Kommentar Schlechte Luft macht krank

Für ein gutes Lernumfeld sind nicht nur  pädagogische Konzepte und engagierte Lehrer nötig, sondern auch ein gutes Raumklima

Von Gregor Schiegl

Wenn es um Bildung geht, haben sich die Karlsfelder noch nie lumpen lassen: Bis zu 25 Millionen Euro sind für den Bau der neuen Grundschule an der Krenmosstraße veranschlagt. Das pädagogische Konzept folgt dem Münchner Modell des Lernhauses. Es ist flexibel, innovativ und mit seinem großzügigen Raumangebot seiner Zeit zumindest so weit voraus, dass das Kultusministerium es noch nicht vollumfänglich fördert. Die Gemeinde muss deshalb mehr Kosten tragen, aber das ist es ihr wert. Umso befremdlicher ist nun die Entscheidung des Bauausschusses, wegen einer Kostendifferenz von 300 000 Euro auf ein leistungsfähiges Lüftungssystem zu verzichten. Das ist Sparsamkeit an der falschen Stelle.

Für ein gutes Lernumfeld braucht es nicht nur gute pädagogische Konzepte und engagierte Lehrer, sondern auch frische Luft. Steigt der CO₂-Gehalt deutlich über 1000 pro Million Teilchen, nehmen Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Unwohlsein schnell zu. Für alle, die das für Zeitgeistgedöns halten: Bereits 1858 stellte Max von Pettenkofer - der Pettenkofer, nach dem auch das wissenschaftliche Institut in München benannt wurde - den Richtwert auf, und alle Studien geben ihm recht. Wer das ignoriert, ist ignorant. In der neuen Grundschule würde der Richtwert für CO₂ schon nach einer halben Stunde Unterricht geknackt, zu Spitzenzeiten würde die Konzentration sogar aufs Fünffache steigen. Vorausgesetzt, die Fenster werden tatsächlich regelmäßig geöffnet, sonst kommt es noch dicker. Aus Lehrerverbänden heißt es: Wir sind hier nicht die Lüftungsbeauftragten. In einem hochmodernen Bau, wo es nicht durch alle Ritzen zieht wie zu Zeiten von Lehrer Lämpel, kann das nur schief gehen.

Im übrigen geht es nicht nur ums Lernen: Mit höherem Kohlendioxidanteil steigt nachweislich auch die Ansteckungsgefahr für Kinder und Lehrer. Unterrichtsausfälle und höhere Krankenstände sind damit programmiert. Dass nach Messungen an Schulen in und um München zu etwa 80 Prozent der Unterrichtszeit der hygienische CO₂-Wert überschritten wird, macht die Sache nicht besser. Es zeigt nur, dass die Karlsfelder nicht die einzigen sind, die in diesem Punkt den wissenschaftlichen Erkenntnissen um mehr als 150 Jahre hinterher hinken. Die knappe Entscheidung im Bauausschuss fußt denn auch weniger auf Fakten als auf einem diffusen Bauchgefühl aus Technikfeindlichkeit und Vergangenheitsverklärung.