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Kommunalwahl:Der Selbstbewusste

Freie Wähler

Der 54-jährige Michael Wockenfuß ist neuer Vorsitzender der Freien Wähler Röhrmoos. Die offizielle Nominierung zum Bürgermeisterkandidaten folgt noch.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Michael Wockenfuß fühlt sich für das Bürgermeisteramt berufen. Der designierte FW-Kandidat will ins Röhrmooser Rathaus einziehen

Michael Wockenfuß ist der neue starke Mann der Freien Wähler (FW) in Röhrmoos. Der 54-jährige Familienvater soll bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr das Bürgermeisteramt von der CSU zurückerobern und führt fortan den Ortsverein als neuer Vorsitzender an. Bei der FW-Mitgliederversammlung im Klosterwirt am Donnerstagabend machte er eine Kampfansage in Richtung Amtsinhaber Dieter Kugler (CSU). "Wir wollen die stärkste Fraktion und den Bürgermeister stellen", sagte er. Der designierte Kandidat, der erst vor wenigen Wochen den Freien Wählern beigetreten ist, präsentierte sich seinen 20 Parteikollegen sehr selbstbewusst. Als er sich vorstellte, ließ er eine Power-Point-Folie auf eine Leinwand projizieren. In großen Buchstaben stand darauf: "Ich fühle mich für das Amt des Bürgermeisters berufen."

Wockenfuß, der als Projektmanager arbeitet, lebt seit 15 Jahren in Röhrmoos. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Seit 2014 ist er Vorsitzender des Röhrmooser Kulturkreises und war in dieser Funktion maßgeblich daran beteiligt, dass eine Stiftung die Gemeinde bei einem bundesweiten Vorlesewettbewerb auszeichnete. Politisch ist Wockenfuß aber noch nicht in Erscheinung getreten. Volker Nist, der bisherige Vorsitzende und gescheiterte Bürgermeisterkandidat von 2014, fragte Wockenfuß vor einem halben Jahr, ob er den Ortsverein anführen und als Bürgermeister kandidieren wolle. Nach kurzer Bedenkzeit sagte Wockenfuß zu. Er habe Hans Lingl, den bisher letzten Bürgermeister der Freien Wähler in Röhrmoos und Vorgänger des jetzigen Rathauschefs, im Amt erlebt, sagte Wockenfuß der Dachauer SZ. "Seine Arbeit hat mir gut gefallen."

Für die Freien Wähler liegt in Röhrmoos politisch einiges im Argen. Nist warf dem Bürgermeister und der Verwaltung vor, Themen zu langsam anzugehen, wie etwa dringend notwendige Kanalarbeiten in Großinzemoos und Riedenzhofen. Er beklagte einen "Sanierungsstau". In den vergangenen fünf Jahren hätte die Gemeinde in mehreren Bereichen investieren müssen. Doch passiert sei nichts. Der Bürgermeister und die Gemeindeverwaltung würden "verwalten und nicht gestalten. Das birgt eine große Gefahr für die Zukunft."

Mehrere FW-Gemeinderäte berichteten bei der Mitgliederversammlung von einem schlechten politischen Klima im Gremium. Die Gemeinderatssitzungen seien "sehr träge Veranstaltungen", sagte Andreas Seidenberger. "Man sitzt manchmal die Zeit ab, weil nichts weitergeht." Oftmals würden Sachen "totgeprüft". Der Bürgermeister lasse einen nicht ausreden. Zudem würden viele Themen unnötigerweise nicht-öffentlich behandelt. "Wir werden mundtot gemacht. Das ist sehr frustrierend." Günter Bakomenko, der seit einem Jahr im Gemeinderat sitzt, sagte: "Wir müssen froh sein, wenn überhaupt mit uns geredet wird. Das ist kein schönes gemeinsames Arbeiten."

Wockenfuß will deshalb eine Wende, die Röhrmoos brauche. "Wenn ich gewählt werde, sorge ich für den Wechsel der Arbeit und des Umgangs im Gemeinderat", sagte er. Als Bürgermeister sei man kein "Alleinunterhalter". Die Gemeinderäte würden sich ehrenamtlich engagieren. "Es gehört sich, dass ich ihnen zuhöre und sie einbeziehe." Andernfalls schrecke das die Leute ab.

Die anwesenden Mitglieder wählten Wockenfuß einstimmig zu ihrem neuen Vorsitzenden. Die offizielle Nominierung zum Bürgermeisterkandidaten folgt. Stefan Müller übernimmt den Posten des Stellvertreters, Ludwig Hagn bleibt Kassier. Günter Bakomenko bekleidet das Amt des Schriftführers. Iris Joseph und Sandra Eichenseer sind Beisitzerinnen.

© SZ vom 09.02.2019
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