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Klimaschutz an Schulen:Wie Schüler im Landkreis Dachau Nachhaltigkeit lernen

Die Grundschule Weichs und die Bavarian International School (BIS) erhalten die Auszeichnung "Europäische Umweltschule"

Von Jacqueline Lang, Weichs/Haimhausen

Wie viel Müll man am Tag oder im Jahr produziert, lässt sich berechnen. Das ist gar nicht so schwer, das können auch schon Grundschüler. Es muss ihnen nur beigebracht werden - wie so vieles im Leben. Noch gibt es aber nur wenige Schulen, an denen Themen wie Müllvermeidung, Biodiversität und Nachhaltigkeit fester Bestandteil des Lehrplans sind und durch Pflanz- und Müllsammelaktionen oder eben auch mal durch eine Matheaufgabe vermittelt werden; die Grundschule Weichs und die Bavarian International School (BIS) am Campus in Haimhausen sind zwei von ihnen. Um das auch nach außen sichtbar zu machen, haben sich die beiden Schulen im vergangenen Jahr für die Auszeichnung "Europäische Umweltschule" beworben.

Kurz vor Weihnachten war es dann soweit: Als bislang einzige zwei Schulen im Landkreis wurden sie für ihr Engagement als internationale Nachhaltigkeitsschulen ausgezeichnet. Das Projekt wird vom Bayerischen Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sowie dem Ministerium für Unterricht und Kultus in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU) und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) umgesetzt und erhielt zwischenzeitlich sogar die offizielle Anerkennung von der Unesco. Bei der Ehrung, die coronabedingt nur virtuell stattfinden konnte, lobte Umweltminister Thorsten Glauber die engagierten Schülerinnen und Schüler jedenfalls schon als "Vorbilder, die Nachhaltigkeit vorleben". "Wer Umwelt schätzt, der schützt sie auch. Deswegen ist der Bereich Umweltschutz in unseren Schulen besonders wichtig. Macht weiter so, nicht nur in der Schule, sondern auch draußen im Leben", ergänzte Kultusminister Michael Piazolo.

"Wir sind sehr stolz, dass wir jetzt die höchste Auszeichnung mit drei Sternen erreicht haben. Das zeigt die hohe Bedeutung der Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit an der BIS", sagt Emma Morris. Die britische Lehrerin leitet das Projekt Europäische Umweltschule und arbeitet dabei sehr eng mit ihren Kollegen Andi Pichler and Kim Kermath am Haimhausener Campus zusammen. Bereits 2019 war die Schule erstmals ausgezeichnet worden, damals jedoch nur mit zwei von den drei möglichen Sternen. Entsprechend groß sei die Motivation gewesen, 2020 die höchstmögliche Punktzahl zu erreichen, sagt Marko Mädge, Sprecher der Bavarian International School gAG. "Das heißt aber natürlich nicht, dass wir jetzt aufhören, uns mit dem Thema zu beschäftigen." Ganz im Gegenteil: Mit einem neuen Caterer soll von 2020 an - sofern Präsenzunterricht wieder möglich ist - noch stärker darauf geachtet werden, Plastik zu vermeiden. Wo immer möglich, werde schon lange papierlos gearbeitet. Zudem würden der Kräuter- und Permakulturgarten gehegt und gepflegt von den Schülern. "Das Thema trägt Früchte, weit über den Schulalltag hinaus", sagt Mädge. Das merke man etwa auch daran, dass Schüler, die noch mit einer Plastikflasche in die Schule kämen, von den übrigen Schülern schief angeschaut würden. Das würden natürlich auch die Eltern oder andere Freunde mitbekommen, und so werde das Thema weit über die BIS hinausgetragen. Neben den sogenannten After-School-Activities, die man wohl am ehesten mit Arbeitsgruppen (AG) vergleichen kann und einzelnen Projekttagen würden die Themen Nachhaltigkeit und Umwelt, das betont Mädge, wann immer möglich, in den regulären Unterricht "eingewoben", der ohnehin interdisziplinär und nicht monothematisch strukturiert sei.

Ähnlich ist es auch an der Grundschule in Weichs. Johanna Dorr, die im vergangenen Jahr neu an die Schule gekommen sei, erzählt Schulleiterin Sibylle Prell, habe auf die Auszeichnung aufmerksam gemacht. Denn auch wenn das Thema Nachhaltigkeit schon seit nunmehr fünf Jahren im Lehrplan verankert sei, habe man lange nicht gewusst, dass man sich auch um eine Auszeichnung bewerben könne. Obwohl daraufhin alle fleißig an den vorgegebenen Projekten mitgearbeitet hätten, sei man im Dezember dann aber doch "überrascht" gewesen, die Auszeichnung erhalten zu haben. Diese Freude wird nur leicht getrübt durch die Tatsache, dass sich diese tolle Nachricht bislang coronabedingt noch gar nicht wirklich feiern ließ, ja, Prell konnte bislang nicht einmal alle Schüler darüber informieren. Sie hofft, dass man bald zumindest draußen auf dem Schulhof zusammenkommen und die Fahne, die Teil der Auszeichnung ist, gemeinsam aufhängen kann.

Coronabedingt, das gibt Johanna Dorr zu, konnten auch die für die Auszeichnung eigentlich einzureichenden Projekte nicht ganz genau so umgesetzt werden, wie ursprünglich geplant: Die Umweltwoche, deren Höhepunkt ein gemeinsames "Ramadama" hätte sein sollen, musste am Ende auf Müllsammeln in festen Gruppen auf dem Pausenhof reduziert werden. Bis zu den Faschingsferien, die nun ja ausfallen, seien dafür schon feste Dienste eingeteilt worden, sagt Dorr. Der Müll, der dort gesammelt worden sei, sei, als noch Präsenzunterricht möglich war, nicht nur getrennt worden, sondern man habe den Kindern auch erklärt, warum es wichtig ist, ihn richtig zu entsorgen und wie lange manche Dinge brauchen, um zu verrotten. Was im vergangenen Jahr leider nicht geklappt hat, soll jedoch, wenn möglich, 2020 realisiert werden.

Neben dem Themenschwerpunkt Müll(trennung), haben sich die Erst- bis Viertklässler auch mit Upcycling beschäftigt. Im Lockdown hätten sie die Aufgabe gehabt, aus Alltagsgegenständen, für die es vermeintlich keine Verwendung mehr gibt - sei es eine leere Klopapierrolle, ein Flaschenverschluss oder eine alte CD - "fahrende Mobile und Fantasietiere" zu basteln. "Man muss nicht immer alles wegwerfen und etwas Neues kaufen", erklärte Dorr den Kindern. Sie hat sich mit der Grundschule Weichs zunächst erst einmal für einen Stern beworben, in den kommenden Jahren sollen bis zu drei folgen und mit den Sternen soll das Thema auch immer weiter Teil in den Schulalltag integriert werden. Sollten andere Schulen darüber nachdenken, sich ebenfalls zu bewerben, "dann können sie sich gerne bei mir melden", sagt Dorr. Sie hofft, dass dadurch eventuell in Zukunft noch mehr Schulen im Landkreis zu Umweltschulen werden. Luft nach oben ist allemal: im Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck etwa gibt bereits sieben Nachhaltigkeitsschulen, im Landkreis Starnberg sogar schon neun.

© SZ vom 13.01.2021
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