Kommunalwahl 2026Drei Kandidaten für Karlsfeld

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Ziel der Kandidaten: das Rathaus in Karlsfeld.
Ziel der Kandidaten: das Rathaus in Karlsfeld. Toni Heigl

Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe, CSU, tritt nicht mehr zur Wahl an. Drei Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge.

Von Gregor Schiegl, Karlsfeld

Vor drei Jahren musste die Gemeinde Karlsfeld ihr Hallenbad schließen. Bürgermeister Stefan Kolbe nannte es die „bitterste Entscheidung“ seiner Amtszeit. Diese geht nach 18 Jahren nun zu Ende. Karlsfelds erster CSU-Bürgermeister tritt zur Kommunalwahl im März nicht mehr an. Auf den Nachfolger warten riesige Herausforderungen: Die flächenarme, aber einwohnerstarke Gemeinde ist in finanzieller Not.

Als Favorit im Rennen um Kolbes Nachfolge gilt Christian Bieberle von der CSU; die Christsozialen haben sich in den vergangenen Jahre eine starke Position in der Gemeinde erarbeitet. Sollte es zur Stichwahl kommen, könnte es für ihn allerdings eng werden. Hinter seinen Mitbewerbern Klaus Schwingeler und Michael Fritsch versammeln sich all jene, die mit dem aktuellen politischen Kurs in der Gemeinde unzufrieden sind.

Christian Bieberle, CSU

Christian Bieberle von der CSU will den eingeschlagenen Kurs in Karlsfeld fortsetzen.
Christian Bieberle von der CSU will den eingeschlagenen Kurs in Karlsfeld fortsetzen. Niels P. Jørgensen

Christian Bieberle ist seit 2017 Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Karlsfeld und seit 2018 Mitglied im Gemeinderat.  Bisher habe er die Kommunalpolitik als „Hobby“ betrachtet, sagt der 51-Jährige. Jetzt soll sie sein Beruf werden. Viele Eigenschaften für dieses Amt bringe er bereits mit, wirbt Bieberle für sich. Er ist Vorstand und Geschäftsführer beim St.-Vinzentius-Zentralverein, einem Träger sozialer Einrichtungen; nebenberuflich ist er auch noch Architekt.

Als CSU-Kandidat steht Christian Bieberle für politische Kontinuität. „Ich würde es nicht viel anders machen als Stefan Kolbe“, sagt der CSU-Politiker. Karlsfeld Kommunalfinanzen wieder in Ordnung zu bringen, sieht er als seine vorrangige Aufgabe. Das heißt für ihn vor allem, das geplante Gewerbegebiet an der Schleißheimer Straße rasch zu entwickeln, damit sich dort neue Betriebe ansiedeln können, „das wird Chefsache“. Auf Kosten der wenigen noch verbliebenen Naturflächen soll dies aber nicht geschehen. „Mit mir wird es kein Gewerbegebiet im Schwarzhölzl oder im Dachauer Moos geben“, verspricht er. Die großen Bauprojekte privater Investoren im Ort – die Überplanung des Ludl-Geländes an der Münchner Straße und des Erlbau-Geländes westlich der Bahn – haben für ihn ebenfalls hohe Priorität.

Zu seinen zentralen Wahlkampfversprechen gehört auch eine Modernisierung der Rathausverwaltung: mehr Digitalisierung, aber auch mehr Transparenz in der Kommunikation mit den Bürgern. In diesem Punkt setzt sich der alerte und kommunikative Bieberle vom Amtsinhaber ab. Anders als seine Mitbewerber will der CSU-Kandidat Modelle der Bürgerbeteiligung in Karlsfeld aber nur sehr begrenzt einsetzen, Entscheidungsprozesse würden sonst zu lange dauern. „Und wozu haben wir gewählte Gemeinderäte?“

Michael Fritsch, Grüne und SPD

Michael Fritsch, gemeinsamer Bürgermeisterkandidat von SPD und Grünen, will  neue Akzente setzen.
Michael Fritsch, gemeinsamer Bürgermeisterkandidat von SPD und Grünen, will  neue Akzente setzen. Grünen- Ortsverband Karlsfeld

Michael Fritsch wurde von zwei Parteien gemeinsam auf den Schild gehoben, von Grünen und SPD – ein absolutes Novum in der Gemeinde Karlsfeld. Der 48-jährige IT-Berater ist Fraktionsvorsitzender der Grünen, den Karlsfelder Ortsverband hat er 2017 selbst mitgegründet. In Karlsfeld macht er ein „hohes Maß an Unzufriedenheit mit der CSU“ aus. Fritsch präsentiert sich als Gegenentwurf mit einem neuen Politikstil. Er verspricht mehr Transparenz, mehr Bürgerbeteiligung, mehr Klimaschutz.

