, dass ein Mitarbeiter Feuer fängt - der rote Notschalter rechts daneben, der alle elektrischen Geräte abschaltet, die moderne Zu- und Abluftanlage, ein explosionsgeschützter Kühlschrank und sogenannte dauerabgesaugte Schränke für die Lagerung von Chemikalien. Eine sehr gute Beleuchtung und die Verdunklungsautomatik, die das Tageslicht verbannt, wenn man etwa bei Schwarzlicht Blutspuren sucht, komplettieren die Ausstattung. "Gerade der Arbeitsschutz hat eine große Rolle gespielt bei der Erneuerung", betont Wittmann. Ergänzt wird der Trakt durch einen eigenen Raum für Asservate und zwei sogenannte DNA-Räume mit speziellen Schränken zum Trocknen von Beweismitteln wie blutgetränkten Kleidungsstücken. Das Fotostudio-ähnliche Zimmer wurde etwas vergrößert und hat eine mit einem Computer verbundene Kamera bekommen. Mit der lassen sich Fingerabdrücke digitalisieren, die beispielsweise auf einer sichergestellten Banknote gefunden wurden oder an einem Tatort sichtbar gemacht und mit einer Folie gesichert wurden. Der Computer übermittelt die digitalisierten Spuren dann an das Landeskriminalamt, wo sie mit den Fingerabdrücken aller erkennungsdienstlich behandelter Straftäter abgeglichen werden können.

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SZ vom 26.02.2015
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