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Kommunalwahl in Hilgertshausen-Tandern:Vereint und doch getrennt

Es ist ein Novum: Die CSU tritt erstmals mit einer Liste an, auf der Parteimitglieder aus Tandern und Hilgertshausen stehen. Doch die Gräben zwischen den Ortsteilen sind noch nicht überwunden. Bürgermeister Hertlein muss mahnen, dass man sich nicht gegenseitig zerfleischt

Von Julia Putzger, Hilgertshausen-Tandern

Seit die Gemeinden Hilgertshausen und Tandern im Jahr 1978 zusammengelegt wurden, ist ihre gemeinsame Geschichte - mal mehr, mal weniger - vom Trennenden geprägt. Es heißt, dass die Tanderner anfangs ihre Wahlzettel aus Protest verbrannten, zu dominant seien die Hilgertshausener gewesen. Umso erstaunlicher ist die Nachricht, dass die CSU erstmals mit einer gemeinsamen Liste für beide Ortsteile antritt. Zuvor hatte es sowohl in Tandern als auch Hilgertshausen je eine Ortsgruppe gegeben. In Tandern trat diese bisher mit einer eigenen Liste an, Hilgertshausener CSU-Mitglieder fanden auf der Liste der Wählergemeinschaft Hilgertshausen-Tandern (WGHT) Platz.

Im Ortsteil Hilgertshausen steht das Rathaus der Gemeinde - einen neuen Chef wird es dort nach den Kommunalwahlen aber nicht geben, denn Markus Hertlein folgte außerhalb des regulären Turnus auf Hans Kornprobst (CSU), der aus gesundheitlichen Gründen 2017 zurückgetreten ist. Obwohl ihm von mehreren Seiten eine Mitgliedschaft in der CSU ans Herz gelegt worden war, schaffte Hertlein es auf dem Ticket der WGHT ins Rathaus, wie er erzählt. Der CSU ist er dennoch nicht abgeneigt, er kandidiert auf deren Liste auf Platz 18 für den Kreistag. Sollte Hertlein in das Kreisgremium einziehen, möchte er den Einfluss seiner Gemeinde und überhaupt der ländlichen Regionen im Landkreis stärken.

Kommunalwahl 2020

Für die Wählergemeinschaft Hilgertshausen-Tandern kandidiert dieses Mal kein einziger Tanderner - trotzdem soll das Wohl der Gesamtgemeinde im Fokus stehen. Denn teure Großprojekte, etwa zur Erweiterung der Kapazitäten der Kinderbetreuung, stehen in beiden Ortsteilen an.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die bisherige Zusammenarbeit im Gemeinderat in Hilgertshausen-Tandern bezeichnet Bürgermeister Hertlein als "sehr gut und kooperativ". Insgesamt 16 Gemeinderäte aus vier verschiedenen Gruppierungen, nämlich sieben von der WGHT, vier von der CSU, drei von der Bürgerliste Tandern (BLT) und zwei von der SPD, sind vertreten. "Es ist eine gute Mischung, bei der alle Themen abgedeckt werden. Es ist egal, ob eine Idee von der einen oder der anderen Seite kommt, es gibt keinen Fraktionszwang", sagt Hertlein.

Trotzdem, und das wird im Zuge der Kommunalwahlen wieder deutlich, scheinen die Gräben zwischen den beiden Ortsteilen Hilgertshausen und Tandern noch nicht vollständig überwunden: So wirbt die Bürgerliste Tandern mit dem Slogan "Die Stimme für Tandern" und erklärt auf ihrer Website, dass die Vertreter der Liste in erster Linie die Interessen des Ortsteils Tandern vorantreiben, aber natürlich auch die Entwicklung der Gesamtgemeinde fördern wollen. Auf der Kandidatenliste der WGHT hingegen steht heuer kein einziger Tanderner, die bisherige Gemeinderätin Isabel Kühnl aus Tandern tritt nicht mehr an. Hertlein beschwichtigt jedoch und sagt: "Dass hier nur gestritten wird, stimmt überhaupt nicht." Als "Zugezogener" - der gebürtige Schwabe lebt seit 16 Jahren in der Gemeinde - habe er es geschafft, als Moderator und Gestalter aufzutreten, sodass die Gemeindevertreter nun geeint an den zahlreichen Projekten arbeiten.

