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Kommentar:Ruhe bewahren beim Lose Kaufen

Das harmlose, kleine Vergnügen wird von Vorschriften erdrückt. Die Stadt Dachau macht dennoch das Beste aus der Situation

Glück und Bürokratie haben eines gemeinsam: Man versteht sie nicht. Daher tut die Stadt Dachau gut daran, die neue, absurd erscheinende Vorschrift für die Glückshafen-Tombola auf dem Dachauer Volksfest gelassen zu nehmen. Ein Kind darf nun nicht mehr selbst ein 50-Cent-Stück auf die Theke des Glückshafens legen, um sich dafür ein Los zu ziehen. Es darf zwar das Los ziehen, aber das Geldstück muss ein volljähriger Begleiter überreichen. Das gilt aber nur an den ersten acht Volksfesttagen, nicht an den letzten beiden. Denn dann ist der Betreiber ein anderer. Das BRK ist zwar genauso gemeinnützig wie die Bürgerspitalstiftung Dachau. Trotzdem gelten für beide laut Bezirksregierung Oberbayern offenbar verschiedene Regeln.

Oberbürgermeister Hartmann hat recht: Öffentliche Veranstalter machen sich immer häufiger lächerlich. Weil sie durch weltfremde Gesetze dazu gezwungen werden. Für kleines Geld Lose kaufen, in der Hoffnung auf ein rosafarbenes Plüsch-Einhorn oder wenigstens einen bunten Kugelschreiber, das gehört zu Volksfesten wie ein Kettenkarussell. Ist Losekaufen gefährlicher als ein Drehwurm? Das harmlose, kleine Vergnügen wird von Vorschriften erdrückt. Oft sind es Sicherheitsanforderungen. In diesem Fall ist es das Jugendschutzgesetz, das sinnvollerweise Heranwachsende vor Spielsucht bewahren will. Jedoch im Falle des Dachauer Glückshafens ausgerechnet an einem Ort, an dem sie in einer analogen Welt im kleinen Rahmen lernen könnten, mit Versuchungen und Hoffnungen umzugehen. Im Internet wird ihnen das weit weniger gelingen.

Die Stadt Dachau macht das Beste aus der Situation, indem sie die Ruhe bewahrt. Mit Augenmaß wolle man die Vorschrift umsetzen, Ausweiskontrollen sind wohl nicht zu erwarten. Familien werden sich gemeinsam am Glückshafen anstellen müssen. Sobald das BRK den Betrieb übernimmt, könnten Eltern und Kinder Rollen tauschen. Das Kind zahlt und Papa darf das große Los ziehen.