Bundestagswahl 2025„Drei Jahrhunderthochwasser in einem Jahr“

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Der Grünen-Ortsverband Erdweg-Altomünster hat zu einer Infoveranstaltung über die regionalen Auswirkungen des Klimawandels nach Erdweg eingeladen. Mit dabei sind: (v. l.) Oliver Nitsche, Jens Winninghoff, Tobias Fuchs, Angelika Börkey und Christian Zähle.
Der Grünen-Ortsverband Erdweg-Altomünster hat zu einer Infoveranstaltung über die regionalen Auswirkungen des Klimawandels nach Erdweg eingeladen. Mit dabei sind: (v. l.) Oliver Nitsche, Jens Winninghoff, Tobias Fuchs, Angelika Börkey und Christian Zähle. Toni Heigl

Kurz vor der Bundestagswahl will der Ortsverband der Grünen in Erdweg den Klimaschutz wieder ins Bewusstsein der Menschen rücken. Ein Experte vom Deutschen Wetterdienst erklärt, wie sich die Erderwärmung konkret auswirkt.

Von Katharina Erschov, Dachau

Die vergangenen Jahre haben gezeigt: Extreme Wetterereignisse sind kein abstraktes Phänomen mehr. Trotzdem sind Klimaschutz und die Begrenzung der Erderwärmung in den vergangenen Monaten aus dem politischen Debattenraum fast verschwunden. So kurz vor der Bundestagswahl will der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen das Thema Klimawandel deshalb wieder aus der Versenkung holen. Auf einer Infoveranstaltung am Donnerstagabend in Erdweg berichteten zwei Experten vom Deutschen Wetterdienst darüber, wie extreme Wetterereignisse entstehen und vor allem – was sie bewirken.

„Der Klimawandel ist real“, sagt Tobias Fuchs, Meteorologe und Leiter des Geschäftsbereichs Klima und Umwelt beim Deutschen Wetterdienst. Unter seriösen Wissenschaftlern werde darüber auch nicht mehr gestritten. Vor allem sei der Klimawandel aber global und betreffe uns alle. Auch im Landkreis seien dessen Auswirkungen zu spüren, bestätigt Christian Blatt (CSU), Bürgermeister aus Erdweg, und erinnert an das Hochwasser in Altomünster, Erdweg und Markt Indersdorf im Juli 2024. „Im Juli hat es hier so stark geregnet, dass die Glonn über die Ufer getreten ist. Das hat man gut gesehen, wenn man vom Petersberg in Richtung Erdweg schaute“, so Blatt. Nicht nur für Hausbesitzer und Landwirte, auch für die Kommunen gehen solche Ereignisse mit hohen Schäden einher.

Längst sind Klimakatastrophen auch in den Regionen spürbar: Im Jahr 2024 blieb auch der Landkreis vom Hochwasser verschont.
Längst sind Klimakatastrophen auch in den Regionen spürbar: Im Jahr 2024 blieb auch der Landkreis vom Hochwasser verschont. Toni Heigl
Der Saal im Wirtshaus am Erdweg ist gut besucht.
Der Saal im Wirtshaus am Erdweg ist gut besucht. Toni Heigl

Allein im vergangenen Jahr soll es in drei Regionen Deutschlands zu außergewöhnlich hohen Niederschlägen gekommen sein. Fuchs spricht von „drei Jahrhunderthochwassern innerhalb eines Jahres“. Andere Stimmen halten diesen Begriff in Zeiten des Klimawandels und neuer Extremwetterrekorde nicht mehr für angemessen. Zudem sei zu beobachten gewesen, dass diese Ereignisse parallel zu Hochwasserkatastrophen in Tschechien, Österreich, Spanien und Rumänien auftraten, teilt Fuchs mit. Bedingt werde dies durch die globale Erderwärmung. Denn wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen. In einem Grad wärmerer Luft befinden sich sieben Prozent mehr Wasserdampf, welcher das Potenzial für starke Regenfälle erhöht, erklärt der Meteorologe. Da auch die Ozeane etwa 90 Prozent der überschüssigen Wärme, die durch den Treibhauseffekt entsteht, aufnehmen, kommt es zu Hurrikans, Taifunen und anderen tropischen Stürmen in deutlich stärkerer Intensität als in den Jahren vor 1990.

Auch menschengemachte Eingriffe wie Flussbegradigungen und Versiegelungen spielen als Ursache von Extremwetterereignissen eine Rolle, allerdings betont Fuchs, dass intensive Hitze- und Trockenperioden allein vom Klimawandel drei- bis viermal wahrscheinlicher gemacht worden sind.

Das Ausmaß der Erwärmung hängt stark von den Emissionsszenarien ab

„Der Klimawandel ist schon ganz von selbst da, doch über die letzten 200 Jahre haben wir das Gleichgewicht verändert“, warnt Fuchs. Mit jedem Fass Öl, mit jeder Tonne Kohle, die verbrannt wird, steigt die globale Mitteltemperatur und es gebe neue Hitzerekorde. Obwohl der Höhepunkt der Industrialisierung bereits im 20. Jahrhundert lag, wuchs in den 1990er-Jahren die industrielle Produktion in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien stark an. Dies führte zu einem weiteren Anstieg der globalen CO₂-Emissionen. Laut dem Weltklimarat war die durchschnittliche globale Temperatur in den 1990er-Jahren eine der höchsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

„Wir bestimmen heute, woran sich unsere Kinder und Kindeskinder gewöhnen müssen“, so Fuchs. Das Ausmaß der Erwärmung hängt stark von den Emissionsszenarien ab. Im Szenario mit hohen Emissionen könnten Menschen, die um 1980 geboren sind, eine im Vergleich zum vorindustriellen Niveau um etwa zwei bis zweieinhalb Grad wärmere Welt erleben, bis sie 70 Jahre alt geworden sind. Die im Jahr 2020 Geborenen im schlimmsten Fall sogar ein über drei Grad wärmeres Klima.

Für den Ausbau der erneuerbaren Energien müssen mehrere Faktoren zusammenkommen

Eine Anpassung an die Wetterereignisse sowie der Klimaschutz sollten Hand in Hand gehen, darauf verweist der Experte. „Alles, was wir in den Klimaschutz investieren, müssen wir bei der Anpassung nicht mehr machen“, so der Meteorologe. Die Grünen-Kandidatin für die Bundestagswahl Britta Jacob pflichtet ihm bei. Der Klimaschutz sei ein Querschnittsthema und müsse auf allen Ebenen, und die CO₂-Reduktion in allen Sektoren mitbedacht werden. Der Ausbau erneuerbarer Energien (EE) sei aus seiner Sicht unumgänglich.

„Wir hätten auch schon gerne eine EE-Anlage mehr in der Gemeinde“, sagt Bürgermeister Blatt. Manche Maßnahmen seien aber nicht so schnell realisiert, wie man es sich wünsche. Für den Ausbau der Erneuerbaren müssten mehrere Faktoren zusammenkommen: etwa die Grundstücksverfügbarkeit und ob Netzeinspeisekapazitäten vorhanden sind, sagt er. „Die Kommunen sind auf eine verlässliche Politik aus Berlin und Förderprogramme, die nicht schon in zwei Tagen ausreserviert sind, angewiesen.“

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