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Klinikum Dachau:Selbstkritische Fehlerdiagnose

Erstmals stellt sich das Klinikum Dachau einem bundesweiten und internen Leistungsvergleich aller Helios-Häuser. Es schneidet dabei gut ab, aber nicht besser als alle anderen in Bayern.

Das Helios Amperklinikum legt jetzt Rechenschaft über den Erfolg der medizinischen Behandlung ab. Die Klinik veröffentlicht im Internet Qualitätskennzahlen für das Jahr 2014, die einen Vergleich mit anderen deutschen Krankenhäusern ermöglichen. Aus den Zahlen wird ersichtlich, wie viele Todesfälle es bei operativen Eingriffen in der Klinik gab im Vergleich zum Bundesdurchschnitt. Patienten, einweisende Ärzte und Mitarbeiter erhalten damit Auskunft über den Behandlungserfolg. Von 42 Zielwerten erreicht das Amperklinikum 34 oder 81 Prozent. Der bundesweite Durchschnittswert liegt bei 60 Prozent. "Dachau erreicht damit den Durchschnittswert aller Helios-Kliniken in Bayern", sagt der Ärztliche Direktor Horst-Günter Rau.

Das Krankenhaus weist zum ersten Mal in dieser Transparenz die Qualität seiner medizinischen Behandlung aus. So wurden elf Lungenkrebspatienten im vergangenen Jahr Teile eines Lungenflügels entfernt. Alle Patienten überlebten die Operation. Im Bundesdurchschnitt ist die Sterblichkeitsrate 2,9 Prozent. Mit null Prozent hat das Helios Amperklinikum den optimalen Wert. Ein anderes Beispiel: Von 295 Patienten mit der Hauptdiagnose Herzinfarkt starben 16 oder 5,4 Prozent im Klinikum; im Bundesdurchschnitt waren es 7,8 Prozent. "Sterblichkeitszahlen sind nicht manipulierbar", unterstreicht Horst-Günter Rau. Eine vergleichsweise niedrige Sterblichkeit kann ein Hinweis auf gute medizinische Qualität sein, heißt es in der Legende des Qualitätsberichts. Ein erhöhter Anteil an Todesfällen sei aber immer der Ausgangspunkt für vertiefte Analysen und Verbesserungen. Dennoch seien die operativen Eingriffe nicht unbedingt die Todesursache der betroffenen Patienten. Dahinter verbergen sich oft komplexe Krankheitsverläufe.

Durchwegs bessere Werte als der Bundesdurchschnitt hat das Amperklinikum bei Erkrankungen der Lunge und bei Schlaganfallpatienten. "Da zeigt sich die hervorragende Arbeit unserer Stroke Unit", sagt Klinikumssprecherin Beatrice Charrier. Schlechter liegt das Klinikum bei vaginalen Geburten mit einem Dammriss dritten oder vierten Grades, bei Operationen an der Halsschlagader, beim Einsetzen eines diagnostischen Herzkatheters, bei länger als 24 Stunden beatmeten Patienten, bei der Entfernung der Gallenblase wegen Gallensteinen, beim Ersteinsatz eines künstlichen Hüftgelenks, bei der Entfernung der Harnblase und der Totalentfernung der Niere.

In 34 von 42 untersuchten Bereichen schneidet das Helios Amperklinikum besser als der Durchschnitt der deutschen Krankenhäuser ab. "Wir wollen aber keinen Stillstand, sondern uns noch weiter verbessern", betont die Klinikumssprecherin. "Unser Ziel ist es, an die 90 Prozent heranzukommen", sagt Horst-Günter Rau. Allerdings hingen Statistiken auch von Zufällen ab. Ziel des Qualitätsberichts sei es auch, eine nachträgliche Qualitätskontrolle vorzunehmen. Dazu sollen externe Prüfer die Todesfälle in der Klinik untersuchen. "Wir betreiben eine offene Fehlerkultur", stellt der Ärztliche Direktor fest. Fachgruppen sollen in internen Gesprächen überlegen, wo die Zusammenarbeit der Abteilungen verbessert und Prozesse optimiert werden können. "Die Schnittstellen in einem Krankenhaus müssen funktionieren", sagt Rau. Außerdem stelle sich die Frage, wo man schneller hätte handeln müssen. "Vielleicht zeigt auch der eine oder andere Fall, dass man das Risiko-Screening noch sorgfältiger machen muss." Manchmal zeige sich erst bei der Operation, dass ein Organ von einem Tumor viel stärker befallen ist als angenommen.

Ausbaupläne

Das Helios Amperklinikum ist ein Aushängeschild des Klinikkonzerns. Nur 50 Prozent der deutschen Krankenhäuser schreiben schwarze Zahlen, das Dachauer Krankenhaus gehört dazu. Der Konzern will den Standort in Dachau ausbauen. Die Zahl der Betten soll sukzessive erweitert werden, die Stadt hat die neuen Baupläne inzwischen genehmigt. Möglicherweise wird auch eine neue Küche gebaut. Eine Entscheidung darüber fällt in der Aufsichtsratssitzung am 16. Februar. In der Sitzung gibt das Gremium auch den neuen Vorstandsvorsitzenden des Amperklinikums bekannt. Bernward Schröter gab diesen Posten Ende 2014 völlig überraschend auf. Helios hält 94,9 Prozent der Klinikanteile, der Landkreis 5,1 Prozent.sto

Die Einrichtung des Dachauer Darmkrebszentrums zeigt nach Raus Worten schon erste Früchte. Die Zahl von an Darmkrebs erkrankten Patienten ist von 2013 auf 2014 spürbar zurück gegangen. Rau führt das auf die intensive Aufklärungs- und Präventionsarbeit des Dachauer Krebszentrums zurück. Für den Patienten sei weniger die Zertifizierung als vielmehr die Behandlung im Einzelfall wichtig. "Die zertifizierten Häuser haben nicht automatisch einen großen Patientenzulauf", sagt Rau. "Wichtig ist, dass die Arbeitsabläufe und die Ergebnisse stimmen."

Der Qualitätsbericht ist im Internet unter www.helios-kliniken.de/dachau einzusehen.