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Kommentar:Die Helfer ernst nehmen

Asylhelfer leisten wertvolle Arbeit. Wenn die Gründung eines Lobbyverbandes dazu führt, dass die Politik ihre Anliegen ernster nimmt, ist ein wichtiges Ziel erreicht

Den ehrenamtlichen Helfern von Geflüchteten Gehör zu schenken, ist unerlässlich. Sie wissen, wie es den Zuwanderern geht, sie kennen ihre Bedürfnisse, erleben, wie Gesetze nützen oder schaden können. Mehr als angemessen, die Freiwilligen zu Rate zu ziehen, ist es schon deshalb, weil diese staatliche Aufgaben in kaum zu überschätzendem Ausmaß übernehmen. Sie sind es im Wesentlichen, die das überstrapazierte Wort Integration mit Leben füllen. Sie lehren Deutsch, sie vermitteln Jobs, geben Nachhilfe, halten die jungen Leute bei der Stange, wenn sie vor schulischen Aufgaben verzweifeln wollen. Sie suchen Wohnungen, besorgen eine Mitgliedschaft in der Krankenkasse und helfen beim Papierkram mit den Behörden.

Politisiert haben sich sehr viele Ehrenamtliche von selbst, unpolitisch zu bleiben ist bei dieser Arbeit kaum möglich. Vom einfach-nur-helfen-wollen war der Weg zum Erkennen behördlicher Mängel und politischer Fehlentscheidungen für viele nicht weit. Aus Erfahrungsaustausch zwischen den Helferkreisen zweier Gemeinden oder gemeinsamen Zuständigkeiten entwickelten sich regelmäßige Treffen und schließlich gar regionale und überregionale Verbände. Nun stehen Ehrenamtliche aber vor der Frage, wie weit sie sich mit ihrer Meinung vorwagen sollen. Und schlicht, wie sie auch noch Zeit für Gremiumsarbeit finden können. Viele entscheiden dabei so pragmatisch wie 2015: Sie wollen direkte Hilfe am Menschen leisten und sich nicht in Verbandsarbeit aufreiben.

Trotzdem ist ein weiterer Verband sinnvoll. Er zeigt, dass die Gruppe der Helfer gewachsen und noch bunter geworden ist. Wenn durch einen solchen Verband die große und unermüdliche Gruppe Ehrenamtlicher und ihre Leistung in Landes- und Bundespolitik stärker wahrgenommen wird, ist ein wichtiges Ziel erreicht. Die eigentliche Hilfe aber ist individuell und lokal. Daher ist es gerade auch eine Aufgabe der Lokalpolitiker, genau hinzuhören und die Ehrenamtlichen und ihre Erfahrungen und Anliegen ernst zu nehmen. Im Landkreis tauschen sich Landratsamt und Helfer regelmäßig aus. Als Praktiker und Experten sollten die Ehrenamtlichen auch auf anderen Ebenen Gehör finden, unterstützt am besten von der politischen Basis im Ort.

© SZ vom 24.03.2018
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