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Klassische Musik:Jauchzen und Wehklagen

Kammermusikabend

Kammermusikabend unter dem Dachgebälk des Wirtshauses.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Eidos-Quartett brilliert bei seinem Konzert im Wirtshaus am Erdweg

Von Magdalena Hinterbrandner, Erdweg

Auch Schubert und Mozart haben seinerzeit gerne Wirtshäuser besucht, bis heute ist es ein beliebter Ort für Künstler. Und weil das Eidos-Quartett in seinem Programm auch Werke von Schubert und Mozart präsentiert, ist die Wahl des Tafernsaals im Wirtshaus am Erdweg perfekt für das Konzert. Robuste, alte Holzbalken bilden den Dachstuhl des Hauses und tragen zu einer hervorragenden Akustik bei. Elisabeth Einsiedler an der ersten Violine, Ingeborg Stralendorff an der zweiten, Sandor Farkas an der Bratsche und Birgit Muhr-Spanhel am Cello haben alle ihr Instrument studiert. Zusammen bilden sie das Eidos-Quartett.

Durch das Programm mit Stücken von Mozart, Wolf und Schubert zieht sich ein Gedanke: Die Leichtigkeit des Seins gegenüber der "Schattenseite" des Lebens. Eines von Mozarts späten Streichquartetten ist das "Streichquartett in F-Dur", mit dem das Eidos-Quartett den Abend eröffnet. Das Werk gehört zu Mozarts Preußischen Quartetten. Mit der Arbeit begann er schon im Jahre 1789, doch in diesem Alter - er war 33 - plagte Mozart schon die Qual, nicht mehr die "Unbefangenheit" zu besitzen, mit der er in früherer Zeit seine Quartette geschrieben hatte. Erst im Sommer 1790 wurde das Werk fertiggestellt. Mozart widmete es "seiner Majestät dem König von Preußen", jedoch musste er das Quartett aufgrund seiner schlechten finanziellen Lage zu einem Spottpreis verkaufen. Erst drei Wochen nach seinem Tod erreichte es den preußischen König, allerdings ohne Widmung.

Auffallend in diesem Quartett sind die vielen solistischen Passagen in den ersten beiden Sätzen für das Violoncello, die Birgit Muhr-Spanhel meisterhaft spielt. Leise und sanft wird das Solo-Cello von den Violinen und der Bratsche begleitet. Ein schicksalhaftes, balladenhaftes Andante löst den tänzerischen ersten Satz ab und führt die Zuhörer in eine melancholische Stimmung. Erst ab dem dritten, wieder flotteren Satz verteilt sich der konzertierende Charakter des Stückes gleichmäßig auf alle Instrumente. Man kann das "Lächeln" der Violine deutlich hören, so zart und gefühlvoll wird sie von Elisabeth Einsiedler gespielt. Trotz der Moll-Einbrüche im Forte erkennt der Zuhörer wohl die lichte Seite dieses Streichquartetts.

Die Liebe zum Leben und die Sehnsucht nach dem Süden - genau das hat Hugo Wolf in seiner italienischen Serenade verarbeitet. Hugo Wolf war seinerzeit ein unbeliebter Musikkritiker. Er bemängelte das "altmodische" Programm der Orchester, das damals vor allem von Brahms dominiert wurde. 1887 hat er seine italienische Serenade komponiert und damit ein für ihn völlig neues Terrain betreten. Wie ein Perpetuum mobile zieht sich das scherzhafte Thema mit immer wieder neuen Varianten durch das gesamte Stück. Eine Rondoform, die Episoden lassen verschiedene Stimmungen entstehen, die immer wieder durch das wiederkehrende Thema aufgelockert werden. Auch sentimentale Passagen finden sich wieder, die die Sehnsucht nach einem Leben im Süden darstellen. Die Besucher konnten ganz in diese Sehnsüchte eintauchen, so dynamisch, zart und präzise hat das Eidos-Quartett diese Serenade konzertiert.

"Der Tod und das Mädchen" von Franz Schubert bildet den Gegensatz zu diesen "lichten Seiten des Seins". In seinem Streichquartett in d-Moll verarbeitet der Komponist vor allem sein eigenes Leiden durch seine schwere Krankheit, die ihm auch das Leben nahm. Ein schauriges Motiv zieht sich durch das gesamte Quartett. Schubert verarbeitet im zweiten Satz auch Themen seines früher komponierten Kunstliedes, welches das Gedicht "Tod eines Mädchens" von Matthias Claudius vertont. 1826 hat er das Quartett fertiggestellt. Charakteristisch dafür sind vor allem die harten, abwärts gehenden Triolen, die an Beethovens Schicksalssinfonie erinnern. Der letzte Satz ist durchzogen vom Rhythmus einer Tarantella, welche die wilde Jagd des Todes veranschaulichen soll, hier lassen sich auch Passagen des von Schubert vertonten Erlkönig wiedererkennen, der auch für den grausamen Tod steht. Am Ende des Programms sind die Zuhörer im Tafernsaals bewegt und hoch beeindruckt. Mit der Zugabe "Wiener Blut" von Johann Strauss verabschiedet sich das Eidos-Quartett vom begeisterten Publikum.

© SZ vom 20.03.2017
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