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Konzertreihe Alto Barocco:Reines Frohlocken

Alto Barocco Weihnachtskonzert

Marianne Schiela an der Theorbe im Evangelischen Gemeindezentrum Altomünster.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das Dachauer Barockensemble gibt in Altomünster ein gleichermaßen virtuoses wie ergreifendes Weihnachtskonzert

"Frohlocket mit Händen" heißt eine Kantate von Heinrich Schütz. Sie hätte ebenso gut das Motto des diesjährigen Adventskonzerts des Kulturförderkreises Altomünster sein können. Alto Barocco heißt diese Reihe. Organisator Ulli Schneider konnte heuer das Dachauer Barockensemble für diese festliche Einstimmung auf die Weihnachtstage am vergangenen Sonntag gewinnen.

Die Musiker machten ihr eigenes Konzertmotto: "Es wird ein Wunder geschehen" buchstäblich mit Händen und mit einer schönen Stimme wahr - sehr zur Freude der Zuhörer im fast ausverkauften evangelischen Gemeindesaal der Marktgemeinde.

Das Dachauer Barockensemble gibt es seit vielen Jahren in unterschiedlicher Besetzung. In Altomünster waren dies Marianne Schiela (Theorbe, Blockflöten), ihre Töchter Veronika Schiela (Blockflöten) und Anna Pfaffenzeller (Violine, Blockflöten), Organist und Cembalist Robert Scheingraber, seine Frau Ingrid (Sopran), ihr Sohn Joseph (Violine) sowie Katrin von Berg (Viola da gamba). Sie alle sind Virtuosen ihres Fachs - und ließen mit ihrer stimmigen Musikauswahl von Werken deutscher, österreichischer und italienischer Barockkomponisten jenseits des Mainstreams den sonst so nüchternen Gemeindesaal geradezu glänzen.

Zur Einstimmung gab es eine tänzerische Sonata ad tabulam - eine Tafelmusik - von Johann Heinrich Schmelzer (1620 - 1680). Gut möglich, dass diese Musik seinerzeit sehr zur Stimmungsaufhellung am steifen Wiener Kaiserhof beigetragen hat. Das "Alma Redemptoris Mater - Erhabene Mutter des Erlösers" ist ein uralter Bestandteil der katholischen Liturgie. Ingrid Scheingraber sang die Vertonung von Benedikt Biechteler (1689-1759) mit innig-schöner Ausdruckskraft. Georg Friedrich Händels (1685 - 1759) Sonata d-Moll ist ein Gustostückerl für Könner. Zu denen gehört Flötistin Veronika Schiela zweifelsohne. Ihre Sonata war musikalische Verführung pur. Die wunderbare Pastorella von Benedikt Aufschnaiter (1665 - 1742) "Laufet ihr Hirten" wurde im Zusammenspiel von Ingrid Scheingrabers einfühlsamem Sopran sowie Anna Pfaffenzellers und Veronika Schielas Flötenspiel zur Oper im Kleinstformat, in der man die verwirrten Hirten förmlich Richtung Krippe laufen sah. Heinrich Schütz (1585 -1672) war der erste deutsche Komponist von Weltrang. Fast 40 Jahre lang war er Hofkapellmeister im glanzvollen Dresden - und erlebte doch die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges mit. Von seinem ungebrochenen Gottvertrauen kündet "Frohlocket mit Händen", weshalb Ingrid Scheingrabers Stimme bei dieser Kantate reines Frohlocken war. Bei Girolamo Kapsbergers (1580 - 1651) entzückendem Wiegenlied "Figlio dormi, dormi figlio" konnte man, wenn man denn wollte, das Kind in der Krippe lächeln sehen. Giuseppe Valentinis (1681 - 1740) "Sinfonia a tre op. 1,2 per il Santissimo Natale" schließlich war schon von fast österlicher Freude erfüllt.

Den stimmungsvollen Abschluss dieses köstlichen Weihnachtskonzerts bildete die "Pastorale per la Notte di Natale" von Johann David Heinichen (1683 - 1729). Sie zeigte noch einmal eindrucksvoll die Musikalität, das Können und das harmonische Zusammenspiel des Dachauer Barockensembles. Nur so, im großen Miteinander, können solche kleine Wunder in der Konzertwelt geschehen.