GedenkstättenWeimer fordert härteres Vorgehen gegen KI-Bilder vom Holocaust

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Dieses Bild kommt auf Facebook gut an: Angeblich soll es einen US-Soldaten bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald mit zwei jungen Häftlingen zeigen. Dass diese Aufnahme durch eine KI erstellt wurde, wird im Begleittext verschwiegen. Die SZ hat das hier nachträglich mit einem Wasserzeichen gekennzeichnet.
Dieses Bild kommt auf Facebook gut an: Angeblich soll es einen US-Soldaten bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald mit zwei jungen Häftlingen zeigen. Dass diese Aufnahme durch eine KI erstellt wurde, wird im Begleittext verschwiegen. Die SZ hat das hier nachträglich mit einem Wasserzeichen gekennzeichnet. Quelle: Facebook/Historic Voices
  • Kulturstaatsminister Wolfram Weimer fordert die EU-Kommission auf, gegen KI-generierte Holocaust-Bilder in sozialen Medien vorzugehen.
  • Etwa 30 deutsche Gedenkstätten warnen vor massenhafter Geschichtsverzerrung durch KI-Fälschungen auf Facebook, TikTok und X.
  • Pakistanische Content-Ersteller nutzen laut BBC-Recherche falsche Holocaust-Bilder für Metas Monetarisierungsprogramm und verdienen damit Geld.
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Der Kulturstaatsminister sieht die EU-Kommission in der Pflicht, der massenhaften Geschichtsverzerrung in den sozialen Medien den Riegel vorzuschieben.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat an die Europäische Union (EU) appelliert, der Verbreitung KI-generierter Holocaust-Bilder und -Videos auf sozialen Medien entschiedener Einhalt zu gebieten. „Das große Leid der Opfer des Holocaust darf nicht verfälscht und verzerrt werden“, sagte Weimer der Nachrichtenagentur Reuters. Der parteilose Politiker sieht die Plattformbetreiber auf Grundlage des Digital Services Act (DSA) in der Pflicht, mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) hergestellte Bilder eindeutig zu kennzeichnen und „wenn nötig“ zu entfernen. Der DSA ist eine EU-Verordnung, die seit 2024 rechtskräftig ist. Sie soll digitale Grundrechte von Verbrauchern schützen und verpflichtet große Online-Plattformen, angemessen gegen illegale Inhalte vorzugehen.

Weimer unterstützt damit einen Vorstoß von Gedenkstätten, Archiven, Museen und Erinnerungsinitiativen aus ganz Deutschland: Etwa 30 Einrichtungen hatten in der vergangenen Woche vor den Folgen einer massenhaften Geschichtsverzerrung auf sozialen Medien gewarnt. In einem offenen Brief hatten sie die Plattformbetreiber aufgefordert, konsequenter bei KI-generierten Holocaust-Fälschungen einzuschreiten.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hier bei einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hier bei einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau. Niels P. Jørgensen

„Mit jedem dieser Postings wird die Arbeit von Gedenkstätten, Archiven, Museen und Forschungseinrichtungen entwertet und ihre Glaubwürdigkeit untergraben“, heißt es in dem Brief. Diese Inhalte würden gezielt eingesetzt, „um historische Fakten zu verwässern, Opfer- und Täterrollen zu verschieben oder revisionistische Narrative zu verbreiten.“ Sie würden zudem die Sehgewohnheiten der Nutzer und Nutzerinnen verändern, „die zunehmend auch authentische historische Dokumente anzweifeln“.

Mit KI erstellte Bilder und Videos, die vorgeben, Szenen aus Konzentrations- und Vernichtungslagern zu zeigen, fluten seit Monaten die Nachrichtenfeeds auf Facebook, Tiktok oder X. In den meisten Fällen fehlt der Hinweis, dass es sich dabei um frei erfundene Inhalte handelt. Experten sehen darin eine „neue Dimension der Fake History“.

Es ist ein makabres Geschäft um Klicks und Aufmerksamkeit auf Kosten historischer Fakten. Die Accounts, die diese KI-Inhalte verbreiten, erreichen damit teilweise Zehntausende Menschen nur mit einem Beitrag. Einige schlagen auch Profit daraus. In einer aufwendigen Recherche hat die BBC viele der KI-generierten Bilder, die auf Facebook im Umlauf sind, zu den Konten eines Netzwerkes aus pakistanischen Content-Erstellern zurückverfolgen können. Demnach nutzen diese die falschen historischen Aufnahmen für ein Monetarisierungsprogramm von Meta, das Nutzer für Beträge mit vielen Aufrufen bezahlt.

„Die Verbreitung manipulierter Bilder führt dazu, ‌dass Geschichte umgeschrieben wird“

Weimer fordert jetzt die EU-Kommission auf, Maßnahmen gegen die Plattformbetreiber zu ergreifen. „Wir ‌müssen verhindern, dass mit solchen KI-generierten Bildern oder Videos in sozialen Medien Geld verdient wird“, so Weimer zu Reuters. Das gebiete der Respekt vor Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft getötet und ‍verfolgt wurden. „Die Verbreitung manipulierter Bilder führt dazu, ‌dass Geschichte umgeschrieben und letztlich relativiert wird. Der DSA nimmt die Plattformanbieter in die Pflicht“, betonte der Kulturstaatsminister in Richtung EU-Kommission.

Zuletzt hatte Meta, der Mutterkonzern von Facebook und Instagram, auf SZ-Anfrage nur allgemein auf „Gemeinschaftsstandards“ verwiesen, die festlegen würden, welche Inhalte auf Facebook und Instagram erlaubt seien. Es sei bisher technisch nicht möglich, alle KI-generierten Inhalte zu identifizieren, hieß es. Zusammen mit anderen Unternehmen der Branche arbeite man aktuell an einheitlichen Standards, um KI-Content zu erkennen.

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