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Kommentar:Karlsfeld ohne Wenn und Aber

Jetzt bekommt die Gemeinde die erste wirklich große Chance auf einen Schulbau, auf ein Gymnasium in direkter Nähe zur S-Bahn

In der Vergangenheit bestand zwischen Karlsfeld und dem Landkreis Dachau ein Verhältnis, das mit der umgekehrten Proportionalität vergleichbar ist. Je hehrer die Lobreden im Kreistag auf die Gemeinde ausfielen, desto sicherer war, dass nichts passierte. Wenn der Verkehr auf der B 304 mit 40 000 Autos täglich angesprochen wurde, dann mit der resignativen Geste größtmöglichen Mitgefühls. Wenn der Landkreis auf der Suche nach einem neuen Standort für weiterführende Schulen war, hieß es stets, wie dringend Karlsfeld eine solche Einrichtung braucht, wie sehr es sich alle Mandatsträger ehrlich wünschen.

Nur: Die Realschulen blieben in Dachau, Markt Indersdorf und Weichs oder kommen nach Odelzhausen. Und das dritte Gymnasium wurde nach Indersdorf versetzt. Karlsfeld bekam eine private, kleine Fachoberschule und profitiert vom Engagement der Mittelschullehrer, denen es gelang, dem bayerischen Kultusminister einen Realschulabschluss abzutrotzen. Parallel dazu verweigerte sich die Landeshauptstadt München den Wünschen nach gemeinsamen Schulbauten. In dieser Zangenbewegung führt Karlsfeld, politisch betrachtet, das Leben einer Randexistenz. Betrachtet man aber die Bevölkerungsentwicklung, dann ist die Gemeinde anscheinend sehr attraktiv.

Jetzt bekommt Karlsfeld die erste wirklich große Chance auf einen Schulbau, auf ein Gymnasium in direkter Nähe zur S-Bahn. Es ist nicht zu vermuten, dass dieses gemeinsame Vorhaben mit München an den rechtlichen Fragen einer ordnungsgemäßen und den Richtlinien der Regierung von Oberbayern entsprechenden Finanzierung scheitert. Die Blamage wäre zu groß. Der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) und der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) haben sich offiziell festgelegt. Die Verwaltungen der beiden Kommunen sind sich in der Vorgehensweise einig. Jetzt braucht es die Beschlüsse der entsprechenden Gremien.

Der Schul- und Kreisausschuss beraten an diesem Freitag darüber. Alles andere als ein einstimmiger Beschluss für Karlsfeld und für die Zusammenarbeit mit München wäre eine derbe Überraschung. Sollte aber einer der Kreisräte zu einer feierlichen Rede auf Karlsfeld anheben, würde es für die Gemeinde gefährlich.