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Kommentar:Eine schöne Vision, aber kein Geld

Die Realisierung der neuen Fahrradständer am Bahnhof scheint angesichts der Gemeindefinanzen auf sehr wackeligen Füßen zu stehen

Es ist gut, dass Karlsfeld sich nun ernsthaft um eine Alternative zum Auto bemüht. Keine andere Kommune im Landkreis leidet so sehr am Verkehr. Die B 304 durchschneidet den Ort nicht nur, sondern teilt ihn sogar in zwei Hälften, die nur schwer miteinander zu verbinden sind. Die Bewohner leiden enorm unter Lärm und Abgasen sowie endlosen Staus zu den Hauptverkehrszeiten. Die Erkenntnis, dass man etwas dagegen tun muss, ist schon länger in den Köpfen der Bürger und Kommunalpolitiker gereift. Doch bislang schien die Förderung des Radverkehrs eher ein Lippenbekenntnis zu sein. Nun kommen erstmals Planer, präsentieren konkrete Ideen und legen Kostenkalkulationen vor. Die Gemeinde gibt ein Radverkehrskonzept in Auftrag - über bloße Absichtserklärungen wie bisher ist sie einen großen ersten Schritte hinaus gegangen.

Doch trotz aller Euphorie ist Skepsis angebracht. Die Realisierung der neuen Fahrradständer am Bahnhof und dessen, was die Kommunalpolitiker sich sonst noch so alles wünschen, scheint angesichts der Gemeindefinanzen auf sehr wackeligen Füßen zu stehen. Karlsfeld hat 23 Millionen Euro Schulden und der Berg wird nächstes Jahr noch erheblich wachsen. Wie hoch, darüber schweigen Politiker und Verwaltung lieber noch. Klar ist nur, dass die Grundschule an der Krenmoosstraße um einiges teurer wird als geplant. Im Juni wurden die Baukosten noch auf 33,5 Millionen Euro beziffert, laut Bürgermeister Stefan Kolbe werden sie nun voraussichtlich bei etwa 40 Millionen liegen.

Kein Wunder also, dass die Verteilung des Geldes für Projekte und an Vereine im kommenden Jahr zu einer Herausforderung wird. Kolbe prophezeit schon jetzt "Kämpfe", nicht zuletzt im Wahlkampf der bevorstehenden Kommunalwahl wird das Thema heiß umstritten sein. Angeklungen ist bereits, dass die Rathausmitarbeiter besser bezahlt werden müssen, weil die Gemeinde sonst nach und nach Personal verliert und neues nicht finden wird. Die Stadt München bietet einfach mehr, da hat Karlsfeld keine Chance mehr. Außerdem wird die Kinderbetreuung weiter eine enorme Summe im Haushalt verschlingen. Deshalb wird es schwierig werden, für einen höheren Stellenwert des Radverkehrs zu argumentieren und entsprechend viel Geld für seinen Ausbau bereitzustellen - die schöne Vision, an die sich jetzt alle klammern, wird so nicht realisiert werden können. So viel ist schon klar.

© SZ vom 16.12.2019
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