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Kommentar:Das Versagen der Justiz

Verbale Gewalt gegen Frauen ist in den sozialen Medien allgegenwärtig. Doch Anzeigen werden häufig nicht ernst genommen

Wer liest, was Menschen anderen Menschen wünschen - den Tod oder den eines geliebten Menschen oder vergewaltigt zu werden - der kann den Glauben an die Menschheit verlieren. Besonders häufig findet man Hasskommentare und Drohungen in den sozialen Netzwerken. Betroffen von dieser digitalen Gewalt sind vor allem Frauen. Gerade sie werden immer wieder auf persönlichster Weise beleidigt und bedroht, werden auf ihr Aussehen reduziert, zu Objekten herabgewürdigt.

Mindestens genau so schlimm, wie dieser im Netz offen kundgetane Sexismus, dieser schier unvorstellbare Hass auf Frauen ist allerdings, wie wenig Angst vor Repressalien jene haben müssen, die diese schrecklichen Dinge schreiben. Viele der Fälle werden gar nicht zur Anzeige gebracht - sei es aus Scham, sei es aus dem Gefühl heraus, dass es sowieso nichts bringt. Denn genau das ist immer noch viel zu häufig der Fall: Obwohl es eine Vielzahl an Beleidigungen gibt, die auch eine strafrechtliche Komponente haben und es in der Theorie Wege gäbe, sich zivilrechtlich zu wehren, wird die Strafverfolgung in viel zu vielen Fällen immer noch nicht ernst genommen. Anzeigen werden nicht verfolgt, Verfahren eingestellt.

Und was haben jene, die beschimpfen und bedrohen mit jenen gemeinsam, die solche Fälle oftmals verharmlosen oder nicht ahnden, wie jüngst erst wieder geschehen im Fall von der Grünen-Politikerin Renate Künast? Genau: Sie sind in den meisten Fällen männlich. Das ist kein Zufall, sondern ein strukturelles Problem. Im 21. Jahrhundert müssen Frauen immer noch gegen das Patriarchat ankämpfen - und zahlen dafür oft einen hohen Preis. Es wird Zeit, dass die Justiz dem Hass gegen Frauen Einhalt gebietet, indem sie die Vorfälle ernst nimmt, die Urheber menschenverachtender Kommentare verfolgt. Misogynie ist kein Kavaliersdelikt.