BürgermeisterwahlFällt die schwarze Hochburg Hebertshausen?

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Seit zwölf Jahren heißt der Chef im Hebertshausener Rathaus Richard Reischl.
Seit zwölf Jahren heißt der Chef im Hebertshausener Rathaus Richard Reischl. Toni Heigl
  • Amtsinhaber Richard Reischl tritt bei der Bürgermeisterwahl am 8. März als Parteiloser an, nachdem er die CSU wegen deren Ausländerpolitik verlassen hat.
  • Die CSU setzt auf Hans-Jürgen Schreier, der vom Freien Bürgerblock zur CSU gewechselt ist und Reischls Finanzpolitik kritisiert.
  • In der schwarzen Hochburg Hebertshausen stellt sich die Frage, ob der Amtsbonus oder die Unterstützung der dominierenden CSU entscheidend ist.
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Bürgermeister Richard Reischl hat die CSU verlassen und tritt diesmal als Parteiloser an. Seine alte Partei setzt nun auf Hans-Jörg Schreier, der eigentlich vom Bürgerblock kommt.  Nun ist die Frage: Was ist wichtiger, der Amtsbonus oder die Unterstützung der dominierenden Kraft im Ort?

Von Alexandra Vettori, Hebertshausen

Hebertshausen könnte bei der Bürgermeisterwahl am 8. März die These untermauern, dass Parteizugehörigkeit auf Gemeindeebene keine entscheidende Rolle spielt. Es könnte aber auch zeigen, dass auf dem Land immer noch meistens die CSU gewinnt. Gerade im „schwarzen“ Hebertshausen, wo sie aktuell elf der 20 Gemeinderats-Sitze belegt.

Auf jeden Fall ist es ein politisches Hasardeurstück, das der amtierende Bürgermeister Richard Reischl da hinlegt. Seit 2014 steht er der knapp 5800-Seelen-Gemeinde vor, 2020 wurde er mit 89,7 Prozent der Stimmen wiedergewählt, wenn auch ohne Mitbewerber.

Umso größer war voriges Jahr die Überraschung, als der zweifache Vater ankündigte, nicht mehr zu kandidieren, aus gesundheitlichen und familiären Gründen.  Nach einer mehrwöchigen Auszeit kam die teilweise Kehrtwende: Reischl wollte doch nochmal Bürgermeister werden, trat aber aus der CSU aus, vor allem wegen deren Ausländerpolitik, die er als polemisch und wenig konstruktiv kritisiert.

In seiner Gemeinde verfolgt der 49-Jährige einen anderen Ansatz. Zu Hochzeiten nahm Hebertshausen mehr Geflüchtete auf, als es musste, viele wurden in kleine Jobs gebracht. Sichtbare Fremdenfeindlichkeit gibt es trotzdem oder gerade deswegen nicht, dafür einen sehr aktiven Helferkreis. Mit diesem zusammen hat Reischl 2025 den Integrationspreis von Pro Asyl verliehen bekommen. Auch die AfD spielt in Hebertshausen keine Rolle, trat 2020 nicht zur Gemeinderatswahl an und jetzt auch nicht.

Richard Reischl tritt diesmal ohne Partei an.
Richard Reischl tritt diesmal ohne Partei an. Toni Heigl

Eigentlich hatte der Freie Bürgerblock Reischls Bürgermeisterkandidatur unterstützen wollen, die Mehrheit der Mitglieder aber stimmte für Neutralität. Die SPD winkte auch ab, so musste Reischl eine sogenannte nicht organisierte Wählergruppe gründen, ihr Titel „EfA – Einer für alle“. Die nötigen 120 Unterstützerunterschriften brachte er locker zusammen.

Der Bürgerblock wollte zunächst Reischl unterstützen

Der Bürgermeisterkandidat der CSU heißt Hans-Jürgen Schreier. Er war bis vor Kurzem Mitglied im Freien Bürgerblock Hebertshausen, für den er von 2015 bis 2022 auch im Gemeinderat saß. Aus gesundheitlichen Gründen habe er dann kürzertreten müssen, berichtet er am Telefon. Inzwischen ist der 52-Jährige wieder gesund und möchte nun Bürgermeister werden.

Weil er sich gerne einbringt, sich als zweifacher Vater und geschäftsführender Gesellschafter eines Küchenstudios im Ortsteil Ampermoching auch leitenden Aufgaben gewachsen sieht und weil er glaubt, dass Hebertshausen einen Wechsel braucht.

Schreier übernimmt gerne Verantwortung, das zeigt die Liste seiner Ehrenämter: Ministrant in der Jugend, später Fußballschiedsrichter, Schiedsrichter-Obmann, zuletzt Geschäftsführer beim SV Pipinsried; für die Bürgermeisterkandidatur hat er das Amt niedergelegt, „man kann nur einem Herrn dienen“.

Als es noch so aussah, als werde der Bürgerblock Reischl unterstützen, sei die CSU an ihn herangetreten, erzählt Schreier, und er habe sich schließlich für den Wechsel und die Kandidatur entschieden. Im Wahlkampf kritisiert er vor allem die Finanzen der Gemeinde: 12,9 Millionen Euro Schulden, die Rücklagen in den vergangenen Jahren von fünf Millionen auf 400 000 Euro gesunken. Es seien zwar auch Grundstücke gekauft worden, „doch man darf Zweifel haben, ob das nochmal erzielt wird“.

Hans-Jürgen Schreier will für die CSU das Bürgermeisteramt erhalten.
Hans-Jürgen Schreier will für die CSU das Bürgermeisteramt erhalten. Toni Heigl

Beim Amtsinhaber stößt diese Kritik auf Unverständnis. Von den gut zwölf Millionen seien 10,5 Millionen für Grundstücke ausgegeben worden, der Rest für Kläranlage und Schule und ein gemeindliches Wohnprojekt. „Allein die Grundstücke, die uns im Baugebiet Neue Holzschleiferei gehören, dürften einen Wert von 16 Millionen Euro haben“, sagt Reischl. Außerdem seien alle Beschlüsse im Gemeinderat einstimmig gewesen. Aber, fügt er hinzu, „das ist halt Wahlkampf“.

Dass Kommunen finanziell wenig Spielraum haben, weiß auch Schreier, deshalb will er neue Gewerbetreibende anziehen, etwa mit niedrigerer Gewerbesteuer. Ansonsten ähneln sich die Ziele: Beide Kandidaten möchten mehr Gewerbe und rasch die Neubaugebiete Neue Holzschleiferei und Hofanger realisieren.

Vieles ist schon auf dem Weg

Vieles ist da schon fast in trockenen Tüchern. Bis Jahresmitte soll der Bebauungsplan Neue Holzschleiferei beschlossen werden. Und auch für das brachliegende Gelände des Feinpappenwerks meldet der Amtshinhaber aktuell einen ersten Investor.

Wer auch immer Bürgermeister von Hebertshausen wird, er könnte mit einem bunteren Gemeinderat konfrontiert sein. Bisher sind es drei Parteien, CSU, Freier Bürgerblock (fünf Sitze) und SPD (drei Sitze). Jetzt treten erstmals auch die Grünen an. Auf Platz 13 der CSU-Liste steht ein Name, der sonst mit dem Nachbarort in Verbindung gebracht wird: Peter Felbermeier, seit 2014 Bürgermeister von Haimhausen, hört auf. Offenbar möchte er sich aber in seinem Heimatort Ampermoching, Ortsteil von Hebertshausen, noch nützlich machen.

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