Landratskandidaten diskutieren in Schwabhausen:Das volle Spektrum

Podiumsdiskussion

Die sieben Landratskandidaten auf einer Bühne: (v. l.) Hubert Böck (SPD), Sebastian Leiß (FWD), Achim Liebl (Grüne), Stefan Löwl (CSU), Hauke Stöwsand (ÖDP), Dagmar Wagner (FW) und Jonathan Westermeier (Linke, Die Partei).

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Erstmals treffen alle sieben Landratskandidaten bei einer Podiumsdiskussion des Bauernverbandes aufeinander. Während manche brillieren und klarmachen, wofür sie stehen, bleiben andere ein wenig blass.

Von Julia Putzger, Schwabhausen

Vom Biberschaden bis zum Supermarktparkplatz reicht das inhaltliche Spektrum der Fragen, denen sich die Landratskandidaten am Montagabend im Gasthaus Göttler in Rumeltshausen bei der Podiumsdiskussion des Bayerischen Bauernverbands gestellt haben. Es ist die erste Veranstaltung, bei der alle sieben Kandidaten Rede und Antwort stehen. Während manche brillieren und klarmachen, wofür sie stehen, wirkt die Selbstpräsentation anderer eintönig und wenig mitreißend.

Alle gegen die Bauern - das ist der zentrale Konflikt, der sich durch fast alle Belange der dreistündigen Diskussion zieht. Dagmar Wagner, Landratskandidatin des Freien Wähler und Landwirtin, setzt dabei auf die Strategie "Ich bin eine von euch". Sie sieht sich als "bodenständige, starke und bürgernahe Dame", die sich nicht davor scheue, Schwierigkeiten anzupacken und frischen Wind in die Kommunalpolitik zu bringen. Vor allem aber könne sie die Stimme der Bauern im Landkreis und Brückenbauerin zwischen Stadt und Land, Gesellschaft und Landwirtschaft sein. Fast alle ihre Antworten beginnt sie mit Beispielen, bei denen sie selbiges wie der Fragesteller erlebt hat. Allerdings: Auch Wagner spricht von "den Bürgern und den Landwirten", wenn sie die gesamte Landkreisbevölkerung meint, als handle es sich dabei um strikt zu Trennendes. Auch mit dem Vorschlag, künftig mehr Windräder in den Ortschaften entlang der Autobahn zu bauen, "weil es da eh schon hässlich ist", sammelt sie nicht unbedingt Pluspunkte.

Amtsinhaber Stefan Löwl (CSU) gibt sich ebenfalls als Vermittler, der kräftig anpackt und noch viel zu tun hat. Mit Sätzen wie "aber dann kämpft wieder eine Ortsgruppe der Grünen gegen das Windrad, weil da irgendein Vogel lebt", sichert er sich tosenden Applaus im bis auf den letzten Platz besetzten Saal. Mit Aussagen wie "Wachstum zu gestalten ist viel schöner, als Schrumpfung zu verwalten" bittet er um Verständnis für die Probleme im Landkreis, die es nach seiner sechsjährigen Amtszeit noch gibt. Die Fragen, die direkt an ihn gerichtet sind, beginnen oft mit: "Du, Stefan, erklär mir mal..." - Löwl begegnet den Anwesenden auf Augenhöhe.

Der vielen bisher vollkommen unbekannte Jonathan Westermeier, der als gemeinsamer Landratskandidat der Linken und der Partei antritt, schlägt sich wacker und weiß mit zukunftsgewandten Technologien zu überzeugen. Wo andere Probleme sehen, sieht er Potenziale. Er plädiert dafür, sich auch vor Projekten, wie einem zusätzlichen S-Bahn-Ast, deren Umsetzung Jahrzehnte dauern könnte, nicht zu scheuen. Sein Ziel: Ein Politikwechsel, an dem er mit dem Setzen von thematischen Schwerpunkten mitwirken möchte. Denn dass seine Chancen, tatsächlich Landrat zu werden, eher gering sind, weiß auch er. Seine Aussage "ein linker Landrat in Bayern wäre aber natürlich schon was" sorgt für sympathisches Schmunzeln im Saal.

Ebenfalls eher neu auf dem politischen Parkett ist Hauke Stöwsand (ÖDP). Er gibt sich als ehrliches Dorfkind und jemand, der konsequente Entscheidungen trifft, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht. Inhaltlich unterscheidet ihn das kaum von den Grünen, die für die Landratswahl Achim Liebl ins Rennen geschickt haben - dieser ist in Sachen Eigenvermarktung aber wesentlich geschickter und profitiert bei den oftmals sehr spezifischen Fragen aus dem Publikum von seiner Erfahrung als Kreisrat. Liebl schlägt bei seinen Antworten einen versöhnlichen Ton an und versucht mit bescheidenem Erfolg, seine Partei auch als Vertreter der bäuerlichen Interessen zu positionieren.

Zu erklären, wie genau die SPD den Landkreis verbessern kann, scheint deren Kandidat Hubert Böck teilweise ziemlich schwerzufallen. In vielen Belangen stimmt er mit den Vorschlägen der anderen Parteien überein oder nennt typische Ideen aus dem SPD-Programm, wie etwa die Beteiligung von Bürgern an Windenergie. Außerdem gibt er zu: Die Kommunikation zwischen der Parteibasis und der Bundesebene sei nicht immer erfolgreich, der Parteiapparat träge. Innovation steht für Böck hauptsächlich dann auf dem Plan, wenn es um eine Seilbahn geht.

Diese wiederum hält Sebastian Leiß (Freie Wähler Dachau) für "illusorisch". Entscheidungen beim Thema Mobilität müsse man mit einem differenzierten Blick auf Stadt und Land treffen, die Infrastruktur könne nicht überall im Landkreis gleich gut ausgebaut werden. Leiß gibt sich als Realist unter den Kandidaten, will als jüngster Kreisrat im Landkreis die Stimme der Jugend sein und erklärt: "Ich sage, was ich denke und ich halte, was ich sage."

Zwischen den zahlreichen Versprechungen aller sieben Kandidaten - von sich endlich drehenden Windrädern über öffentliche Gebäude in Holzbauweise bis hin zum Erhalt der Landwirtschaft im Ortszentrum - kommen im Publikum allerdings auch Zweifel auf, wie viel davon tatsächlich umsetzbar ist. Wie unterschiedlich die potenziellen Landräte dabei Probleme einschätzen, zeigt dann die Frage nach dem kinderärztlichen Notdienst: Während Wagner erklärt, sich priorisiert darum zu kümmern, Leiß das Thema zur Chefsache erklärt und Westermeier von einem Skandal spricht, setzen Stöwsand, Liebl und Böck niedriger an und wollen zukünftig vor allem Anreize für Ärzte schaffen, sich im Landkreis niederzulassen. Löwl hingegen weiß: "Der Landkreis hat diesbezüglich keinerlei Einflussmöglichkeiten."

© SZ vom 05.02.2020
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