Konzertführer Meisterschaft auf engstem Raum

Das "Trio con brio" widmet sich herausragenden Klavierstücken

Von Adolf Karl Gottwald, Dachau

Unter den kammermusikalischen Werken von Joseph Haydn bilden die rund 40 Klaviertrios nach den Streichquartetten die bedeutendste Gruppe, zumal deren größter Teil in den Achtziger- und Neunzigerjahren des 18. Jahrhunderts, also der Zeit seiner absoluten kompositorischen Reife, entstanden ist. Es verwundert deshalb, dass dieses Werke in der Forschung wie in der Rezeption lange nicht die Beachtung und Wertschätzung gefunden haben, die ihnen gebührt. Das erste der "Dachauer Schlosskonzerte" im neuen Jahr am Freitag, 25. Januar, um 20 Uhr beginnt aber mit einem Klaviertrio von Joseph Haydn. Das Trio con Brio aus Kopenhagen spielt das vermutlich während Haydns zweitem Aufenthalt in London geschriebene Klaviertrio E-Dur Hob. XV: 28. (Joseph Haydns Werke werden nach dem von Anthony van Hoboken angelegten Verzeichnis gezählt, in welchem die Klaviertrios als Werkgruppe XV zu finden sind.) "Der Kopfsatz dieses Werks bedeutet einen Extrempunkt der Entwicklung von Haydns Trio-Komposition. In keinem früheren Klaviertrio-Sonatensatz wird in so eindringlicher Weise Haydns Meisterschaft deutlich, auf engstem Raum größte Gegensätze zu einem stringenten musikalischen Verlauf zu vereinen. In nur 91 Takten treffen hier extrem unterschiedliche rhythmische, harmonische und klangliche Passagen aufeinander. Improvisatorisch Versponnenes verbindet sich mit Orchestralem, Volksliedhaftes mit virtuosem Effekt." So Jürgen Brauner in seinen "Studien zu den Klaviertrios von Joseph Haydn".

Dmitri Schostakowitsch hat nur zwei Klaviertrios geschrieben, sein zweites Trio für Klavier, Violine und Violoncello e-Moll op. 67 hat Weltruhm erlangt und fehlt nur selten in einem Klaviertrio-Programm. Zunächst besticht es sowohl durch die vollendete Beherrschung der Form als auch durch die höchst aparten, orchestral schillernden Klangfarben, welche mit nur drei Instrumenten erzielt werden. Dieses 1944 geschriebene Werk ist aber vor allem ein Werk des Gedenkens, der Trauer und der Klage um die Opfer des Zweiten Weltkrieges und gilt als eines der tragischsten Werke im Schaffen von Dmitri Schostakowitsch.

Beethoven hat sieben Klaviertrios geschrieben, sein großes Trio in B-Dur op. 97, genannt "Erzherzog-Trio", gilt als die Krönung von Beethovens Kammermusik mit Klavier, und die einleitenden Akkorde des Klaviers zu Beginn sind für manchen Trio-Begeisterten die schönsten Akkorde der gesamten Kammermusik (Beethovens). Der erste Satz ist (für Beethoven ungewöhnlich) locker gefügt, alles ist getaucht in flutendes Gefühl. Das Scherzo, ausnahmsweise an zweiter Stelle (wie später in der 9. Sinfonie) ist breiter als gewöhnlich und zugleich gewichtiger ausgeführt. Das feierliche Andante ist eines der größten Themen, zu denen Beethoven Variationen geschrieben hat, und die Coda gehört, wieder nach Meinung von beethovenbegeisterten Kammermusikern, zu den erhabensten Gedanken Beethovens. Wenn dann das Finale mit seinem derben Humor plötzlich hineinspringt, ist das allerdings einer der kühnsten und grellsten Kontraste, die Beethoven je gewagt hat. Geschrieben hat Beethoven dieses Trio im März 1811, im Druck erschienen ist es aber erst im September 1816 in Wien, und zwar mit dem Titel: "Trio für Piano-Forte, Violin und Violoncello. Seiner Kaiserl. Hoheit dem durchlauchtigsten Prinzen Rudolph Erzherzog von Oesterreich &.&.&. in tiefster Ehrfurcht gewidmet von Ludwig van Beethoven 97tes Werk."