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Kommunalwahl in Dachau:Wolfgang Moll kandidiert als Oberbürgermeister

Macht sich Sorgen um die Lebensqualität in Dachau: Oberbürgermeisterkandidat Wolfgang Moll.

(Foto: Toni Heigl)

Der TSV-Präsident fordert Hartmann heraus. Die von ihm gegründete Vereinigung "Wir" will in den Stadtrat und Kreistag.

Für Wolfgang Moll ist der Abend im Adolf-Hölzel-Haus ein Sieg auf ganzer Linie: Einstimmig wird er auf Platz eins der Stadtrats- sowie der Kreistagsliste gewählt. Der für ihn beste Moment an diesem Abend aber ist wohl jener, als ihn die 16 anwesenden Mitglieder der politischen Vereinigung Wir - für Heimat, Werte und Zukunft zu ihrem Oberbürgermeisterkandidaten wählen. Die Vereinigung, die Wert darauf legt, keine Partei zu sein, signalisiert knapp drei Monate vor der Kommunalwahl im März 2020 Geschlossenheit - und Moll steht unangefochten an ihrer Spitze. Zusammen mit Moll bewerben sich nun insgesamt fünf Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters.

Erst im November 2018 hatte der parteilose Stadtrat Moll Wir offiziell gegründet, doch schon damals hatte er deutlich gemacht, dass man sich um Plätze im Stadtrat bewerben werde. Ob man sich auch gleich den Kreistag und das Amt des Oberbürgermeisters vornehmen werde, ließ er damals noch offen. Auch in seiner Rede, in der er sich offiziell um das Amt bewirbt, gibt er zu, dass man intern lange diskutiert habe, ob die Zeit schon gekommen sei - und ob er der richtige Kandidat sei. Doch letztlich müsse, "wer A sagt, auch B sagen", findet Moll. Es mache ihn stolz, nominiert worden zu sein, aber er sehe es auch "ein Stück weit als Pflicht", Verantwortung für diese, seine Stadt zu übernehmen.

"Es geht uns um die Lebensqualität", sagt Moll. Und, daraus macht er keinen Hehl: Eben um diese mache er sich in Dachau große Sorgen. Das Gedankengut, das im Rathaus an den Tag gelegt werde, sei "nicht richtig für diese - noch - lebenswerte Stadt". Der amtierende Oberbürgermeister Florian Hartmann, der von seiner Partei, der SPD, und den "Steigbügelhaltern", dem "sogenannten" Bündnis für Dachau und den Dachauer Grünen, wieder als Spitzenkandidat aufgestellt ist, habe in den vergangenen sechs Jahren weder Antworten auf die Verkehrssituation gefunden, noch habe er es geschafft, den Haushalt zu "beruhigen". Die wirtschaftliche Lage sei "bedenklich", führt Moll weiter aus: Große Betriebe würden abwandern, alt eingesessenen Handwerksbetrieben werde nicht geholfen. Für Moll, selbst Bauunternehmer, steht fest: "Das unternehmerische Denken fehlt." Auch die Stadt Dachau sei in gewisser Weise so etwas wie ein "kommunalpolitisches Unternehmen". Weil der Name Wir eine gewisse Pluralität voraussetzt, ist es Moll am Ende seiner Rede wichtig zu betonen: "Ich maße mir wahrlich nicht an, alles zu wissen, aber wir maßen uns an, dass wir unserer Stadt helfen können." Unter den Mitgliedern, und jenen, die sich als Unterstützer auf die Liste haben setzen lassen, seien Lehrer, IT- und Finanzspezialisten, Landwirte, kurzum: Menschen mit Expertise. Und gemeinsam mit diesen Menschen stünde man als Option - "ich werde mich hüten, das Wort Alternative in den Mund zu nehmen" - für einen Wandel in der Politik zur Verfügung.

Unter den Anwesenden sind - das wird in der Vorstellungsrunde deutlich - vor allem solche, die mit den sogenannten Altparteien und deren Strukturen nichts anfangen können, aber eben auch solche, die sich dafür entschieden haben, dass nur meckern nichts bringt. Eine Frauenquote schreibt sich die politische Vereinigung selbst nicht vor und so sind auf den ersten zehn Plätzen für der Stadtratsliste nur zwei weibliche Kandidaten, von den insgesamt 33 Plätzen sind elf mit Frauen belegt: auf Platz drei etwa steht Gabriele Siegl, die wie Moll im Vorstand des TSV Dachau 1865 sitzt und bei Wir Schatzmeisterin ist, auf Platz sieben Huda Ikid-Berhanu, die laut dem Vereinsvorsitzenden ein "Paradebeispiel für gelungene Integration" ist und deren Kinder seit Jahren beim TSV trainieren. Molls Ehefrau, Monika Moll, steht auf Platz 31. Auch sonst finden sich auf der Stadt- und Kreistagsliste, auf der bis auf wenige Ausnahmen die gleichen Namen stehen, vor allem langjährige Weggefährten Molls: Gerhard Schlabschi, die stellvertretenden Wir-Vorsitzenden Günther Mayerhanser und Gerd Häcker sowie Joachim Schweiß und Robert Wanninger. Freie Plätze werden durch Zweifach- beziehungsweise Dreifachnennungen aufgefüllt.

Abgestimmt werden nach der Vorstellungsrunde zu Beginn alle Listen im Block, Diskussionsbedarf gibt es auch über einzelne Platzierungen augenscheinlich nicht. Ein paar lassen kurz anklingen, was ihnen für die Zukunft wichtig ist - Verkehr, Bildung, soziale Gerechtigkeit - aber im wesentlichen ist der Tenor klar: Wir werden es besser machen. Wie, das schauen wir, wenn es soweit ist.