Entscheidungsprozesse will Fritsch künftig so weit offenlegen, dass jeder sie nachvollziehen kann. Sonst spiele man damit der immer mehr erstarkenden AfD in die Hände, einer „eindeutig rechtsradikalen Partei“. Beispiel Hallenbad: So unpopulär die Schließung sei, letztlich sei sie „alternativlos“ gewesen. „Solange ein einziger Bürger das nicht verstanden hat, sind wir nicht am Ziel“, sagt Michael Fritsch. Nur mit Offenheit und Ehrlichkeit könne man wieder Vertrauen in die Demokratie gewinnen.

Dazu gehört für ihn auch, Sparzwänge nicht zu beschönigen. Dass ein neues Gewerbegebiet Karlsfelds Finanzlage wesentlich verbessern könnte, hält er für Augenwischerei. Karlsfeld werde für bestimmte Aufgaben neue Schulden aufnehmen müssen. Mehr Geld ausgeben will Michael Fritsch vor allem für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. 0,1 Prozent des Haushalts, das sei viel zu wenig. Außerdem zahle sich jeder investierte Euro am Ende mehrfach aus. Kritik übt er auch am Ortsentwicklungskonzept der CSU. Es fehle eine klare Perspektive, wohin sich die Gemeinde entwickeln solle. Fritsch setzt stattdessen auf die vielfältigen Ideen aus einer umfassenden Bürgerbeteiligung.

Klaus Schwingeler, Bündnis für Karlsfeld

Klaus Schwingeler tritt für das Bündnis für Karlsfeld an.
Klaus Schwingeler tritt für das Bündnis für Karlsfeld an. Klaus Schwingeler

Für das Bündnis für Karlsfeld tritt Klaus Schwingeler an. Der 54-Jährige ist ein Seiteneinsteiger, der noch über keine kommunalpolitische Erfahrung verfügt. Das kann im Wettbewerb ein Nachteil sein. Muss es aber nicht. Seiteneinsteigern trauen die Wähler oft eher zu, für frischen Wind zu sorgen. Und als „Klaus für Karlsfeld“ führt er einen Wahlkampf, der ihm sichtlich Spaß macht. „Ich hatte viel Glück im Leben“, begründet er seine Kandidatur. Davon wolle er als Bürgermeister etwas zurückgeben.

Wirtschaft und Finanzen sind auch für Klaus Schwingeler ein zentrales Thema. Im geplanten Gewerbegebiet an der Schleißheimer Straße setzt er auf den „richtigen Firmenmix“: lokale Betriebe, aber auch innovative Start-ups. Lange Leerstände in den Gewerbegebieten will er künftig verhindern – mithilfe eines Katasters, in dem aufgezeichnet ist, welche Flächen aktuell genutzt werden und welche nicht.

Auch beim Wohnen setzt Schwingeler neue Schwerpunkte. Über die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises, vielleicht sogar mit einer neuen gemeindeeigenen Gesellschaft, will er bezahlbare Wohnungen in Karlsfeld bauen lassen. Außerdem will er den genossenschaftlichen Wohnungsbau fördern. Sollte er Bürgermeister werden, will er außerdem regelmäßig in den Ortsteilen vorbeizuschauen, um den Bürgern Rede und Antwort zu stehen. Zwar stelle die Gemeinde schon heute zahlreiche Informationen zur Verfügung, vieles davon komme bei den Leuten aber nicht an und werde nicht ausreichend erklärt.

Beruflich leitet Klaus Schwingeler ein Team von Projektmanagern für internationale Großprojekte, zeitweise arbeitete er in Australien. In Karlsfeld engagiert er sich ehrenamtlich in der Korneliuskirche und ist dort unter anderem Vertrauensperson des Kirchenvorstands.

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