Kommunalwahl in DachauWas die Dachauer OB-Kandidaten für die Wirtschaft tun wollen

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Podiumsgespräch mit den sieben Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im Gründwerk (von links): Romy Kauschinger (Linke), Michael Eisenmann (Bündnis für Dachau), Martin Modlinger (Grüne), Markus Erhorn (Freie Wähler), Jürgen Schleich (ÜB), Florian Hartmann (SPD) und Christian Hartmann (CSU).
Podiumsgespräch mit den sieben Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im Gründwerk (von links): Romy Kauschinger (Linke), Michael Eisenmann (Bündnis für Dachau), Martin Modlinger (Grüne), Markus Erhorn (Freie Wähler), Jürgen Schleich (ÜB), Florian Hartmann (SPD) und Christian Hartmann (CSU). Niels P. Jørgensen
  • Bei der letzten Podiumsdiskussion vor der Kommunalwahl am 8. März diskutieren sieben Dachauer Oberbürgermeisterkandidaten über den Wirtschaftsstandort Dachau.
  • Die meisten Kandidaten fordern mehr Gewerbeflächen und kritisieren die städtische Wirtschaftsförderung, während Amtsinhaber Hartmann auf einen Mix aus Wohnen und Gewerbe setzt.
  • CSU-Kandidat Hartmann und Freie-Wähler-Kandidat Erhorn geraten erneut unter Druck wegen ihrer Bereitschaft, Projekte auch mit AfD-Stimmen durchzusetzen.
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In der Podiumsdiskussion im Gründwerk geht es vor allem um die Zukunft des Gewerbes in der Kreisstadt. Kurz vor Ende kommen die Kandidaten von CSU und Freien Wählern aber erneut in Bedrängnis wegen ihrer Positionierung zur AfD.

Von Jessica Schober, Dachau

Bevor sich die sieben Dachauer Oberbürgermeisterkandidaten an diesem Abend in den Schlagabtausch begeben, müssen sie etwas über sich ergehen lassen: Aus einer Lautsprecherbox trägt eine KI-generierte Stimme ihre Portraits vor. Die Maschinenaufnahme verwandelt dabei das Wort „Dachauer“ gern in ein phonetisches „Dach-Aua“, was gut zu den leicht schmerzverzerrten Gesichtern der Kandidierenden in diesem Moment passt. Dass es mit der künstlichen Intelligenz also nicht immer so glattläuft, deutet sich schon früh an.

Es ist die letzte Podiumsdiskussion vor der Kommunalwahl am 8. März. Im Gründerzentrum Gründwerk beantworten die sieben Kandidierenden, die sich um das Amt des Dachauer Oberbürgermeisters bewerben, die Fragen von Unternehmenslenkern und Start-up-Gründern rund um den Wirtschaftsstandort Dachau. Unterschiede zeigen sich dabei etwa in dem Umfang, in dem sie weitere Gewerbeflächen ausweisen wollen. Kritik muss Amtsinhaber Florian Hartmann (SPD) von seinen Kontrahenten vor allem für die Arbeit der Wirtschaftsförderung einstecken. Durch Nachfragen eines Jugendrats und eines IT-Fachmanns endet die Podiumsdiskussion jedoch mit einem Appell an die Kandidaten von CSU und Freien Wählern, sich klarer zur AfD zu positionieren.

Die meisten Kandidierenden fordern vehement eine stärkere Ausweisung von Gewerbeflächen für die Zukunft der Großen Kreisstadt. Michael Eisenmann (Bündnis für Dachau und Volt) sagt: „Wir werden mehr Gewerbeflächen brauchen als den NU-Park, vor allem auf dem zukünftigen MD-Gelände.“ Florian Hartmann hält bislang an einem Mix aus Wohnen und Gewerbe auf dem MD-Gelände fest. Dazu positioniert sich Martin Modlinger (Grüne) anders: „Wir können nicht alles zupflastern. Ich sehe keine Erweiterungsmöglichkeit der Gewerbeflächen ins Dachauer Moos“.

Ein Thema, das immer wieder auftauchte, war die städtische Wirtschaftsförderung, die Christian Hartmann (CSU) durchgängig „Wirtschaftsförderei“ nannte. Laut Markus Erhorn (Freie Wähler) solle diese Aufgabe eine Stabsstelle sein, die direkt dem künftigen Bürgermeister unterstellt wäre und nicht der Kämmerei angegliedert sei. Jürgen Schleich (ÜB) sagte: „Wir brauchen eine Wirtschaftsförderung, die aktiv auf die Unternehmen zugeht. Das ist in den letzten Jahren untergegangen“. In der Vergangenheit war die Position länger vakant und mit Personalquerelen verknüpft gewesen.

