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Kommunalwahl in Dachau:Die CSU will zu ihren Wurzeln zurück

Eine ungewöhnliche Location für das CSU-Spitzengespräch zwischen den beiden OB-Kandidaten Kristina Frank und Peter Strauch: In einem zukünftigen Wohnzimmer in der Ziegler-Villa machen es sich die Gäste gemütlich.

(Foto: Toni Heigl)

Peter Strauch und Kristina Frank, OB-Kandidaten der CSU in Dachau und München, stehen für eine Politik der Mitte. Beide sind sich darüber einig, dass die Landeshauptstadt und ihr Umland noch stärker zusammenarbeiten müssen

Der Nebel wabert durch die Straßen und Gassen Dachaus, die Lichterketten in den Bäumen schimmern matt, der Schein der Laternen ist nur ein fahler Lichtkegel im Dunkel des Montagabends. Gleißend hell jedoch die Beleuchtung, die den Besucher in der Ludwig-Dill-Straße 28 empfängt. Denn hier erstrahlt die Fassade der Ziegler-Villa im Licht der Scheinwerfer in grellem Blau, ebenso das Plakat, das notdürftig am Bauzaun vor dem Gebäude befestigt ist. Peter Strauch, Oberbürgermeisterkandidat der CSU für die Kommunalwahl im März 2020, ist darauf abgebildet. Das macht den bisherigen Eindruck, es handle sich hier um eine Halloweenparty oder ähnlichen Spuk, wieder zunichte.

Wer bereits Veranstaltungen der Dachauer CSU besucht hat, der kennt nicht nur Strauch, sondern auch die blauen Scheinwerfer. An diesem Abend sollen sie für stimmiges Ambiente beim "Spitzengespräch zur Metropolregion München" sorgen - Peter Strauch und Kristina Frank, die Münchner OB-Kandidatin der CSU, sind eingeladen. Das Gespräch findet in den Räumlichkeiten der frisch renovierten Ziegler-Villa statt. Der Haken dabei: Die Renovierungsarbeiten sind eigentlich noch nicht abgeschlossen. Teilweise sorgen deshalb CSU-Scheinwerfer dafür, dass sich die Gäste auf der Suche nach dem richtigen Raum nicht im Labyrinth der Absperrbänder in der Dunkelheit verlieren.

Dicht gedrängt sitzen die Zuhörer - unter ihnen lokale Größen der CSU wie etwa der ehemalige Dachauer Landrat Hansjörg Christmann - schließlich auf Bierbänken in einem zukünftigen Wohnzimmer. Wobei es in so einem Wohnzimmer natürlich wesentlich schneller kuschelig wird als in ordinären Veranstaltungsräumen. Zum etwas ungewöhnlichen Raumgefühl trägt auch das Malervlies bei, das den empfindlichen Parkettboden schützt. Der Geruch von frischer Farbe liegt noch in der Luft.

Die CSU setzt also auf Altbewährtes in neuem Gewand. Das verdeutlicht auch Franks Wahlslogan "Wieder München werden." In der Landeshauptstadt werde nur noch geschimpft, jeder sei gestresst, überhaupt sei man aus dem Gleichgewicht gekommen. Früher - vielleicht als die CSU von 1978 bis 1984 zuletzt den Münchner Oberbürgermeister stellte - sei das anders gewesen, weshalb man nun "Kraft aus den Wurzeln holen" wolle. Strauch nickt zustimmend. Auch ein lebens- und liebenswertes Dachau - "überhaupt eine der schönsten Städte weltweit", wie Strauch sagt - müsse weniger hektisch sein.

Thematisch sind die beiden Oberbürgermeisterkandidaten - erwartungsgemäß - nicht nur bei diesen Einschätzungen auf einer Wellenlänge. Sowohl Strauch als auch Frank wünschen sich für ihre Städte innovativere Verkehrspolitik, wollen mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen und stellen vor allem die Arbeit der derzeitigen Amtsinhaber grundlegend in Frage. Denn: "Wir in der CSU sind die einzigen, die die Mitte noch verbinden. Die anderen betreiben Klientelpolitik", kritisiert Strauch. "Nur wir in der CSU können das", sagt auch Frank und meint dabei die Politik der Anreize statt Verbote, den Fokus auf Innovation.

Noch ein weiteres gemeinsames Ziel haben die beiden CSU-Politiker: Die Zusammenarbeit in der Region München soll gestärkt werden, die Landeshauptstadt sich besser mit den umliegenden Gemeinden und Landkreisen vernetzen. "Das Kirchturmdenken ist vorbei", sagt Frank, die komplexen Herausforderungen der heutigen Zeit könne auch eine Stadt wie München nicht mehr allein bewältigen. Stattdessen müsse man sich häufiger "gegenseitig an die Hand nehmen" und stärker in Dialog treten. Aber, so Frank: "München sitzt diesbezüglich immer noch auf einem zu hohen Ross." Strauch jedenfalls erklärt, dass eine solche Zusammenarbeit auch in seinem Sinne wäre, die Ziele für die Wahl im März sind somit gesteckt. Für den bevorstehenden Wahlkampf verspricht Strauch außerdem weitere Unterstützung - und zwar in Form von selbstgemachtem Hustensaft. In der Dachauer CSU sei es im vergangenen Jahr nämlich so gewesen, dass sich in den Wintertagen alle Parteimitglieder gegenseitig ansteckten und dann das Krankenbett hüten mussten. Für den wichtigen wie anstrengenden Wahlkampf wäre das natürlich eine Katastrophe. Als echter "Naturbursch" und leidenschaftlicher Kräutersammler wisse Strauch mit seiner speziellen Mixtur aber damit umzugehen.

Hausherr Peter Schuster ist am Montagabend ebenfalls da und gibt den Anwesenden gerne exklusive Einblicke in sein ambitioniertes Bauvorhaben. Erst im April 2018 hatte Schuster das Objekt gemeinsam mit seinem Bruder erworben, schon ab Februar 2020 sollen acht Wohneinheiten und eine Gewerbeeinheit vermietet werden. "Ich staune, was in einem Jahr alles möglich ist", sagt Schuster, der auf Platz 14 der CSU-Stadtratsliste kandidiert. Um so großen Fortschritt zu ermöglichen, sei aber vor allem ein starkes Team notwendig. Das habe man aber auf der Baustelle ebenso wie in der CSU, gibt sich Schuster zuversichtlich.

Vorerst tappen die Neugierigen Hausbesucher im Ober- und im Dachgeschoss aber im Dunkeln und durch dicke Staubschichten. Die schwachen Lichtkegel der Handytaschenlampen irren durch die Räume, entlang der Stuckdecken und über aus der Wand ragende Kabel. Die Ziegler-Villa bleibt also vorerst, ebenso wie die CSU-Oberbürgermeister in Dachau und München, ein Projekt.