Rund 120 000 Menschen im Landkreis Dachau sind an diesem Sonntag zur Kommunalwahl aufgerufen. Sie entscheiden darüber, wie sich die Gemeinderäte in 16 Kommunen sowie der Dachauer Stadtrat und Kreistag für die kommenden sechs Jahre zusammensetzen. Auch bestimmen sie, wer als Landrat ins Landratsamt und als Bürgermeister oder Bürgermeisterin in die Rathäuser einziehen soll. Einzig in Erdweg und Hilgertshausen-Tandern stehen keine Bürgermeisterwahlen an; dort wurden die Amtsinhaber erst vor drei Jahren gewählt. Die Wahllokale in den Kommunen haben am Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Der Termin für mögliche Stichwahlen ist am 22. März.
Klar ist, dass sich die politische Landschaft im Landkreis deutlich verändern wird: In sieben von 17 Kommunen wird es neue Bürgermeister geben, da die Amtsinhaber nicht mehr antreten. Es ist ein Generationswechsel auf breiter Linie beim politischen Spitzenpersonal im Dachauer Land.
Allen voran in der Gemeinde Karlsfeld, nach der Stadt Dachau die größte Kommune im Landkreis. Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) gibt sein Amt nach 18 Jahren ab. Ihm nachfolgen wollen drei Männer: Christian Bieberle (CSU), Michael Fritsch (Grüne und SPD) und Klaus Schwingeler (Bündnis für Karlsfeld). Bieberle, CSU-Ortsvorsitzender und Gemeinderatsmitglied, gilt als der Kandidat mit den besten Chancen. Doch es könnte durchaus spannend werden, wenn es Fritsch oder Schwingeler in die Stichwahl gegen den Favoriten schaffen. Grüne und SPD haben sich bei der Wahl ihres Bürgermeisterkandidaten ohnehin schon zusammengetan. Das Bündnis für Karlsfeld steht den Grünen und der SPD politisch näher als der CSU. In einem möglichen Duell gegen CSU-Mann Bieberle dürften sowohl Fritsch als auch Schwingeler die Wählerschaft aus dem progressiven Lager hinter sich vereinen.
Auch in der Gemeinde Petershausen wird es einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin geben. Amtsinhaber Marcel Fath (Freie Wähler) hört nach zwölf Jahren auf. Dass es zur Stichwahl um seine Nachfolge kommt, ist allein aufgrund der Anzahl der Kandidaten wahrscheinlich: Johannes Stadler (CSU), Bernhard Lachmann (Freie Wähler), Susanne Strauß (Grüne) und Frank Peter Münch (SPD) konkurrieren um die Wählerstimmen.
Auch die Wähler in Röhrmoos, wo Dieter Kuglers (CSU) Amtszeit nach zwölf Jahren endet, könnten nach Sonntag noch einmal für die Stichwahl an die Urne gebeten werden. Wie in Petershausen gibt es hier vier Bewerber und Bewerberinnen um den Bürgermeisterposten: Die CSU hat sich für die 30-jährige Johanna Baumann als Kandidatin entschieden. Sie tritt an gegen Georg Niederschweiberer (Freie Wähler), Sabine Decker (SPD) und Patrick Zientek (AfD).
Noch bessere Chancen, die erste Bürgermeisterin im Landkreis Dachau zu werden, als Johanna Baumann oder Sabine Decker in Röhrmoos hat Dagmar Wagner in Bergkirchen. Als zweite Bürgermeisterin vertrat sie in den vergangenen Jahren bereits Bürgermeister Robert Axtner (CSU), der zweimal wegen eines Burn-outs ausfiel. Axtner tritt nicht mehr an. Wagner kandidiert nun für die Wählergemeinschaft Eisolzried-Lauterbach-Kreuzholzhausen als Bürgermeisterkandidatin. Ihre beiden Kontrahenten heißen Stefan Haas (SPD) und Erich Oßwald (CSU).
Auch in Haimhausen, Weichs und Pfaffenhofen a. d. Glonn räumen die Amtsinhaber ihre Posten. In diesen Gemeinden gibt es jeweils nur zwei Kandidaten. Wer neuer Bürgermeister wird, entscheidet sich am Sonntagabend.

In den anderen Kommunen des Landkreises treten die bisherigen Amtsinhaber erneut an und gelten durch die Bank als Favoriten – einzig in Hebertshausen wird es spannend, wie die Wählerinnen und Wähler das Hin und Her um die Kandidatur von Bürgermeister Richard Reischl bewerten. Er hatte im vergangenen Jahr zunächst angekündigt, nicht mehr Bürgermeister sein zu wollen; zudem trat er aus seiner Partei, der CSU, aus. Dann der Rückzug vom Rückzug: Reischl möchte doch Bürgermeister bleiben und stellt sich als parteiloser Kandidat zur Wahl. Er muss sich gegen den neuen CSU-Mann Hans-Jürgen Schreier durchsetzen.
In Vierkirchen, Markt Indersdorf, Sulzemoos und Odelzhausen dürfen die amtierenden Bürgermeister mit Spitzenergebnissen rechnen: Sie stellen sich dort ohne Gegenkandidaten zur Wahl.
Der Landrat und der OB gelten als Favoriten
Bei den beiden politischen Spitzenämtern im Landkreis Dachau, dem des Landrates und des Dachauer Oberbürgermeisters, gelten die Amtsinhaber als absolute Favoriten. Anders gesagt: Eine Abwahl von Landrat Stefan Löwl (CSU) oder Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) wäre eine große Überraschung. Beide sind seit 2014 im Amt; vor sechs Jahren erhielten beide trotz mehrerer Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit; Hartmann bekam sogar 76 Prozent aller Stimmen. Die Frage am Sonntag wird sein: Schafft es dieses Mal einer ihrer Herausforderer, Löwl oder Hartmann in die Stichwahl zu zwingen?
Die Ergebnisse der Bürgermeister- und Landratswahl stehen am Sonntagabend fest. Die Auszählung der Wahlen für den Dachauer Stadtrat, die Gemeinderäte und den Kreistag dauert etwas länger. Erst Anfang der Woche dürften alle Ergebnisse vollständig vorliegen. Im Fokus wird dabei das Abschneiden der AfD stehen. Vor sechs Jahren stellten sich Vertreter der in weiten Teilen rechtsextremen Partei nur in der Stadt Dachau und Odelzhausen sowie für den Kreistag zur Wahl. Jetzt kandidiert die AfD in fast jeder zweiten Kommune des Landkreises mit eigenen Listen. Experten erwarten, dass sich die Stimmung in den kommunalpolitischen Gremien durch den Einzug der AfD deutlich verändern könnte.
Briefwähler und Wahlhelfer
Im ganzen Landkreis sind Hunderte Menschen im Einsatz, um die Stimmen auszuzählen. Allein in der Stadt Dachau sind es für 56 Stimmbezirke 447 Wahlhelfer und 30 weitere in der Wahlzentrale, wie Beate Boll vom Dachauer Bürgerbüro mitteilt. Bis Mitte der Woche hatten in der Stadt Dachau rund 40 Prozent der Stimmberechtigten beantragt, per Briefwahl abzustimmen. In der Gemeinde Karlsfeld liegt der Briefwähleranteil mit rund 33 Prozent etwas darunter. Hier engagieren sich 224 Menschen als Wahlhelfer.