Aus dem Rathaus berichtete Florian Hartmann, dass die Unternehmensanfragen an die Stadt in den vergangenen Jahren quantitativ und qualitativ deutlich zurückgegangen seien. Er begrüßte dagegen mehrfach die Eigeninitiative von Unternehmern, wie etwa beim Projekt „Digitale Einkaufsstadt“. Viele städtisch initiierte Ideen seien dagegen gescheitert.

Braucht der Wirtschaftsstandort einen Leuchtturm?

Bäckermeister Christian Hartmann beklagte, dass er für seinen Handwerksbetrieb keine Praktikanten oder Auszubildenden finde, weil die Arbeit nachts beginne. Obwohl die CSU traditionell als unternehmerfreundlich gilt, war ihm teilweise anzumerken, dass einige der Themen nicht aus seiner Erfahrungswelt stammten: „Mit KI kann man viel machen“, sagte er etwa zur Digitalisierung des Schulwesens, aber auch zum Bürokratieabbau. Wie genau er künstliche Intelligenz nutzen wolle, um Verwaltungsstrukturen zu verschlanken, konnte er auf Nachfrage nicht beantworten. Ein IT-Fachmann aus dem Publikum trug vor, dass die Kosten für KI-Anwendungen und Rechenleistungen künftig steigen würden und es nicht mit der Erwähnung des „Buzzwords KI“ getan sei.

Die Vorsitzende der CSU-Kreistagsfraktion Stephanie Burgmaier meldete sich aus dem Publikum zu Wort und konstatierte, dass ihrer Meinung nach „Wehrtechnik im zivilen Bereich andernorts ein Gamechanger“ sei. Sie wolle deshalb wissen, in welchen Bereichen die Kandidierenden in Dachau einen ähnlichen „Leuchtturm“ etablieren wollten. Damit brachte sie ausgerechnet ihren CSU-Parteikollegen Christian Hartmann ins Straucheln, dem nur der Standort des MD-Geländes als möglicher Leuchtturm einfiel. Markus Erhorn hielt hingegen – ohne erkennbare Ironie – die BR-Fernsehserie „Dahoam is Dahoam“, deren fiktiver Drehort Lansing in Dachau angesiedelt ist, für leuchtturmfähig. Auf Diversität statt Zuspitzung einer wirtschaftlichen Nische setzten dagegen Florian Hartmann und Martin Modlinger.

Jugendrat lässt nicht locker bei der Brandmauer gegen die AfD

Romy Kauschinger (Linke) vertrat offen Arbeitnehmerinteressen: Die Digitalisierungsbeauftragte der Landeszentrale für politische Bildung will sich im Amt für faire Löhne, bezahlbaren Wohnraum und mehr Dienstwohnungen einsetzen, denn das bedeute „Standortsicherung.“ Auf der anderen Seite des politischen Spektrums beklagte Markus Erhorn hingegen „Staufallen“ in der Stadt und „fehlende Parkplätze“ in der Altstadt.

Er sagte: „Das Auto ist nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt, egal ob es elektrisch betrieben wird oder anders.“ Dass Antriebsformen den Zuhörenden nicht ganz so egal sein dürften, zeigt dagegen ein Blick in die Start-up-Liste des Dachauer Gründwerks: Eine der ersten dort angesiedelten Firmen hatte einen Bausatz entwickelt, um Verbrennermotoren auf elektrischen Antrieb umzurüsten.

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Schließlich hakte der Dachauer Jugendrat Philipp Caspari bei einem Thema nach, das bereits bei einer Podiumsdiskussion der Dachauer Nachrichten für Aufruhr gesorgt hatte. Auf die Frage, ob sie ein politisches Herzensprojekt auch dann verfolgen würden, wenn es nur mit den Stimmen der AfD durchzusetzen sei, hatten Christian Hartmann und Markus Erhorn den Daumen gehoben. Im Gründwerk sagte Christian Hartmann dazu: „Ich arbeite mit vielen auswärtigen Leuten zusammen und dabei bleibt es auch. Wenn aber bei einer Abstimmung zu einem Herzensprojekt die AfD zustimmt, dann machen wir das. Es gibt keine Zusammenarbeit mit der AfD und dabei bleibt es.“

Auch Markus Erhorn bekräftigte, dass es keine „Zusammenarbeit“ mit der AfD für ihn gebe, man brauche außerdem alle Fachkräfte in Dachau. Erhorn wiederholte, wie zuvor bereits in dieser Zeitung geäußert, dass er an einem Antrag für mehr Parkplätze in der Altstadt auch dann festhalten würde, wenn dieser nur mit Stimmen der AfD mehrheitsfähig würde. Ein IT-Fachmann aus dem Publikum sagte: „Ich arbeite als Programmierer in einem sehr diversen Umfeld mit vielen klugen Köpfe aus Syrien und Weißrussland zusammen.“ Er frage sich, wie diese Fachkräfte sich in Dachau wohlfühlen sollten, wenn ein künftiger Oberbürgermeister auf die Stimmen der AfD angewiesen sei – einer Partei, die „nur Hass schüre“.

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