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Kommentar:Gute Lösungen brauchen Zeit

Bei der Überplanung des Ludl-Geländes drängt Karlsfelds Bürgermeister zur Eile. Warum eigentlich?

Die Planungen für das knapp vier Hektar große Ludl-Areal im Herzen Karlsfelds schreitet mit atemberaubender Geschwindigkeit voran. Jahrelang war das Thema höchstens hinter verschlossenen Türen präsent. Wie viel dort verhandelt wurde, weiß man nicht. Vor gerade mal vier Monaten haben sich die Kommunalpolitiker dazu durchgerungen, die Bürger mitdiskutieren zu lassen. Sicher eine gute Entscheidung, zumal die Pläne des Investors den Ort komplett verändern werden. Doch um eine qualitätvolle Planung zu bekommen, bei der alles bedacht und mit der sich die Karlsfelder identifizieren können, braucht es Zeit. Es ist toll, dass sich viele an einem Samstag im Oktober Zeit genommen haben, um intensiv an dem Projekt mitzuarbeiten. Viele Ideen kamen an den runden Tischen auf. Themen wurden angestoßen. Zum Beispiel der Erhalt des gesamten Hofensembles. Einige hatten auch Ideen, was man mit den Gebäuden machen kann: eine Karlsfelder Brauerei einzurichten, war sicher die gewagteste unter ihnen. Es gab auch weniger abenteuerliche: Café, Restaurant und so weiter wurden angedacht. Nicht alles ist vermutlich umsetzbar, das ist schon klar. Aber es ist der Auftrag der Bürger, sich mit allem auseinanderzusetzen. Ernsthaft und intensiv über die Zukunft, nicht nur der vier Hektar, sondern des ganzen Ortes zu diskutieren, nicht nur was die Bebauung angeht, sondern vor allem auch, was die Verkehrssituation in Karlsfeld betrifft.

Jetzt haben die Gemeinderäte erstmals über das diskutiert, was die Bürger angestoßen haben. Es war ein erstes Gespräch, bei dem offenbar wurde, dass viele Zweifel da sind. Doch statt den Ideen weiter Raum zu geben, drängt Bürgermeister Stefan Kolbe zur Eile. Alle Eckpunkte für eine Bauleitplanung sollten so schnell wie möglich in Zement gegossen werden. Die Fraktionen haben nur eine Woche Zeit. Warum die Eile, fragt man sich. Um gute Lösungen zu finden und sich ernsthaft mit allem auseinanderzusetzen, kann das nicht reichen. Es ist Zeit, die Bremse reinzuhauen, wenn die Gemeinde nicht noch einmal so ein Desaster wie mit Erlbau erleben will. Damals ging die Planung für das große Areal am S-Bahnhof noch rasanter vonstatten. Der Investor nutzte die Schwächen, die Karlsfelder haben nun das Nachsehen.