Kommentar Noch einmal von vorn

In der verfahrenen Diskussion um ein Landschaftsschutzgebiet zwischen Dachau und Karlsfeld müssen sich alle Beteiligten zusammensetzen, um planungsrechtliche Möglichkeiten zu eruieren.  Was schützenswert ist, kann die Kreistags-CSU nicht allein entscheiden

Von Wolfgang Eitler

Dachau will das Landschaftsschutzgebiet in den Grenzen des Vorschlags der CSU-Kreistagsfraktion nicht. Karlsfeld protestiert ebenfalls energisch. Jetzt legt Hebertshausen nach, das um seine Entwicklungschancen fürchtet. Dabei hatte die CSU des Kreistags einen Kompromiss vorlegen wollen. Seit dieser Woche stellt sich die Frage nach der richtigen Lösung für den Stadtteil Dachau Ost und die innere Verbindung nach Hebertshausen und Karlsfeld nicht mehr. Landrat Stefan Löwl (CSU) und Stellvertreterin Marianne Klaffki (SPD) haben dem Gemeinderat in Hebertshausen zugesichert, nichts gegen seine Interessen zu unternehmen.

Was bleibt, ist der Eindruck kompletter Verwirrung. Die Dachauer wollten gemeinsam mit Karlsfeld ein Schutzgebiet schaffen, auch mit dem Ziel, neue Gewerbeflächen auszuhandeln. Die Hebertshausener möchten eine ortsnahe Umgehung realisieren. Die CSU-Kreistagsfraktion erfand plötzlich einen neuen Umgriff für ein Landschaftsschutzgebiet. Genau die Flächen fielen heraus, welche Dachau und Karlsfeld erhaltenswert finden. Und die Hebertshausener sollten das Areal verlieren, das sie ihrer Ansicht nach für die Ortsentwicklung benötigen.

Selten in der Kreispolitik der vergangenen Jahrzehnte ist ein Beschluss des Kreistags so schlecht vorbereitet worden, wie der über die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebiets. Die handwerklichen Fehler begannen damit, dass der Kreistag die Debatte bis zu einer genauen Prüfung des CSU-Antrags nicht aussetzte. Hinter vorgehaltener Hand wird kolportiert, dass die Gemeinden schuld seien. Sie hätten es selbst in der Hand, die erwünschten Gebiete zu schützen. Aber sie wollten die Verantwortung bloß auf den Landkreis abwälzen. In dieser verfahrenen Diskussion bleibt nur eine Lösung: Alle Beteiligten vergessen alles. Keiner will Recht haben. Alle setzen sich zusammen, um die planungsrechtlichen Möglichkeiten zu eruieren. Aber eines geht nicht: Dass die CSU-Kreistagsfraktion Dachau Ost besucht, um, wie geschehen, ad hoc zu entscheiden, was dort schützenswert ist.