Kommunalwahl Dachau 2020 CSU nominiert Peter Strauch zum OB-Kandidaten

"Ich werde anpacken": Peter Strauch (rechts), OB-Kandidat der CSU, stellt sich im Gespräch mit Dominik Härtl vor.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Dachauer CSU-Mitglieder nominieren Peter Strauch zum Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters. Der 46-Jährige präsentiert sich als Anpacker.

Von Viktoria Großmann, Dachau

Die CSU Dachau ist sowas von bereit. Sie will von 2020 an wieder den Oberbürgermeister stellen. Peter Strauch soll es werden, das hat die CSU schon im Dezember angekündigt. Nun wurde er offiziell von den Mitgliedern für die Kommunalwahl im März 2020 nominiert. Weitere Kandidaten gab es nicht. Das wäre auch schlecht gewesen, denn das Laugengebäck, das Bäcker Hartmann mitgebracht hatte, kam in Form der Buchstaben P und S. Peter Strauch.

Im leer stehenden dritten Stock der Rübsamen Fashion Galerie treffen sich die CSU-Mitglieder an diesem Abend. Waschbeton und kahle Pfeiler, angeleuchtet mit violettem Licht. Es hat den seit den Neunzigern so beliebten Industrieruinen-Chic, und das mitten in der gemütlichen Altstadt. Die Bauunternehmerfamilie Scherm plant in dem Siebzigerjahre-Gebäude eines der ambitioniertesten Projekte der Stadt. "Wir kommen eben nicht immer nur in Hinterzimmern von Wirtshäusern zusammen", kommentiert Fraktionssprecher Florian Schiller die Wahl des Ortes. Nebenbei wird auch gleich klar, welche Altstadt-Geschäftsleute die CSU unterstützen werden.

Peter Strauch ist Stadtrat, Feuerwehrmann und Fußball-Jugendtrainer

Peter Strauch ist Stadtrat, schon viele Jahre CSU-Mitglied und außerdem als Feuerwehrmann, Fußball-Jugendtrainer und Handballer beim ASV sehr vielen Dachauern bekannt. Trotzdem wird er den CSU-Mitgliedern auf eine professionelle Weise vorgestellt, als sei er gerade erst dazu gestoßen. In einem Kandidaten-Gespräch mit dem früheren Stadtrat Dominik Härtl wird detailliert alles verraten, was eben so zu verraten ist über einen 46-jährigen Post-Angestellten und Vater zweier Söhne. Ausdrücklich wird betont, dass Strauchs Mutter in der Krankenhausküche kochte, um zum Familieneinkommen beizutragen. Die Umwege, auf denen Strauch seine verschiedenen Bildungsabschlüsse machte, werden erläutert. Die CSU-Leute erfahren, dass Strauch als sehr junger Mensch mal eine Backshop-Filiale leitete, später als Student bei Sommerhitze Biotonnen reinigte und dass sein älterer Sohn seine ersten Lebensmonate in einem Hotelzimmer in Bonn verbrachte.

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Dorthin verschlug es den gebürtigen Dachauer am Anfang seiner Karriere bei der Deutschen Post, wo er heute einen Leitungsposten im Marketing besetzt. Florian Schiller wird das später veranlassen zu sagen: "Unser Kandidat weiß aus eigener Erfahrung, wie man Mitarbeiter führt, nicht aus einem Seminar der Friedrich-Ebert-Stiftung." Als Vater erfahre Strauch nicht nur aus Elternbriefen, wie es um die Sorgen der Dachauer in der Kinderbetreuung bestellt sei. Kurz und bündig lautet also das Profil, das die CSU an Strauch herausgearbeitet hat: Kompetenter Kumpeltyp, der die Höhen und Tiefen des Lebens kennt.

98,63 Prozent Zustimmung für Peter Strauch

74 Mitglieder sind anwesend, 73 gültige Stimmen werden abgegeben, davon 72 für Strauch. Wahlleiter Richard Reischl, Bürgermeister von Hebertshausen, rechnet schnell aus: 98,63 Prozent Zustimmung für Peter Strauch. Der sagt: "Ich werde mich nicht hinter der Verwaltung verstecken, ich werde anpacken." Jubel auf der früheren Verkaufsfläche. Wie er mehr erreichen will als Amtsinhaber Florian Hartmann (SPD), der zuviel jammere, weiß Strauch genau: "Ich habe meinen Landrat, meinen Bezirkstagspräsidenten und meine Bundestagsabgeordnete - und dann werde ich eben einfach zur Bahn nach Berlin reinfahren, wenn es in den Gesprächen hakt." Landrat Stefan Löwl und Bezirkstagspräsident Josef Mederer sind ebenfalls in der CSU. Mederer setzt sich sehr für ein Bezirksmuseum auf dem MD-Gelände ein, eine Idee, der die Stadtratsfraktion bisher eher zögerlich gegenüber tritt. Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath, der sich zu Beginn per Video-Botschaft zu Wort meldet, hatte wohl etwas blauäugig kürzlich den ESV Woodpeckers unterstützt - dessen Pläne für ein eigenes Eislaufstadion die Dachauer CSU vehement ablehnte.

Florian Schiller, ein überzeugender Redner, dessen Kandidatur man hätte erwarten können, preist Strauch an als "verlässlichen Anwalt der Bürger" und sagt: "Er hat eine realistische Chance." Dann fügt er hinzu: "Es wird ein hartes Stück Arbeit." Ehrliche Worte an diesem Abend voller Vorfreude auf einen Sieg.

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