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Kommentar:Fördern, aber richtig

Bislang war die Diva Verbandswerbung, Parteipolitik und Volksfest in einem. Um eine echte Regionalmesse zu werden, braucht sie klare Zielvorgaben

Hinter dem Antrag von SPD und Bündnis, die Verkaufs- und Informationsmesse Diva abzuschaffen, verbirgt sich nicht nur Unzufriedenheit mit der Diva, sondern auch harte Kritik an der städtischen Abteilung für Wirtschaftsförderung. Deren Tätigkeit soll sich nach Meinung der beiden Fraktionen offenbar nicht im Organisieren von Veranstaltungen erschöpfen. Bürgermeister Kühnel fordert Taten ein, nämlich ein echtes Bemühen um die Ansiedlung von Betrieben, die Gewerbesteuern in die Stadtkasse zahlen. Das Problem fehlender Flächen lässt Kühnel nicht gelten, am Schwarzen Graben seien noch Grundstücke frei. Zu viel bunt gemischter Trubel und zu wenig zielgerichtete Förderung war in den Augen der Lokalpolitiker zuletzt auch die Diva.

Naturschutz, Ehrenamt, Klimarettung, Hula-Tanz, Modenschau und Schmankerlzelt vermischten sich zur unscharfen Melange aus Verbandswerbung, Parteipolitik und Volksfest. Eine regionale Leistungsschau war das nicht. Zudem konnte die Diva 2015 kaum peinlicher anfangen: Als Eröffnungsredner war Jörg Fehlner aus Altomünster eingeladen, der nur Wochen später das Kloster verlassen musste, weil er mit Ämtern kokettierte, die er nicht hatte und Umbauten veranlasste, die nicht genehmigt waren. Ein schlechtes Omen für eine Messe, die ebenfalls in den Augen einiger Stadträte mehr Schein als Sein ist. Oberbürgermeister Florian Hartmann hieb in seiner Eröffnungsrede in dieselbe Kerbe, als er darauf hinwies, dass zur Wirtschaftsförderung aus seiner Sicht die Ausweisung von Gewerbegebieten gehört. - Eine Kritik an CSU und FW, die ein Gewerbegebiet auf dem MD-Gelände verhindert haben.

In einer ihrer nächsten Sitzungen werden die Stadträte also entscheiden müssen, ob sie die radikale Lösung von Abschaffung und Neuanfang wählen oder auf eine Reform der Diva setzen wollen wie Wirtschaftsreferent Florian Schiller. In jedem Fall aber sollte nicht nur die Messe klare Zielvorgaben erhalten, sondern die Stadträte müssen sich wohl auch darüber einig werden, was sie von ihrem Wirtschaftsförderer erwarten und das klar zur Sprache bringen.

© SZ vom 15.09.2016

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