bedeckt München 20°

Kirche in Kollbach:Glaubensfrage

Die Gemeinde Petershausen lässt die Kollbacher Frauenkirche derzeit für 300 000 Euro renovieren. Doch nun da die erste Bauphase fast abgeschlossen ist, keimt erneut ein Streit um die Zukunft des Gebäudes auf: Soll das Gotteshaus zu einer Kulturstätte werden oder nicht?

Es ist vermeintlich unspektakulär, was Besucher aktuell im Inneren der Kollbacher Frauenkirche erwartet. Wer die niedrige Kirchentüre passiert, betritt einen nüchtern-schlichten Kirchenraum, in dem Altar, Kanzel und Heiligenfiguren staubsicher verpackt in Sperrholz-Kisten lagern. An den Mauern verlaufen netzartige Kabel einer Wandheizung. Eine elektronische Klimasteuerung öffnet automatisch kleine Fensterluken, um die Feuchtigkeit im Raum zu regulieren. Der grüne, modrige Schimmel, wie er vor Beginn der Arbeiten an den Wänden der denkmalgeschützten Kirche wucherte, soll aus dem Gotteshaus für immer verschwinden.

Der CSU-Gemeinderat Josef Gerer hat 35 Mitgliedern des Freundeskreises Frauenkirche vor Kurzem die Details der Sanierung des Gotteshauses erläutert. Gerer ist Sprecher des Freundeskreises. In der Diskussion mit den Freundeskreis-Mitgliedern über die Zukunft des Gebäudes wird deutlich, welche identitätsstiftende Bedeutung für die Dorfgemeinschaft die Frauenkirche hat. Rechtlich gesehen gehört die Kirche der Gemeinde Petershausen, weshalb die Renovierung mit Geld aus dem kommunalen Haushalt bezahlt werden muss. Diese ungewöhnlichen Eigentumsverhältnisse sind es, die bei beim Thema Frauenkirche in Petershausen immer wieder für Diskussionen sorgen. Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, dass die klamme Gemeinde nun 300 000 Euro locker machen muss, allein um das marode Baudenkmal vor dem Verfall zu retten, während finanzielle Unterstützung von der katholischen Kirche ausbleibt.

Die erste Bauphase ist inzwischen so gut wie abgeschlossen, nur die Innenwände werden noch verputzt und Risse an der Fassade saniert. Wie es weitergeht, werde der Gemeinderat im Oktober entscheiden, sagt Bürgermeister Marcel Fath (FW). Der beauftragte Architekt werde Varianten und Kostenschätzungen präsentieren und anschließend werde der Gemeinderat entscheiden.

Die Frage, wie die Kirche künftig genutzt werden soll, ist für einen politischen Beschluss eine wichtige Grundlage. Denn das kirchliche Leben in Kollbach spielt sich lange schon weitestgehend in der Pfarrkirche Sankt Martin ab, die kleine Frauenkirche wurde auch vor der Sperrung wegen Bauschäden nur noch selten etwa für Maiandachten genutzt. Die Bürger, das ergab im Mai eine allerdings schwach besuchte öffentliche Diskussion, befürworten für die Zukunft ein Konzept, das neben religiösen Feiern auch Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte umfasst.

Eine Öffnung für kulturelle Anlässe befürwortet auch Pfarrer Peter Dietz. Er ist nach Kirchenrecht Hausherr im gemeindeeigenen Gebäude. "Das ist auch die Meinung des Freundeskreises", sagt Josef Gerer. Allerdings treibt ihn die Sorge um, am Ende könnte die Kirche entweiht werden. So würde aus der Kirche ein weltliches Gebäude werden. Die Gemeinde als Eigentümer könnte sogar einen derartigen Antrag stellen, die Kirche müsste dem zustimmen. "Es gibt gewisse Strömungen bei Bürgern und im Gemeinderat", betont Josef Gerer.

Über dem Weihwasserbecken hängt ein Schild, das auf die letzte Restaurierung der Kirche in den Siebzigern durch die damalige Gemeinde Kollbach hinweist.

(Foto: Toni Heigl)

Allein der Gedanke, die Kirche könnte plötzlich nur noch ein profanes Veranstaltungshaus sein, sorgt für Unmut und Unverständnis bei den Zuhörern, die sich die Baustelle ansehen. Auch im geweihten Kirchlein gebe es viele Optionen, finden sie. "Eine Entweihung ist nicht notwendig", sagt die Kollbacher Heimatforscherin Renate Berberich. Im Gegenteil, ohne kirchliche Feiern werde das Gebäude rasch verwaisen, so ein Teilnehmer. Auch die im Publikum anwesenden Bürgermeisterkandidaten verwahren sich gegen die Idee einer Profanierung. "Eine Entweihung käme für mich nicht in Frage", betont Georg Seitz (ÜBP). Günter Fuchs (CSU) spricht gar noch einem "Verbrechen an der Zukunft".

In der Diskussion um die künftige Nutzung sollten sich die Kollbacher deshalb "bemerkbar machen", fordert Gerer. Doch dass der Freundeskreis-Sprecher die Bürger des 820-Einwohner-Dorfes gegen eine mögliche Entweihung der Frauenkirche einschwört, stößt bei Bürgermeister Fath auf Kopfschütteln. "Das ist ein Aktionismus, für den ich Null Verständnis habe." Der Gemeinderat entscheide im Oktober, wie es weitergehe mit der Sanierung. Ziel sei ein Konzept, das alle Bürger mittrügen, so Fath.

Bei der Veranstaltung auf der Kirchen-Baustelle macht eine Zuhörerin, die selbst aus dem Hauptort stammt, auf die wichtige Rolle der Bürgerschaft aufmerksam. Tatsächlich ist die Frauenkirche für viele Kollbacher Teil ihrer Familiengeschichte und identitätsstiftend. Doch vielen Bürgern aus dem nur zwei Kilometer entfernten Petershausen sei das Kirchlein kaum bekannt, ohne Bedeutung, ihnen fehlten Informationen. Aufgabe des Freundeskreises sollte es sein, so ihre Anregung, "mehr auf die Petershausener zuzugehen und sie stärker einzubinden".