bedeckt München
vgwortpixel

Kriminalitätsstatistik:Die Diebe kommen über die Autobahn

Einbrecher suchen sich gerne Orte wie Bergkirchen aus, weil sie über die Ausfallstraßen schnell flüchten können. Obwohl die Zahl der Delikte zunimmt, lebt es sich im Landkreis Dachau sicherer als anderswo.

Die Zahl der schweren Diebstähle im Landkreis Dachau hat stark zugenommen. Wie die Polizeiinspektion Dachau in ihrer Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2014 mitteilt, stieg ihre Zahl von 564 im Jahr 2013 auf 757 im Jahr 2014. Besonders gravierend ist der deutliche Anstieg der Wohnungseinbrüche. "Hier spiegelt sich der bayernweite Trend wieder", sagt Hauptkommissar Werner Kretz. "Hinter den Einbrüchen steckten meist organisierte Banden aus Osteuropa."

Deren Vorgehen laufe fast immer nach dem selben Strickmuster ab: Sie suchen sich ihre Tatorte gezielt an Ausfallstraßen und Autobahnen, um anschließend möglichst schnell flüchten zu können. Und: Sie kommen meist tagsüber, wenn üblicherweise niemand zu Hause ist. Die Aufklärungsquote sei bei Einbruchsdelikten dementsprechend niedrig, wie Kretz erklärt. "Wenn die Polizei am Tatort eintrifft, sind die Täter meist schon weg."

Insgesamt registrierte die Polizeiinspektion Dachau in ihrem Zuständigkeitsbereich (16 Kommunen und die Kreisstadt Dachau) 5342 Straftaten im Jahr 2014, Verkehrs- und Staatsschutzdelikte nicht mit inbegriffen. Gegenüber dem Jahr 2013 hat sich die Zahl der Straftaten damit um 303 Fälle (sechs Prozent) erhöht. Pro 1000 Einwohner ergibt sich daraus eine Zahl von rund 37 Straftaten für den Landkreis, in Bayern liegt diese Zahl bei fast 52. Hauptkommissar Kretz kommt also zu dem erfreulichen Fazit: "Der Landkreis Dachau ist weiterhin ein sicherer Landkreis mit einer niedrigen Kriminalitätsbelastung."

Der Ort mit der höchsten Kriminalitätsrate ist laut dem zehnseitigen Bericht die Kreisstadt Dachau mit insgesamt 2618 Straftaten beziehungsweise 57 pro 1000 Einwohner. "Wenn viele Menschen auf einem Fleck sind, passieren auch mehr Straftaten", begründet Kretz. Direkt hinter Dachau folgt die Gemeinde Bergkirchen mit fast 54 Straftaten pro 1000 Einwohner. "Seit es das Gewerbegebiet Gada gibt, ist die Kriminalität dort ziemlich angestiegen", stellt Kretz fest. Die sehr städtisch geprägte Gemeinde Karlsfeld liegt mit rund 35 Straftaten erstaunlicherweise deutlich hinter Dachau und Bergkirchen. Die sicherste Gemeinde im Landkreis ist Hilgertshausen-Tandern, gefolgt von Pfaffenhofen an der Glonn und Röhrmoos.

Direkt hinter den Diebstählen (insgesamt 1628) rangieren mit einer Zahl von 1229 "sonstige" Straftatbestände, darunter insgesamt 707 Sachbeschädigungen. Es folgen: Vermögens- und Fälschungsdelikte (931), Rohheitsdelikte wie Körperverletzungen (905) und strafrechtliche Nebengesetze wie Rauschgiftdelikte und Aufenthaltsverstöße (zusammen 605).

Die Zahl der Aufenthaltsverstöße hat sich von 127 im Jahr 2013 auf 235 anno 2014 drastisch erhöht. "Das liegt an der deutlichen Zunahme der Asylbewerberzahlen", erläutert Kretz. Schließlich kämen viele der Asylbewerber ohne gültigen Pass im Landkreis an, was bereits eine Straftat darstelle. Generell waren laut Statistik 2066 Männer und 675 Frauen unter den insgesamt 2741 Tatverdächtigen. Straffällig wurden auch 61 Kinder, die jünger als 14 Jahre waren. Die Zahl der Tatverdächtigen zwischen 14 und 18 Jahren lag bei insgesamt 495.

Ebenfalls in der Kriminalitätsstatistik erfasst ist die Aufklärungsquote der PI Dachau. Demnach konnten die ermittelnden Beamten von 5342 Straftaten im Jahr 2014 insgesamt 3201 aufklären, was einer Quote von 59,9 Prozent entspricht. Der Durchschnitt des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, das insgesamt für 28 Polizeiinspektionen zuständig ist, liegt bei 63,6 Prozent. Kretz begründet die vergleichsweise niedrige Quote mitunter damit, dass es im Landkreis überdurchschnittlich viele Bahnhöfe gibt, an denen viele Fahrräder gestohlen würden. "Diese Delikte werden nur selten aufgeklärt."

Um die Landkreisbewohner vor Einbrüchen zu schützen, haben Beamte der PI Dachau in den besonders betroffenen Anrainergemeinden an der Autobahn A 8 Flyer verteilt, auf denen die Bürger über mögliche Sicherheitsvorkehrungen informiert werden. So rät die Polizei, Türen und Fenster immer verschlossen zu halten, geprüfte einbruchhemmende Türen einzubauen und vor Türen und Zugangswegen für eine ausreichende Beleuchtung, beispielsweise durch Bewegungsmelder, zu sorgen. Generell hilfreich sei ein guter Kontakt zu den Nachbarn. "Achten Sie auf Fremde auf dem Nachbargrundstück", heißt es auf dem Flyer der Polizeiinspektion, "dann haben Einbrecher weniger Chancen."

© SZ vom 24.03.2015
Zur SZ-Startseite