Seit zwölf Jahren ist Franz Obesser, 56, Bürgermeister von Markt Indersdorf. Und er bleibt es aller Voraussicht nach auch. Denn bei der Bürgermeisterwahl am 8. März tritt niemand gegen ihn an. Spürt man den Gründen dafür nach, kommt man zu dem Schluss, dass der Indersdorfer Marktgemeinderat eine Insel der Seligen sein muss.
An mangelnder Auswahl liegt es jedenfalls nicht: Um die 24 Gemeinderatssitze konkurrieren acht Parteien und Gruppierungen, darunter Splittergruppen wie die Gruppe Um(welt)denken, das Bürgerbündnis Niederroth und die Wählervereinigung Eichhofen-Hirtlbach-Westerholzhausen.
Bei der jüngsten Wahl 2020 haben wenigstens die Grünen mit Hubertus Schulz noch einen Kontrahenten für Obesser ins Rennen geschickt. Der Diplomphysiker kam damals auf knapp 16 Prozent, auf Obesser entfielen gut 84 Prozent der Stimmen. Diesmal haben auch die Grünen verzichtet. „In den vergangenen sechs Jahren sind wir mit Franz Obesser gut zurechtgekommen“, erklärt Schulz.


Hubertus Schulz ist einer von zwei Grünen-Gemeinderäten im Martkgemeinderat, er lobt Obessers offene Kommunikation. Dazu herrsche im Gremium eine konstruktive Atmosphäre: „Die Parteien, die hier demokratisch unterwegs sind, haben eine gemeinsame Basis: Alle sind immer an der Sache orientiert. Das ist das, was mir an anderer Stelle in der Bundes- und Landespolitik oft fehlt.“
Die CSU ist mit acht Sitzen plus Bürgermeister die größte Fraktion im Marktgemeinderat, gefolgt von den Freien Wählern (FW) mit vier Sitzen. Auch die FW haben wie 2020 bei der anstehenden Wahl auf einen Bürgermeisterkandidaten verzichtet. Warum, hat Helmut Ebert, Gemeinderat und Ortsvorsitzender, schnell erklärt: Die Freien Wähler seien sehr zufrieden mit Franz Obesser als Bürgermeister. „Wir kommen super miteinander aus, und nur weil Wahlen sind, brauchen wir da jetzt auch keinen Gegenkandidaten aufstellen.“
Auch Ebert lobt den fairen Umgang, die gute Zusammenarbeit von Gemeinderat und Verwaltung. „Das funktioniert mit allen Fraktionen, alle wichtigen Entscheidungen sind bei uns einstimmig oder mit sehr großer Mehrheit“, betont Ebert.
Der so vielfach gelobte Bürgermeister spart ebenfalls nicht mit Lob für den Marktgemeinderat: „Ich empfinde das als einen Segen, wie wir zusammenarbeiten“, sagt Franz Obesser. Obwohl sieben Gruppierungen im 24-köpfigen Rat vertreten sind, fielen fast alle Entscheidungen einstimmig, betont auch er. Das sei keine Gleichschaltung, beeilt sich Obesser anzufügen, „wir versuchen einfach, unsere Energie auf die Sache zu lenken“.
Keine „politischen Spielchen“
Bevor er 2014 Bürgermeister geworden ist, war Franz Obesser als Elektrotechnik-Ingenieur bei einem weltweit agierenden Hersteller automobiler Sicherheitssysteme tätig. „Politische Spielchen“ sind ihm fremd, sagt er. Er setzt auf Konsens, gerade bei größeren Projekten. Dem Breitbandausbau im Ort zum Beispiel, den die Marktgemeinde selbst übernommen hat oder jetzt beim altersgemischten Kinderhaus, dem größten Bauprojekt seit Jahren.
Obwohl Obesser davon überzeugt ist, dass es mit dem neuen Gemeinderat so konstruktiv weitergeht, plagen ihn Sorgen. Steigen, wie es derzeit aussieht, Kreis- und vor allem Bezirksumlage, wird es auch für Markt Indersdorf finanziell eng. „Wir brauchen einen Systemwechsel“, ist Obesser überzeugt, „aber da ist Berlin gefragt“.

