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Kibitze in Karlsfeld:Neues Leben im Dachauer Moos

Ein Biodiversitätsprojekt des Vereins Dachauer Moos endet nach sieben Jahren - doch die Erfolge bleiben sichtbar

Von Horst Kramer, Karlsfeld

Von wegen grauer November. Der Himmel ist tiefblau, die Sonne strahlt an diesem Sonntagnachmittag, als ob sie den Frühling einleiten wollte. Im Krenmoos zwischen Karlsfeld und Dachau sind zahlreiche Spaziergänger unterwegs, Familien mit Kindern, Hände haltende Pärchen, Joggergruppen und Mountainbiker. Manche von ihnen sind auf den breiten Feldwegen in Richtung Schwarzhölzl, andere nutzen Trampelpfade.

"Der Erholungswert von Natur ist immens", betont Robert Rossa, Geschäftsführer des Vereins Dachauer Moos (VDM). Ebenso wichtig sei aber auch, so Rossa, die Flora wie Fauna nicht zu beeinträchtigen und die Wege nicht zu verlassen. Denn das Krenmoos ist eine der letzten Flächen des Dachauer Mooses, das seltenen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bietet. Der VDM hat das Areal zusammen mit dem Bund Naturschutz (BN) und dem Landschaftspflegeverband (LPV) seit 2013 in einem großen Biodiversitätsprojekt ökologisch aufgewertet, das nun nach rund sieben Jahren beendet wurde.

Doch der Erfolg bleibt sichtbar: So brüten hier seit einiger Zeit wieder Kiebitze, eine Vogelart, die in der roten Liste als "stark gefährdet" eingestuft wird. Das Projektgebiet umfasste jedoch nicht nur das Krenmoos, sondern eine Fläche von rund 5700 Hektar im östlichen Dachauer Moos, die sich auf dem Gebiet der Kommunen Dachau, Karlsfeld, Hebertshausen, Haimhausen sowie der Landeshauptstadt München verteilen. Es wurde als Bestandteil des EU-weiten Natura 2000-Schutzgebiet-Netzwerks anerkannt. "Die Erhaltung und Wiederherstellung unseres Naturerbes im Dachauer Moos", nennt Rossa als das übergeordnete Ziel des mit staatlichen Mitteln geförderten Projektes. Konkret ging es darum, die Lebensräume von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten wieder herzustellen und zu pflegen. So wurden zum Beispiel Ufergehölze am Kalterbach und weiteren Fließgewässern entfernt und durch Pflanzen wie das Pfeifengras ersetzt, damit dort die äußerst seltene Helmazurjungfer, eine filigrane Libellenart mit blau-schwarz gestreiftem Körper, ihre Eier ablegen kann. "Die Helmazurjungfer gilt als weltweit so gut wie ausgestorben", berichtet Rossa. Eines ihrer wichtigsten Refugien sei das Dachauer Moos, dank des Biodiversitätsprojekts. Rund zehn Kilometer Bachuferböschungen wurden auf diese Weise aufgewertet. Auf dem Gelände des Obergrashofs wurde der Kalterbach renaturiert und ein Seitenarm angelegt. Mittlerweile fühlen sich hier auch wieder seltene Fischarten wie der Schneider wohl, ein zehn Zentimeter kleiner Schwarmfisch.

Der jetzige VDM-Geschäftsführer fungierte anfänglich als Projektleiter, seine Vorgängerin Sabine Schöttl - mittlerweile als Vollzeitexpertin in der Naturschutzbehörde des Landratsamts tätig - hatte das Projekt angestoßen, zusammen mit der damaligen LPV-Chefin Beate Hülsen. Eine der wesentlichen Aufgaben Rossas war der Ankauf von landwirtschaftlichen Flächen, unter anderem im Krenmoos rund um den Kollerweiher (benannt nach dem bekannten Karlsfelder Naturschützer), im benachbarten Schwarzhölzl, an der Karlsfelder Würm oder auch im Inhauser Moos, wo Rossa ein Moorwäldchen erwerben konnte. "Das war nicht immer einfach", sagt der Agraringenieur, der zuvor zwei Jahrzehnte lang Naturschutzprojekte im Bayerwald und am Alpenrand betreut hatte. Manchmal kam Rossa mit Flächentausch weiter als mit Geld. Auf diese Weise sammelte das Projekt immerhin sieben Hektar ein. "Ein großer Erfolg", lobt Haimhausens Bürgermeister Peter Felbermeier (CSU), der Vorsitzende des VDM, ein gemeinnütziger Verein, zu dessen Mitgliedern sieben Kommunen sowie die Landkreise Dachau und München zählen.

Insgesamt standen den Beteiligten 810 000 Euro zur Verfügung. Knapp die Hälfte trug der Bayerische Naturschutzfond bei, zum Teil aus Erlösen der Glücksspirale. 40 Prozent des Budgets trugen die beiden Landkreise sowie die Landeshauptstadt. Den Eigenanteil von 15 Prozent teilten sich der VDM und der LPV. Das Projekt gilt als eines der Vorzeigevorhaben des Freistaats in Sachen Biodiversität. Der frühere Umweltminister Marcel Huber (CSU) kam mehrfach zu Besuch, im Sommer 2019 informierte sich sein Nachfolger Thorsten Glauber (FW) vor Ort.

Das scheint, Folgen gehabt zu haben. Als Glauber Ende Oktober sein Vorhaben "Wasserzukunft Bayern 2050" vorstellte, unterstrich er die Bedeutung der Moore als Wasser- und Kohlendioxidspeicher. Er sprach von Gewässernaturierung und kündigte an, Versickerungsstrukturen schaffen zu wollen. "Das kommt mir ziemlich bekannt vor", so Rossa. Felbermeier kommentierte mit einem Augenzwinkern: "Könnte sein, dass der Minister bei uns abgeschrieben hat." Die VDM-Verantwortlichen rund um Robert Rossa arbeiten jedenfalls schon an Anschlussprojekten.

© SZ vom 27.11.2020
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