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Hürden für Bauherren:Komplex und sensibel

Bauen in der Altstadt ist mit vielen Auflagen verbunden. Dem Investor des Rössler-Anwesens drängt sich aber die Frage auf, ob er gezielt hinters Licht geführt wurde

Das Beispiel Rössler-Anwesen zeigt wieder sehr deutlich, wie sensibel Bauprojekte in der Dachauer Altstadt sind. Der Investor war offenbar in dem guten Glauben, vor seinem Bauantrag alle problematischen Punkte gelöst zu haben. Bei einem Ortstermin mit Vertretern der Denkmalschutzbehörde und des Bauamts wurde ihm signalisiert, dass er die zwei maroden Gebäude in der Pfarrstraße 11 und 12 abreißen und neu errichten kann und nur eine Fassade zur Straße erhalten muss. Nach Vorlage der Bauplanung urteilen die Behörden völlig anders; die Probleme seien bei der Baueingabe noch nicht klar gewesen, so die Begründung. Für den Investor heißt das "friss oder stirb", sämtliche Vorschriften müssen schließlich beachtet werden. Wenn er dadurch Kosten für die bisherige Planung in den Sand gesetzt hat, ist das sein unternehmerisches Risiko.

Der Investor hat sich also auf Zusagen von Behörden verlassen, die letztendlich nicht zu halten waren. Das gilt offenbar auch für die erste Stellungnahme der Feuerwehr. Vielleicht hätte ein Wink der Beteiligten genügt, dass diese Zusagen nur vorläufig und vage waren und der Bauträger mit weiteren Auflagen rechnen muss. Womöglich hätte er dann die Finger von dem Projekt gelassen. So aber stellt sich dem Unternehmen die Frage, ob er zunächst mit Personen verhandelt hat, die keine ausreichende Fachkenntnis haben. Gleichzeitig drängt sich dem Investor die Frage auf, ob er gezielt hinters Licht geführt wurde. Vielleicht, mutmaßt er, sei ein Bauträger aus München in Dachau unerwünscht. Und wenn er aufgebe, entstehe im Rössler-Anwesen doch noch ein Bürgerbüro.

Wie auch immer: Das Rössler-Anwesen zeigt einmal mehr, dass Bauprojekte in der Altstadt nervenaufreibend und schwierig sind. Denkmalschutz und Baurecht sind hier sehr komplex, der Investor muss mit Unwägbarkeiten und Überraschungen rechnen. Das hat sich auch bei der Koschade-Klinik erwiesen, wo sich große Probleme mit der Zufahrt für die Tiefgarage ergaben. Der Vorschlag der CSU im Stadtrat, Quartier-Stellplätze für Projekte in der Altstadt vorzuhalten, ist durchaus sinnvoll. Denn Bauen in der Altstadt muss einfacher werden.

© SZ vom 20.12.2016

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