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Kommentar:Notwendiger Anstoß

Mit der Idee, den Parkraum zu reduzieren, stößt das Bündnis für Dachau eine Debatte an, die gut ist und gar nicht einseitig

Menschen sind nicht vernünftig. Alle wissen, dass es der Umwelt schlecht geht. Alle wissen, dass die Straßen eng sind. Doch die Autoverkaufszahlen steigen. Von SUVs sogar noch stärker als von üblichen Mittelklassewagen. Im Landkreis ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Autos stärker angestiegen, als die der Bewohner. Bei gleichzeitigen Verbesserungen im Nahverkehr. Die Politiker stehen vor der Mammutaufgabe, den völligen Verkehrskollaps zu verhindern. Das Bündnis für Dachau bringt dafür eine Idee im Stadtrat ein, die eigentlich für Großstädte gedacht ist: konsequent Parkraum reduzieren. Tatsächlich zeigen Beispiele, dass dadurch der Autoverkehr gering gehalten werden kann. Aber nicht allein dadurch. Gleichzeitig wird intensiv in den Nahverkehr investiert. Dieser ist andernorts schneller, zuverlässiger und oft auch günstiger.

Das ist der eigentliche Kern des Vorschlags, über den es sich zu diskutieren lohnt. Wie viel Geld wird für Straßen und letztlich für den Autoverkehr ausgegeben und wie viel für Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Nahverkehr? Ist das Verhältnis das richtige und wie lässt es sich verändern? Wie viel Raum bekommen die Autofahrer und wie viel die anderen? Dann lässt sich vielleicht leichter entscheiden, wer im Kampf um den begrenzten Raum einmal zurückstecken muss. Hier tut sich die CSU schwer, weil sie auf keinen Fall den Autofahrern weh tun will. Nur lässt sich das nicht mehr ewig aufrecht erhalten. Richtig ist der Ansatz: Erst die Alternativen schaffen. Dann den Autoverkehr auf ein gewisses Maß einschränken. Die Debatte, welche das Bündnis angestoßen hat, ist gut und sehr notwendig. Und sie verspricht, nicht einseitig zu werden. Auch der CSU-Fraktionssprecher fährt Fahrrad. Er weiß, dass die Wege in Dachau ungenügend sind. Auch der Grünen-Fraktionssprecher hat ein Auto. Und er weiß, dass die Menschen es als vielleicht "letzte Freiheit" schätzen.

Gute, gemeinsame Ansätze der Stadträte gibt es: die Umgestaltung der Münchner Straße, das Fahrradparkhaus, auch das Leitbild Mobilität, auf das sich das Bündnis mit seinem Antrag bezieht. Alle wissen, dass gehandelt werden muss. Dabei müssen sich alle auch vor Augen führen, dass Verbesserungen ohne Einschnitte beim Autoverkehr nicht möglich sind - und auch nicht sinnvoll. Wer das einmal verdaut hat, kann es sicher auch den Bürgern der Stadt vermitteln.

© SZ vom 23.01.2018
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