Kommentar Seltene Einigkeit

Der Karlsfelder Gemeinderat lehnt die Pläne des Investors für den Prinzenpark geschlossen ab - ein bemerkenswerter Schulterschluss

Von Christiane Bracht

So viel Interesse an einer einfachen Sitzung des Gemeinderats würde sich sicher so manch ein anderes Gremium wünschen. Etwa 200 Karlsfelder drängten am Donnerstagabend ins Bürgerhaus. Alle wollten die Entscheidung der Kommunalpolitiker miterleben, die zum neuen Konzept für den so genannten Prinzenpark am Karlsfelder Bahnhof Stellung beziehen sollten. Es wirkte wie ein großer Paukenschlag, ein Schulterschluss. Selten waren sich alle so einig. Unter großem Beifall lehnten die Politiker, egal welcher Couleur, die Pläne des Investors ab. Nur sehr wenige, vornehmlich Senioren aus dem Betreuten Wohnen, bekannten sich zum Parkhaus, Pflegeheim und noch mehr Wohnungen. Der Grund ist vor allem, dass sie unbedingt einen Supermarkt wollen.

Der Gutachter lieferte den Gegnern der Erlbau-Pläne gute Argumente und bestärkte sie darin, weiterhin an den ursprünglichen Vorstellungen der Gemeinde festzuhalten. Angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen war dies sicher eine gelungene Veranstaltung. Doch hilft sie auch? Dass der Investor nun seine Wünsche nicht verwirklichen kann, heißt nicht, dass er einen Supermarkt baut. Von Anfang an hatten die Kommunalpolitiker ein schlechtes Gefühl, dass ausgerechnet Erlbau & Streicher das EON-Gelände übernommen hat. Hatte die Deggendorfer Firma doch schon früher gezeigt, dass sie völlig andere Vorstellung von einer Bebauung hat als die Gemeinde. Das hört man auch jetzt immer wieder. Und die jüngsten Vorstöße des Unternehmens zeigen, dass man nicht davon abgewichen ist. Mit Wohnungen und dem Kerngeschäft Pflege lässt sich auch mehr Geld verdienen als mit den von der Gemeinde favorisierten Büros. Obwohl die Politiker darum wussten, haben sie sich immer wieder dazu hinreißen lassen, Zugeständnisse zu machen und Befreiungen zu gewähren, ohne Gegenleistungen zu verlangen. Mancher Gemeinderat bereut dies nun sicher zutiefst. Man hat kaum noch Hebel in der Hand. Der Aufruhr der Bürger im Internet hilft vielleicht ein wenig. Er kratzt am Image des Investors. Doch reicht das?