Denn auf der Agenda der Gemeinde, die knapp 3400 Einwohner zählt, stehen keine Kleinigkeiten: Nach jahrelangen Streitigkeiten über die potenzielle Zusammenlegung der beiden Schulstandorte in Hilgertshausen und Tandern und die Kinderbetreuung in der Gemeinde entschied der Gemeinderat unter Hertlein schließlich "faktenbasiert", wie der Bürgermeister betont, die Standorte in beiden Ortsteilen beizubehalten. Dafür ist allerdings ein Neubau in Hilgertshausen und eine Erweiterung in Tandern nötig, Investitionen in Höhe von mehreren Millionen Euro stehen an. Außerdem muss die Kläranlage der Gemeinde umfassend erneuert werden, ebenso steht eine Rathauserweiterung an, um überhaupt Platz für die aufgrund des Wachstums benötigten Mitarbeiter zu haben. Bereits geschafft ist der Neubau des Feuerwehrhauses in Tandern. "So eine Konzentriertheit und Ballung gab es in der Geschichte der Gemeinde noch nie - die vielen Baustellen sind sehr sportlich für unser kleines Team", fasst Hertlein zusammen. Die nächsten Jahre werden somit spannend - auch aus finanzieller Sicht.

Trotz mancher Mühen macht dem Bürgermeister die Gestaltung der Gemeindezukunft viel Spaß - und er hofft, dass das auch so bleibt. Deshalb will er den neuen Gemeinderat als allererstes mahnen, sich nicht gegenseitig zu "zerfleischen", sondern "mit vereinten Kräften das Pensum zu bewältigen." Denn mit größeren Veränderungen ist auf jeden Fall zu rechnen: Nachdem er bereits sein Amt als Vorsitzender abgab, wird SPD-Zugpferd Martin Güll nun auch in seiner bisherigen Heimatgemeinde nicht mehr antreten. Ob die Sozialdemokraten in Hilgertshausen-Tandern auch ohne Güll wieder zwei Sitze erobern können, ist fraglich. Immerhin sechs Kandidaten ließen sich unter der Führung von Gemeinderat Franz Glas aber aufstellen.

Kommunalwahl 2020

Bürgermeister Markus Hertlein kam 2017 ins Amt, muss sich also jetzt nicht zur Wahl stellen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Veränderungen wird es auch bei der Bürgerliste Tandern geben, wo zwei der drei derzeitigen Gemeinderäte nicht mehr antreten. Die Kandidatenliste konnte jedoch problemlos gefüllt werden, an erster Stelle steht Gemeinderat Christoph Hardt.

Schon im Voraus profitierte dafür die CSU: Durch die erstmalige gemeinsame Liste konnte sie nun auch diejenigen zu sich ins Boot holen, deren Namen bisher auf der WGHT-Liste standen. So treten die beiden Gemeinderäte Hubert Oberhauser und Markus Hofner nun auf Platz zwei und drei der CSU-Liste an, die vom zweiten Bürgermeister Adi Doldi angeführt wird. Er ist mit 77 Jahren mit einer der ältesten Kandidaten in der gesamten Gemeinde. Die Grünen oder die AfD gibt es in der nördlichsten Gemeinde des Landkreises hingegen nicht. Besonders die AfD hat in den kleinen Ortsteilen aber fleißig ihre Kreistagskandidaten plakatiert. Hertlein ist jedenfalls froh, dass die AfD in seiner Gemeinde nicht antritt: "Besonders im kommunalen Bereich braucht die keiner."

Der Countdown zur Kommunalwahl am 15. März läuft. Wie sind die politischen Gegebenheiten im Landkreis Dachau? In einer Serie nimmt die SZ Dachau jede der 17 Kommunen gesondert in den Blick.

© SZ vom 28.02.2020

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