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Kommentar:Zukunft ohne Autofahrer

Mehr Parkplätze bauen ist keine Lösung. Die Stadt Dachau hat das zum Glück erkannt

Stellplätze, liebe Stadt, wir brauchen mehr Stellplätze, auf unseren Grundstücken ist nicht mehr genügend Platz für unsere Autos und die Straßen sind ohnehin schon so eng. Diese Klage war so tatsächlich auf der Bürgerdiskussionsveranstaltung in Mitterndorf zu hören. Stadtverwaltung und Stadträte hören sie nicht nur dort. Auch in der Altstadt sähen manche gerne eine Einbahnstraße in der Augsburger und Adenauer Straße, weil dann mehr Platz zum Abstellen der Autos übrig bliebe. In zwei Klausursitzungen wird sich der Stadtrat in diesem Jahr dem Thema ruhender Verkehr widmen. Also dem Parken. Eines ist jetzt schon deutlich zu erkennen: Sowohl Verwaltungsmitarbeiter als auch Lokalpolitiker denken deutlich zukunftsorientierter und auch grüner als offenbar viele Bürger. Dass radikal mehr Parkplätze geschaffen werden oder mehr Stellplätze pro Wohnung verlangt werden, ist eher nicht abzusehen.

Glücklicherweise scheinen allen voran der Fahrrad oder allenfalls Elektroauto fahrende Oberbürgermeister, sein ebenfalls radelnder Bauamtsleiter und Stadträte sämtlicher Fraktionen mittlerweile bereit zu sein, den Unmut auszuhalten, den eine dem Zweit- und Drittauto oder dem für Kurzstrecken genutzten Fahrzeug nicht mehr so wohlgesonnene Stadtplanung auslösen kann. Florian Hartmann spricht freimütig von denkbaren autofreien Wohnvierteln in S-Bahn-Nähe, in denen auch mal auf größere Parkflächen verzichtet werden könne. Parken muss etwas kosten, das sieht auch die CSU so, die sich zudem gerne gegen Wildparkerei einsetzt. Mehr und größere Straßen und noch mehr Parkflächen lösen Probleme nicht, sondern führen letztlich zu noch größerer Verkehrsbelastung, das ist eine planerische Erkenntnis, die sich durchsetzt.

Eine verantwortungsvolle Stadt- und Verkehrsplanung kann nur die sein, die zu weniger Lärm und Abgasen und mehr Sicherheit führt. Die Mitterndorfer könnten vielleicht noch eine weitere und besser getaktete Buslinien vertragen. Es gibt Anlass zur Hoffnung, dass das in Dachau eher durchzusetzen ist, als mehr Parkplätze. Im Rathaus stehen die Zeichen auf umweltverträglich. Das ist eine gute Nachricht für alle. Auch für Autofahrer, die müssen ja auch mal durchatmen.

© SZ vom 17.06.2016
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